[Finews] Erinnert Ihr euch an die Tage danach 26. April vor 40 Jahren (1985) war die Tschernobyl-Katastrophe

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Fr Apr 3 21:48:37 CEST 2026


Robert Hülsbusch                                --> Antwort an:
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(möglichst bald, Danke!) 

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

 

es gibt Ereignisse, die man nicht vergisst, wo viele noch genau wissen, was
sie damals gemacht haben, wie er ihnen ging.  9/11 ist so ein Datum.

Und möglicherweise auch der 26.4.1986.  Tschernobyl.   Allerdings erfuhren
wir erst Tage später – genauer nach dem 1. Mai – vom Ausmaß der Katastrophe.

Europa hielt den Atem an.

 

Wisst Ihr noch, was ihr in diesen Tagen gemacht, gedacht, gefühlt habt…

 

Wenn ja – schreibt mir ein paar Zeilen dazu.  Ich möchte gerne den 40.
Jahrestag zum Anlass nehmen, einen öffentlichen Text zu schreiben. 

Eure persönlichen Erfahrungen würden dabei sehr helfen.

 

Und schon wieder wird über den Neueinstieg in die Kernenergie geredet.  Das
können wir nicht hinnehmen.

 

Danke schon jetzt.

Robert Hülsbusch 

 

Anbei ein Zeitungsbericht von damals.  Eingeladen war der Strahlenbiologe
aus Havixbeck, Prof. Dr. Köhnlein (+). Zum ersten Mal war der Saal der Alten
Amtmannei bei einer Veranstaltung der Friedensinitiative Nottuln brechend
voll! 

 

 

 

Mit Schaudern davongekommen MZ  15.5.1986

 

 

Professor Köhnlein zu den Folgen der Radioaktivität

 

RS. Nottuln. Was hat Nottuln mit Tschernobyl zu tun? Diese Frage beantwortet
sich mit der Reaktorkatastrophe fast von selbst. Wie mittlerweile bekannt
sein dürfte, wurde auch im Münsterland eine beachtliche Radioaktivität
gemessen. Die Friedensinitiative Nottuln und der AKU hatten am Dienstag
Professor Wolfgang Köhnlein vom Institut für Strahlenbiologie in Münster
eingeladen, die Bürger über das Ausmaß des Schadens in unseren Regionen zu
informieren.

Die Alte Amtmannei war bereits nach kurzer Zeit voll besetzt; zu dem Vortrag
kamen sehr viele junge Leute. Die Landwirte, die das Thema sowohl
wirtschaftlich angeht als auch in Bezug auf die Verhinderung weiterer
Schäden durch unsachgemäßes Handeln, waren kaum vertreten.

Prof. Dr. Köhnlein begann in seinem Vortrag mit allgemeinen Informationen
über die Radioaktivität und ihre Folgen. Am meisten beklagte er die
mangelhafte Informationspolitik der Sowjetunion, der US-Amerikaner, die
ebenfalls kurz nach der Katastrophe mehr gewusst hätten, als sie gesagt
haben, und die der Bundesregierung, der bereits zu einem früheren Termin
Informationen und Messergebnisse vorgelegen hätten, nach denen die
Bevölkerung hätte gewarnt werden müssen.

Durch diese späte und schlechte Information seien die Bürger im Münsterland
und in Nottuln in den ersten Maitagen unbedenklich im Regen herumspaziert,
ohne die Gefahr zu kennen, die besonders für kleine Kinder bestanden habe.
Prof. Dr. Köhnlein nannte einige Zahlen und Werte, die in Münster vom
Institut für Strahlenbiologie und von anderen Instituten gemessen worden
seien.

Danach lag die Belastung des Bodens, dessen Normalwert bei rund 200 bis 1000
Becquerel pro Quadratmeter Boden liege, bei etwa 60.000 Becquerel. Dieser
Wert ist am 5. Mai im Institut für Metallforschung in Münster gemessen
worden. Das Institut für Strahlenbiologie hat zu dieser Zeit eine
Luftbelastung mittels Messungen in Filteranlagen von 30.000 Becquerel
nachweisen können.

Trotz der relativ hohen radioaktiven Belastung seien die gesundheitlichen
Folgen prozentual gesehen gering. Sicherlich gäbe es eine Steigerung der
Krebserkrankungen, die aber bei 0,001 oder 0,002 Prozent läge. Genau lasse
sich das natürlich nicht sagen. Für ungeborenes Leben bestehe keinerlei
Gefährdung; dafür sei die Strahlung zu gering.

Trotzdem sollten Sandkästen, die zum Schutz vor den radioaktiven
Niederschlägen abgedeckt worden seien, jetzt wieder geöffnet werden, damit
der Regen die Verstrahlung auswaschen könne. Auch sei es ratsam, einen
Gartenschlauch in den Sandkasten zu halten.

Bezüglich der Gemüsebeete sei es am sinnvollsten, die oberste Erdschicht
abzutragen. Beim Auffüllen solle aber darauf geachtet werden, woher die neue
Erde käme. Ein Umgraben der Erde sei grundverkehrt; damit verteile man die
radioaktiven Teilchen nur noch gleichmäßiger in tiefere Erdschichten.

Das gerade wachsende Korn könne ebenfalls bedenkenlos stehengelassen und
nachher verzehrt werden. Zwar sei die Gefahr aus der Luft vorbei, die
kleinen Kinder sollten dennoch in der folgenden Woche noch nicht in
Sandkästen oder auf dem Boden im Freien spielen. Damit solle gewartet
werden, bis die Jodaktivität abgeklungen sei.

„Wir befinden uns auf einem sehr gefährlichen Weg. Was jetzt für uns noch
mit geringen Schäden ausgegangen ist, da die Entfernung nach Tschernobyl so
hoch ist, kann morgen bereits in anderer Form auch hier passieren“,
kommentierte Prof. Dr. Wolfgang Köhnlein die Katastrophe.

 



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