[IMI-List] [0693] Französisch-deutsche Atomwaffenkooperation / Wehrpflichtstreik / Iran
IMI-JW
imi at imi-online.de
Di Mär 3 13:03:40 CET 2026
----------------------------------------
Online-Zeitschrift "IMI-List"
Nummer 0693 – 29. Jahrgang
----------------------------------------
Liebe Freundinnen und Freunde,
eigentlich haben wir uns intern vorgenommen, IMI-Lists selten häufiger
als zweimal im Monat zu versenden. Dass sie gerade in einer höheren
Taktung kommen, ist leider ein schlechtes Zeichen, da es den
gravierenden Ereignissen seit Jahresbeginn geschuldet ist.
Deshalb finden sich in dieser IMI-List
1.) eine kurze Erklärung zum amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran;
2.) Hinweise auf neue Texte u.a. zum Neuen Wehrdienst anlässlich des am
5. März stattfindenden Schulstreiks gegen die Wehrpflicht;
3.) eine Einordnung der gestrigen Macron-Rede über die
französisch-deutsche Atomwaffenkooperation.
1.) Kurztext zum Angriff auf den Iran
IMI-Standpunkt 2026/011
Krieg ist kein Gewohnheitsrecht – nicht im Iran, nirgendwo!
https://www.imi-online.de/2026/03/02/krieg-ist-kein-gewohnheitsrecht-nicht-im-iran-nirgendwo/
Bernhard Klaus (2. März 2026)
2.) Texte und Hinweise zum Schulstreik gegen die Wehrpflicht
Am Donnerstag, den 5. März 2026 findet der nächste bundesweite
Schulstreik gegen die Wehrpflicht statt. Infos dazu finden sich in
dieser IMI-Mitteilung:
https://www.imi-online.de/2026/02/27/2-schulstreik-gegen-die-wehrpflicht-auch-in-tuebingen/
In dem Zusammenhang möchten wir auch noch auf diese beiden soeben
erschienenen IMI-Texte aufmerksam machen:
IMI-Standpunkt 2026/13 - in: AUSDRUCK (März 2026)
Keine Verhandlungsmasse
Die Generation Z und der neue Wehrdienst
https://www.imi-online.de/2026/03/03/keine-verhandlungsmasse/
Reza Schwarz (3. März 2026)
IMI-Analyse 2026/06 - in: AUSDRUCK (März 2026)
Kann Spuren von Pflichtdienst enthalten
Informationen zum „freiwilligen“ Neuen Wehrdienst
https://www.imi-online.de/2026/03/02/kann-spuren-von-pflichtdienst-enthalten/
Susanne Bödecker (2. März 2026)
3.) IMI-Standpunkt: Französisch-deutsche Atomwaffenkooperation
IMI-Standpunkt 2026/12
Neue französisch-deutsche Nuklearetappe
Stationierung französischer Atomwaffen in Deutschland ante Portas - ab
jetzt Europäisierung der französischen Atomwaffen
https://www.imi-online.de/2026/03/03/neue-franzoesisch-deutsche-nuklearetappe/
Tobias Pflüger (3. März 2026)
Der französische Präsident Emmanuel Macron hat am 2. März 2026 mitten in
der Angriffswelle der USA und Israels gegen den Iran eine Grundsatzrede
zu Atomwaffenentwicklung auf einem französischen Marinestützpunkt auf
der bretonischen Landzunge Île Longue gehalten. „Heute kann somit eine
neue Etappe der französischen Abschreckung konkretisiert werden.“(1)
Offensichtlich gab es davor eine Verständigung mit der deutschen
CDU/CSU/SPD-Bundesregierung, weil ein wesentliches Element der Rede
Macrons die zukünftige atomare Zusammenarbeit mit Deutschland war.
Deutschland bezeichnete Macron in der Atomwaffen-Rede als
„Schlüssel-Partner“ Frankreichs.
Frankreichs nukleare Aufrüstung
Der französische Präsident will die Anzahl der atomaren Sprengköpfe
Frankreichs aufstocken, auf eine Zahl, die nicht mehr genannt wird.
Bisher hat Frankreich nach SIPRI-Angaben 290 von weltweit ca. 12.000
Atomwaffen. Frankreich liegt damit auf Platz 4 der Atomwaffenstaaten
nach den USA, Russland und China. Macron kündigte an, dass Frankreich
bis 2036 ein neues Atom-U-Boot gebaut haben würde und es neue (atomare)
Hyperschallraketen geben werde. Bisher hat Frankreich vier Atom-U-Boote,
die darauf stationierten Raketen haben mit den Atomsprengköpfen eine
Reichweite von ca. 10.000 km. Die Atomwaffen können auch über
französische Marschflugkörper ins Ziel gebracht werden, die von
Kampfflugzeuge wie Rafale abgeschossen werden, es soll davon ca. 50 mit
einer Reichweite von 500 km geben.(2) „Wer frei sein will, muss
gefürchtet sein. Wer gefürchtet sein will, muss stark sein“, so ein
Begründungsschlüsselsatz Macrons für die Aufstockung der französischen
Atomwaffen.
Bevor er auf die neue europäische Komponente der französischen
Atomwaffen kam, war es Macron wichtig zu betonen, dass die
Verfügungsgewalt über die Atomwaffen allein beim französischen
Präsidenten – derzeit er selbst – verbleiben werde. Neben dem
„Schlüsselpartner“ Deutschland wurden eine Reihe weiterer EU-Länder von
Macron „eingeladen“, sich an einer französisch-europäischen
Atomwaffen-Zusammenarbeit zu beteiligen, er nannte Polen, Griechenland,
Dänemark, die Niederlande, Belgien und Schweden. Mit weiteren EU-Ländern
würden Gespräche geführt. „Es wurden Kontakte zu einer ersten Gruppe von
Verbündeten geknüpft, angefangen natürlich mit unserem wichtigsten
Partner, Deutschland.“(1)
Deutscher Schlüsselpartner
Macron kündigte nur mit Deutschland konkret eine gemeinsame
Atomwaffenübung an. Eine Stationierung von französischen Atomwaffen in
Deutschland stellte er in Aussicht. Interessant, wie Entscheidungen der
Bundesregierung inzwischen verkündet werden. Damit scheint die
Europäisierung der französischen Atomwaffen beschlossene Sache. Macron
wörtlich dazu, dass EU-Staaten an Atomwaffenmanövern zukünftig
teilnehmen können und dass Atomwaffen in EU-Ländern stationiert werden
können: „Diese Zerstreuung auf dem europäischen Gebiet (…) wird die
Rechnung unserer Gegner erschweren und wird der vorgelagerten
Abschreckung für uns viel Wert verleihen.“ Dieses
französisch-deutsch-europäische Atomwaffen-Projekt soll nach Angaben von
Macron ausdrücklich ergänzend zur nuklearen Komponente der NATO
entstehen. Frankreich beteiligt sich ja bekanntlich nicht an der
nuklearen Komponente der NATO. Es geht de facto um ein
französisch-deutsch-europäisches Atomwaffen-Aufrüstungsprogramm. Die
Bundesregierung hat sich damit wohl entschieden, zusätzlich zu den
US-Atomwaffen, die in Büchel stationiert sind, nun auch noch
französische Atomwaffen nach Deutschland zu holen.
Erste Schritte in diesem Jahr
Kurz nach Macrons Rede konnte auch gleich ein gemeinsames Dokument der
deutschen und der französischen Regierung im Internet gefunden
werden.(3) Darin heißt es u.a.: „Frankreich und Deutschland haben eine
hochrangige Nuklear-Steuerungsgruppe eingerichtet, die 3ls (Fehler im
Original) bilateraler Rahmen für den verteidigungspolitischen Austausch
und die Koordinierung strategischer Maßnahmen dienen soll. Hierzu
gehören Konsultationen über die geeignete Mischung aus konventionellen
Fähigkeiten, Raketenabwehr sowie französischen Nuklearfähigkeiten.
Frankreich und Deutschland haben vereinbart, in diesem Jahr erste
konkrete Schritte in diese Richtung zu unternehmen, darunter die
konventionelle Beteiligung Deutschlands an französischen Nuklearübungen,
gemeinsame Besuche strategischer Einrichtungen sowie Weiterentwicklung
konventioneller Fähigkeiten mit europäischen Partnern.“(3) Und weiter:
„Diese deutsch-französische Zusammenarbeit beruht auf dem gemeinsamen
Verständnis, dass die Nukleardimension der Abschreckung ein Eckpfeiler
der europäischen Sicherheit bleibt. Diese stützt sich auf die
erweiterte Abschreckung der USA, einschließlich der in Europa
stationierten US-amerikanischen Nuklearwaffen, sowie auf die
unabhängigen strategischen Nuklearstreitkräfte Frankreichs und
Großbritanniens, die eine eigene Rolle bei der Abschreckung spielen und
bedeutend zur Sicherheit des Bündnisses insgesamt beitragen. Diese
deutsch-französische Zusammenarbeit wird die nukleare Abschreckung der
NATO sowie die nukleare Teilhabe, zu der Deutschland einen Beitrag
leistet und auch weiterhin leisten wird, ergänzen, nicht ersetzen.“(3)
Atomwaffen und Atomkraft
Üblich in der französischen Politik ist auch, dass Atomwaffen und
Atomkraft immer verknüpft und zusammen gedacht und gesagt werden. So
auch Macron in seiner Grundsatzrede, in der er meinte, die
Atomkraftnutzung solle in Frankreich beibehalten werden. Dass damit auch
atomwaffenfähiges Material in französischen Atomanlagen entsteht, ist
Teil der französischen Atompolitik. In der Bundesrepublik wollen
offiziell nur die AfD und Teile der CDU/CSU zurück zur Atomkraftnutzung.
Die dringende Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrages durch die
Bundesregierung ist mit der Rede von Macron (und der Vereinbarung mit
der Bundesregierung, die der Rede offenbar vorausging), völlig
konterkariert und wird wohl nicht mehr erfolgen. Die Friedensbewegung
und Linke sollten sich weiterhin für den Abzug der schon in Deutschland
befindlichen US-Atomwaffen einsetzen und nun auch gegen die angekündigte
Atomwaffenübung Frankreichs mit Deutschland und die spätere
Stationierung von französischen Atomwaffen in Deutschland einsetzen.
Atomwaffen sind immer schlecht, egal ob französische, US-amerikanische,
russische, britische, chinesische oder andere und sie gehören
verschrottet, nicht zuletzt aufgrund der Gefahr, die von ihnen ausgeht.
(1) Zitate nach Süddeutsche Zeitung vom 02.03.2026
(2) vgl. u.a. Tagesspiegel vom 02.03.2026
(3)
https://www.bundesregierung.de/resource/blob/992814/2409278/ed173066ca61945e476599736de2eb0f/2026-03-02-joint-declaration-of-macron-and-merz-data.pdf
Mehr Informationen über die Mailingliste IMI-List