[IMI-List] [0509] ITEC: Rüstungsregion Stuttgart / Studie: Gegenkonversion

IMI-JW imi at imi-online.de
Di Mär 20 15:33:29 CET 2018




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Online-Zeitschrift "IMI-List"
Nummer 0509 .......... 21. Jahrgang ........ ISSN 1611-2563
Hrsg.:...... Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V.
Red.: IMI / Jürgen Wagner / Christoph Marischka
Abo (kostenlos).. https://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/imi-list
Archiv: ....... http://www.imi-online.de/mailingliste.php3
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Liebe Freundinnen und Freunde,

in dieser IMI-List findet sich

1.) eine neue IMI-Studie zur „Gegenkonversion“, der zunehmenden 
Wiederaneignung von Flächen durch die Bundeswehr;

2.) eine IMI-Analyse zur in Kürze stattfindenden Rüstungsmesse ITEC und 
ihrer „Verankerung“ in der Stuttgarter Region.


1.) Studie: Konversion rückwärts

IMI-Studie 2018/03
Konversion rückwärts:
Wiederaufrüstung in Baden-Württemberg
http://www.imi-online.de/2018/03/19/konversion-rueckwaerts/
http://www.imi-online.de/download/IMI-Studie2018-3_Gegenkonversion-Web.pdf
Alexander Kleiß (19. März 2018)

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – 1
2. KSK-Standort Calw und die Suche nach einem neuen Absprunggelände – 2
3. Carl-Schurz-Kaserne in Hardheim – 6
4. Coleman-Areal in Mannheim – 10
5. Fazit – 11
Anmerkungen – 15

Die 16seitige Studie kann auch als Zehnerpack zum Selbstkostenpreis (10 
Euro inkl. Porto) bestellt werden: imi at imi-online.de

2010 war die Neuausrichtung der Bundeswehr beschlossen worden, welche 
unter anderem die Aussetzung der Wehrpflicht und eine deutliche 
Reduzierung des Streitkräfteumfangs beinhaltete. 2011 folgte das 
entsprechende Stationierungskonzept: Der Personalumfang sollte allein in 
Baden-Württemberg um mehr als 10.000 Dienststellen reduziert werden. 13 
Standorte sollten hier geschlossen oder signifikant reduziert werden, 
unter anderem der Standort Hardheim. Dadurch sollten mehrere Flächen 
ihren Status als militärisches Sperrgebiet verlieren. Somit stand einer 
Konversion zahlreicher vormals militärisch genutzter Flächen nichts mehr 
im Wege. Konversion ist eine Bezeichnung für die Umwidmung militärischer 
Liegenschaften für zivile Zwecke.

Doch nicht nur Flächen, die vorher durch die Bundeswehr genutzt wurden, 
hatten die Perspektive auf eine zivile Nutzung. Auch die US-Armee hatte 
bekannt gegeben, einige zuvor militärisch genutzte Flächen aufgeben zu 
wollen, was vor allem den Raum Mannheim / Heidelberg betraf. Die Stadt 
Mannheim richtete 2010 eine Geschäftsstelle „Konversion“ ein, um die 
Überführung in die zivile Nutzung zu koordinieren.

Konversion kann für die von Standortschließungen betroffenen Gemeinden 
und Städte durchaus auch wirtschaftlich positive Effekte haben. Eine 
Studie aus dem Jahr 2010, die über 100 Regionen, in denen 
Bundeswehrstandorte geschlossen wurden, untersucht, kommt zu dem 
Ergebnis, dass die Schließung von Bundeswehrstandorten keinen 
signifikant negativen Einfluss auf die sozioökonomische Situation in der 
Umgebung hatte: „[…] in Deutschland hatten Standortschließungen kaum 
Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft. Standortschließungen, die als 
Teil der Modernisierung der Bundeswehr ab 2003 umgesetzt wurden, hatten 
keinen signifikanten sozioökonomischen Effekt auf die umliegenden 
Gemeinden.“ Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Militärstützpunkten 
auf die Umgebung würden überschätzt. Außerdem habe die Konversion der 
militärischen Liegenschaften äußerst positive Einflüsse auf die Umgebung 
gehabt: „Durch die Konversion und die Folgenutzung dieser Militärbasen 
wurden neue Arbeitsplätze geschaffen und diejenigen, die ihre Stelle 
verloren hatten, konnten oft neu beschäftigt werden, was die negativen 
Auswirkungen von Standortschließungen abschwächt. Diese neuen (zivilen) 
Entwicklungsprojekte erzeugen voraussichtlich einen substanziellen 
Anstieg an Steueraufkommen […]“.

Wie oben beschrieben standen die Zeichen 2010 bis 2012 auf Konversion. 
Mittlerweile ist ein gegenläufiger Trend zu beobachten. Sowohl das 
deutsche als auch das US-amerikanische Verteidigungsministerium 
revidierten Entscheidungen in Fällen, in denen Konversion vorgesehen 
war. Aufgegebene Flächen werden wieder in Betrieb genommen, Konversions- 
und Standortschließungsprozesse werden verzögert und nun sollen sogar 
bisher zivile Flächen künftig militärisch genutzt werden.

Dieser aktuelle Trend lässt sich mit dem neu einzuführenden Begriff 
„Gegenkonversion“ beschreiben.

Ganze Studie hier: 
http://www.imi-online.de/2018/03/19/konversion-rueckwaerts/


2.) ITEC und Rüstungsregion Stuttgart

IMI-Analyse 2018/06
Rüstung ohne Schwermetall
Die ITEC und der militärisch-forschungsindustrielle Komplex im „Ländle“
http://www.imi-online.de/2018/03/20/ruestung-ohne-schwermetall/
Christoph Marischka (20. März 2018)

Von 15. bis 17. Mai 2018 wird neben dem Stuttgarter Flughafen die 
High-Tech-Rüstungsmesse ITEC stattfinden. Obgleich Rheinmetall als 
„Platin-Sponsor“ noch eher mit den Panzern Marder, Boxer und Leopard 
assoziiert wird,[1] liegt der Schwerpunkt der Messe nicht auf schwerem 
Metall und Gerät, sondern explizit auf militärischen Trainings- und 
Simulationsumgebungen wie beispielsweise Flugsimulatoren. In den 
vergangenen Jahren haben solche Technologien auch für das Heer und 
insbesondere Spezialkräfte an Relevanz gewonnen, die ihre Einsätze 
teilweise in maßstabsgetreuen Nachbauten der Einsatzorte, zunehmend aber 
auch in virtuellen Abbildern der betreffenden Gebäude oder auch 
Stadtviertel vorbereiten. Auch jenseits detailliert vorbereiteter 
Zugriffe hat die virtuelle Realität an Bedeutung für Ausbildung und 
Training zugenommen. So wirkt das Gefechtsübungszentrum des Heeres (GÜZ) 
in der Colbitz-Letzlinger Heide auf den ersten Blick wie ein normaler, 
wenn auch mit seiner Übungsstadt „Schnöggersburg“ aufwändig 
ausgestatteter Übungsplatz. Zu einem der „weltweit modernsten 
militärischen Übungszentren“ wird es durch Systemtechnik des 
Geschäftsbereichs Simulation und Training[2] von Rheinmetall: „Große 
Teile der Übungsgefechte werden per Lasertechnik simuliert. 
Truppenbewegungen, Schüsse und Treffer werden per EDV kontrolliert und 
ausgewertet“.[3]

Darüber hinaus verschwimmen Trainingsumgebung und realer Einsatz 
zunehmend im Zuge der aktuellen High-Tech-Kriegführung. Am Beispiel der 
Steuerung unbemannter Flugzeuge lässt sich z.B. veranschaulichen, dass 
der/die Pilot*in objektiv gar nicht unterscheiden könnte, ob es sich um 
einen virtuellen Übungseinsatz oder eine tatsächliche Mission mit 
womöglich tödlichen Folgen handelt. Die „erweiterte Realität“, in der 
die tatsächliche Umwelt mit visualisierten Informationen aus Datenbanken 
usw. angereichert wird, ist für viele Nutzer*innen von Smartphones 
bereits Alltag, hat ihren Ursprung aber oft in militärischen Führungs- 
und Informationssystemen. So gehört es zu den grundlegenden Funktionen 
militärischer Lagezentren, aktuelle Informationen aus dem Gefechtsfeld 
z.B. auf Karten zu visualisieren und mit Kontextinformationen zu 
verknüpfen. Systeme wie der „Infanterist der Zukunft“ der Bundeswehr – 
erprobt natürlich zunächst von Spezialkräften – streben nun danach, auch 
die Kräfte im Feld in einer „erweiterten Realität“ agieren zu lassen, 
die z.B. auf Karten eigene und mutmaßliche feindliche Stellungen mitsamt 
der verfügbaren Waffensysteme, ihrer Reichweite und Reaktionszeit darstellt.

Damit gewinnt die ITEC als Messe für bereits zuvor durchaus profitable, 
aber eher periphere Produkte der Rüstungsindustrie beträchtlich an 
Relevanz. Zentrale Themen hier sind bereits seit Jahren virtuelle und 
erweiterte Realität, Künstliche Intelligenz und die Verarbeitung von Big 
Data sowie die sog. „Human Factors“, also die Anpassung maschinell 
aufbearbeiteter Daten an die menschliche Wahrnehmung. Als besonderer und 
neuer Themenschwerpunkt in diesem Jahr werden die „Chancen des 
Dual-Use“[4] benannt. Auf der Homepage der ITEC 2018 heißt es: 
„Ereignisse wie in Paris, Barcelona und London haben die Gefahren 
veranschaulicht, mit denen zivile Sicherheitskräfte umgehen müssen. Im 
gegenwärtigen Klima erwartet man von den (zuerst eintreffenden) 
Einsatzkräften, einzelne Terroristen mit automatischen Waffen in 
belebten Straßen zu eliminieren und zugleich Verwundete mit einer 
Reaktionszeit zu versorgen, die einem militärischen Schlachtfeld 
entspricht. Die Rolle von Simulation und Training für Polizei-, 
Feuerwehr- und Rettungskräften wird gleichbedeutend mit derjenigen für 
militärische Kräfte und das bedeutet, dass die Trainingsmethoden sich 
immer ähnlicher werden“.[5] Das ist tatsächlich erstaunlich nah an der 
Wahrnehmung des Baden-Württembergischen Innenministeriums, das in den 
vergangenen Jahren die Streifenwagen der Polizei mit Maschinengewehren 
ausrüsten und deren Besatzung in der Terrorbekämpfung ausbilden ließ.[6]

Wo die ITEC auf ihrer Homepage aber den diesjährigen Austragungsort 
Stuttgart vorstellt, geht es vor allem um Kultur und Architektur, „bunte 
Märkte“ und andere Freizeitangebote. Erwähnt wird außerdem, dass die 
Stadt „die Wiege der Mobilität“ sei, da hier Wilhelm Maybach und 
Gottlieb Daimler eines der ersten Automobile entworfen hätten und 
Mercedes-Benz und Porsche bis heute große Produktionsanlagen in der 
Stadt unterhalten. Betont wird zusammenfassend, dass hier „Tradition und 
Innovation Hand in Hand“ gingen.[7]

Militärische Standorte um Flughafen und Messe

Und trotzdem beschleicht einen der Eindruck, dass die Autor*innen des 
Textes die wahren Bezüge zwischen Messe und Region entweder gar nicht 
erfasst haben, oder bewusst verschweigen. Das beginnt bereits mit dem 
Austragungsort der Messe, der ja nicht in der Stadt selbst liegt, 
sondern neben deren Flughafen. Der liegt zwar direkt neben der Autobahn 
A8, ist mit öffentlichem Nahverkehr allerdings eher schlecht zu 
erreichen. Der Flughafen selbst hat wie viele Flughäfen eine 
militärische Geschichte und bis heute einen militärisch genutzten Teil, 
der einen guten Kilometer südlich der Messehallen liegt und vom US Army 
Special Operations Command betrieben wird. Zu diesem gehört auch ein 
Hubschrauberlandeplatz, der gemeinsam von der US Army und der 
Landespolizei genutzt wird. Auf dem Gelände des militärisch genutzten 
Teils des Flughafens ist heute noch ein Hangar in Betrieb, in dem ab 
November 1944 jüdische Zwangsarbeiter untergebracht wurden. Außerdem 
befindet sich hier ein Gräberfeld für die Leichen von 34 ehemaligen 
Häftlingen, die 2005 bei Baumaßnahmen entdeckt wurden. Außerhalb des 
militärischen Sperrgebietes erinnert seit 2010 die Gedenkstätte „Wege 
der Erinnerung“ an das ehemalige KZ-Außenlager Echterdingen.[8]

Gut fünf Kilometer nördlich der Messehallen quasi in Sichtweite über die 
Autobahn hinweg befinden sich die Kelley Barracks, in denen seit 2007 
das US-Oberkommando für Afrika (AfriCom) untergebracht ist und von dem 
aus nicht nur zahlreiche Operationen der US-Army in Libyen, West- und 
Zentralafrika, sondern auch tödliche Drohneneinsätze u.a. in Somalia 
koordiniert werden. Etwa zehn Kilometer nordwestlich an der A8 bzw. am 
südlichen Rand des Stuttgarter Talkessels entlang befinden sich am Rande 
des Stadtbezirks Vaihingen die Patch Barracks, Sitz des EUCOM, dem 
Oberkommando der US-Streitkräfte für Europa und das russische 
Territorium. Fünf Kilometer südlich von diesem und zehn Kilometer 
westlich der Messehallen erstrecken sich im Böblinger Wald großflächig 
die „Panzer“-Baracken der US-Spezialkräfte, die wahlweise unter dem 
Kommando des EUCOM oder des AfriCom eingesetzt werden können. Im 
Waldgebiet zwischen Böblingen und Vaihingen, das fast nur durch die 
Autobahnen A8 und A81 durchschnitten wird, befinden sich weitere 
militärische Einrichtungen, darunter ein Schießstand der Bundeswehr und 
die Kampfmittelbeseitigungsanlage des Landes Baden-Württemberg. 
Inwiefern auch der direkt gegenüber dem EUCOM im Autobahnkreuz gelegene, 
angeblich leerstehende aber gut bewachte Eiermann-Campus als ehemaliger 
Hauptsitz des IBM-Konzerns in Deutschland mit seinem Sendeturm in die 
militärische Infrastruktur eingebunden war oder ist, bleibt hingegen 
bislang Gegenstand von Spekulationen.

Nordwestlich von Stuttgart: Thales und Atos

Etwas weiter westlich der Panzer Baracken befindet sich der 
Hauptstandort des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr sowie ein 
Forschungscampus der Firma Bosch, der bislang auch vom KSK für Übungen 
genutzt wurde. Mehr noch als die im engeren Sinne militärischen 
Liegenschaften im Großraum Stuttgart weisen jedoch v.a. die dortigen 
High-Tech-Betriebe und Forschungseinrichtungen enge Bezüge zur ITEC und 
den dort behandelten Themen auf. Folgt man etwa der A81 nach ihrer 
Abzweigung von der A8 in nördliche Richtung, so beginnt nach dem 
Engelbergtunnel und einigen Feldern westlich der Autobahn die Bebauung 
der kleinen Stadt Ditzingen mit dem in den letzten Jahren umfangreich 
ausgebauten deutschen Hauptsitz des Rüstungsunternehmens Thales, nach 
Rheinmetall wichtigster Sponsor der diesjährigen ITEC. Das Unternehmen 
entstand aus der politisch gewollten Zusammenlegung der Rüstungssparten 
verschiedener französischer Unternehmen und ist neben der Luft- und 
Raumfahrt v.a. auf militärische Kommunikations- und Informationssysteme 
spezialisiert. Da sich in den vergangenen Jahren jedoch die 
Anforderungen ziviler und militärischer Datenverarbeitung und 
-übertragung aufeinander zubewegt haben, kann das Unternehmen Thales 
auch zunehmend auf „zivilen“ Märkten agieren und entsprechende 
Forschungsgelder aquirieren. Nach Angaben des Rechercheprojektes 
‚Security for Sale‘ war Thales jener Konzern, der am umfangreichsten von 
den EU- Forschungsprogrammen FP7 und Horizon2020 profitierte.[9] Hierbei 
wurden unter reger Beteiligung klassischer Rüstungsunternehmen Szenarien 
für die „zivile Sicherheit“ ausgearbeitet und daraus Fragestellungen 
abgeleitet, die dann in hunderten Einzelprojekten von 
Forschungsverbänden aus Unternehmen, Universitäten bzw. 
Forschungseinrichtungen und „Anwendern“, also häufig Polizeien und 
Sicherheitsbehörden, bearbeitet wurden. Die meisten Projekte bezogen 
sich auf Sensorik/Datenerfassung, die Aufarbeitung von Daten für 
Mensch-Maschine-Schnittstellen (Bildschirme, Lagezentren usw) sowie die 
sichere Kommunikation zwischen Sensorik, Auswertungs- und Lagezentren 
sowie Einsatzkräften. Aus diesem für die Projekte typischen Design und 
der aktiven Rolle von Thales bereits in der Konzeption der 
Forschungsprogramme erklärt sich auch die herausragende Rolle des 
Konzerns unter den Nutznießer*innen. Ähnliches gilt für den Mega-Konzern 
ATOS, der in Sichtweite des Thales-Hauptsitzes in Ditzingen im 
benachbarten Weilimdorf neuerdings ebenfalls eine Niederlassung 
unterhält. ATOS ist auf Großkunden, also staatliche Behörden und 
Unternehmen mit vergleichbaren Ausmaßen, ausgerichtet und seine Aufgabe 
besteht hier in der Systemintegration, also der Abstimmung der 
verschiedenen Komponenten von Kommunikations- und Informationsnetzwerken 
aufeinander. Auch dieses Profil passt bestens zum Design der 
EU-Forschungsprogramme und entsprechend war ATOS nach Thales, 
Finmeccanica (heute: Leonardo), Airbus (allesamt auf der ITEC vertreten) 
und dem staatlichen finnischen Forschungszentrum VTT deren fünftgrößter 
unternehmerischer Nutznießer.[10]

Rüstungsforschung für die „zivile Sicherheit“

Um den Zusammenhang zwischen Rüstungsindustrie und Sicherheitsforschung 
besser zu verstehen, hilft es, der A8 gut sechzig Kilometer weiter in 
westlicher Richtung nach Karlsruhe zu folgen. Hier und im benachbarten 
Ettlingen waren das Fraunhofer Institut für Informations- und 
Datenverarbeitung (IITB) und das FGAN-Institut für Optronik und 
Mustererkennung (FOM) angesiedelt, bevor sie 2010 zum Fraunhofer 
Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) 
fusioniert wurden. Die Fusion ging auf die Initiative des 
Bundesverteidigungsministeriums (BMVg) zurück, das zuvor das FOM fast 
alleine, das IITB jedoch nur zu einem kleineren Teil finanziert hatte. 
Das BMVg erhoffte sich durch deren Fusion eine bessere Anbindung an die 
zivile Wissenschaft und eine schnellere Umsetzung wissenschaftlicher 
Erkenntnisse in militärische wie auch zivile Produkte.[11] Als 
Katalysator hierfür dienten die vom BMVg noch vor ihrer Bekanntgabe 
explizit benannten, oben genannten Forschungsprogramme, welche eine enge 
Einbeziehung (ziviler) Anwender*innen und der Rüstungsindustrie in 
konkrete, szenarienbasierte Forschung gewährleisteten. Der Plan ging 
erstaunlich gut auf: Aus dem von älteren Herren dominierten und unter 
militärischer Geheimhaltung agierenden FOM wurde das nach eignen Angaben 
größte Institut im Feld der Bildgewinnung, Bildverarbeitung und Analyse 
Europas mit besten Beziehungen in die Universitäten, Behörden, zur 
Rüstungsindustrie und zur Bundeswehr. Entsprechend forschte das IOSB in 
den Folgejahren nicht nur gemeinsam mit der Bundeswehr an der 
Optimierung der Bildauswertung der Luna-Drohne (u.a. in Afghanistan), 
sondern auch mit Thales, Airbus, der (damaligen) Carl Zeiss AG und dem 
Deutschen Zentrum Luft- und Raumfahrt (DLR) zur vermeintlich zivilen 
Überwachung des Mittelmeers mit Satelliten, Drohnen und Sensorbojen u.a. 
zur Bekämpfung illegalisierter Migration. 2015 unterzeichneten auch das 
IOSB und Atos einen Kooperationsvertrag.

Ein militärisch-forschungsindutrieller Komplex im Ländle

Dass sich Deutschland und der Cluster in Baden-Württemberg in der 
Europäischen Sicherheitsforschung gut positionieren konnten, ist nicht 
nur der vorausschauenden Umstrukturierung der zivilen und militärischen 
Forschungslandschaft zu verdanken, sondern auch einem parallel zu den 
EU-Programmen im Jahr 2007 angelaufenen Programm nationaler 
Sicherheitsforschung im Rahmen der High-Tech-Strategie der 
Bundesregierung, das seit dem über 540 Millionen Euro aus dem Budget des 
Bundesforschungsministeriums und mehr als 122 Millionen Euro aus der 
Industrie erhielt.[12] Angekündigt wurde das Programm 2006 auf der 
ersten und seither regelmäßig stattfindenden Konferenz „Future Security“ 
des Fraunhofer-Verbunds Verteidigungs- und Sicherheitsforschung (VVS) am 
Standort des damaligen FOM in Ettlingen von der damaligen 
Bundesbildungsministerin Annette Schavan,[13] die zuvor (bis 2005) zehn 
Jahre lang Kultusministerin des Landes Baden-Württemberg war.

Mit dem im November 2017 verabschiedeten neuen Polizeigesetz 
Baden-Württemberg schuf das Land erneut beste Bedingungen für die zeit- 
und praxisnahe Umsetzung neuer Technologien: Mit dem neuen Gesetz habe 
das Land „erstmals einen rechtlichen Rahmen für solche Methoden“ 
geschaffen, frohlockte das IOSB und kündigte an, dass „[d]as am 
Fraunhofer IOSB entwickelte, computergestützte Investigationssystem 
ivis-X für die digitale Forensik“ nun „erstmals in der realen Anwendung 
getestet und weiterentwickelt werden“ könne.[14] Fast könnte man meinen, 
bei dem neuen Polizeigesetz, mit seinen schweren und tw. bizarren 
Angriffen auf Grundrechte[15] gehe es v.a. um Forschungs- und 
Industrieförderung. Tatsächlich jedoch hatte das IOSB (bzw. sein 
Vorgängerinstitut IITB) bereits andere Tests unter realitätsnahen 
Bedingungen durchgeführt: Mehrfach wurden große Musik-Festivals mit 
Ballonkameras und Drohnen von oben gefilmt und die gewonnenen Bilder in 
einem Container mit Kartendaten aufbereitet auf einem Lagetisch 
dargestellt, der auch von den Festivalbesucher*innen begutachtet werden 
konnte.[16] Dass es sich hierbei um eine Erprobung der Systeme AMFIS und 
„Digitaler Lagetisch“ handelte, die das IOSB im Auftrag des 
Bundesverteidigungsministerium entwickelt hatte, wurde den 
Besucher*innen – soweit bekannt – allerdings nicht mitgeteilt. Weitere 
Erprobungen des im militärischen Auftrag entwickelten Systems fanden bei 
Übungen u.a. mit der Feuerwehr Mannheim statt.[17]

Künstliche Intelligenz und Big Data

Dem Thema „Öffentliche Sicherheit – intelligente Videoauswertung“ hat 
das Fraunhofer IOSB 2017 eine Schwerpunktausgabe seiner Zeitschrift 
visIT gewidmet, in der neben der „Forensische[n] Bildanalyse“ auch die 
„Sensorbasierte Verhaltensanalyse“, die „Gesichtswiedererkennung in 
Videomassendaten“ und ein „Video-basiertes Assistenzsystem für die 
Sicherheit von Großveranstaltungen“ vorgestellt werden.[18] Wie sich 
bereits in den genannten Titeln andeutet, ist hierbei die „Auswertung … 
großer Datenmengen“ ein zentrales Thema – und damit die künstliche 
Intelligenz. Das führt uns zu einem weiteren Großprojekt der deutschen 
Forschungspolitik in Baden-Württemberg, das sog. Cyber Valley. Die 
zugrundeliegende Kooperation wurde am 16. Dezember 2016 im Stuttgarter 
Neuen Schloss von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und dem 
Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft feierlich begründet: Neben den 
Universitäten Stuttgart und Tübingen beteiligen sich die Unternehmen 
Bosch, Daimler, Porsche, BMW, ZF Friedrichshafen und Facebook, später 
ist noch Amazon hinzugekommen. Ziel ist es, „die Forschungsaktivitäten 
von internationalen Key-Playern aus Wissenschaft und Industrie auf dem 
Gebiet der Künstlichen Intelligenz“ zu bündeln: „Gefördert durch das 
Land Baden-Württemberg werden die Cyber Valley-Partner neue 
Forschungsgruppen und Lehrstühle auf den Gebieten Maschinelles Lernen, 
Robotik und Computer Vision schaffen und in einem neuen Zentrum in der 
Region Stuttgart-Tübingen zusammenführen… Erklärtes Ziel von Cyber 
Valley ist es, die Ergebnisse der Grundlagenforschung rasch zur 
Anwendung zu bringen“.[19]

Grob räumlich definiert ist das Cyber Valley durch den erst letztes Jahr 
fertiggestellten, neueren Standort des MPI für Intelligente Systeme in 
Tübingen und den Standort bei Stuttgart-Vaihingen, der seit 2011 
besteht. Hervorgegangen ist der Stuttgarter Standort aus dem ehemaligen 
Max-Planck-Institut (MPI) für Metallforschung, das wiederum eine sehr 
ausgeprägte militärische Geschichte aufweist. Der damalige Präsident der 
Kaiser-Wilhelms-Gesellschaft (KWG) und heutige Namensgeber Max Planck 
habe den Umzug von Berlin nach Stuttgart 1933 sogar explizit wegen der 
„Nähe zu Friedrichshafen“ begrüßt, „mit Zeppelin und Dornier 
traditioneller Standort der deutschen Luftfahrtindustrie“.[20] Die heute 
– ebenso wie Daimler – wieder am Cyber Valley beteiligte ZF 
Friedrichshafen AG war 1915 eine Ausgründung eben jener Zeppelin GmbH 
und ist zu einem großen Teil in der Rüstung aktiv.

Laserwaffenforschung am Campus Vaihingen

Gebaut wurde das damalige KWG-Gebäude in der Stuttgarter Seestraße. Nach 
der Umbenennung und Umsturkturierung in ein MPI ist das Institut bis 
2002 in einen Neubau am Rande des Ortsteils Büsnau umgezogen und liegt 
dort nur gut 500 Meter nördlich des EUCOM in einer auf den ersten Blick 
idyllischen Landschaft. Einen guten Kilometer östlich des MPI, über den 
Katzenbach und durch ein Rotwildgehege, hat das Institut für Technische 
Physik des Deutschen Zentrums Luft- und Raumfahrt (DLR) seinen Sitz. Der 
Wissenschaftsrat schrieb hierüber 2007, dass die Aktivitäten des 
Instituts „vorwiegend auf Anwendungsmöglichkeiten im wehrtechnischen 
Bereich“ zielten und deshalb „in erster Linie das Bundesministerium der 
Verteidigung (BMVg) sowie die deutsche wehrtechnische Industrie zu den 
Auftraggebern und Kooperationspartnern des Instituts“ gehörten. „Ein 
besonderer Schwerpunkt der aktuellen Forschungs- und 
Entwicklungsarbeiten liegt in der Nachführung auf und 
Positionsbestimmung von unkooperativen Targets im Luftraum mit 
anschließender Einweisung eines Wirklasers“, heißt es auch im 
Jahresbericht 2016 des BMVg zu dessen wehrwissenschaftlicher 
Forschung.[21 Die Entwicklung von Laserwaffen am DLR in Stuttgart ist 
umso bemerkenswerter, als hier zugleich „Weltraummüll-Forschung“ 
stattfindet. Dabei sollen im Weltraum fliegende Teile „in der 
Größenordnung von einem Satelliten“ durch gepulste Laser so abgebremst 
werden, dass sie in der Atmosphäre verglühen. In einigen Jahren könnte 
es laut Stuttgarter Zeitung gar möglich sein, „den Himmel systematisch 
leer räumen zu können“.[22]

Äußerlich fügt sich das DLR-Gelände nahtlos in den Campus der Univerität 
Stuttgart-Vaihingen ein.[23] Die „lasergestützten Bahnbestimmung von 
Trümmerteilen im All“ durch das hauptsächlich vom BMVg finanzierte 
Institut erfolgt jedoch nicht vom Campus Vaihingen aus, sondern aus dem 
Zentrum Stuttgarts: Seit 2013 unterhält das DLR hier ein 
Forschungsobservatorium an der „Schwäbischen Sternwarte“ auf der 
Uhlandshöhe,[24] etwa einen Kilometer westlich des Hauptbahnhofes, die 
durchaus auch als Ausflugsziel bekannt ist.

Das andere Ende des Cyber Valley

Zwar plant das Institut für technische Physik zukünftig auch, deutlich 
kleinere Teile im Weltraum zu registrieren und ihre Bewegung im Hinblick 
auf mögliche Kollisionen zu simulieren, womit Bezüge zu Big Data und 
künstlicher Intelligenz durchaus herzustellen wären. Dennoch ist nicht 
anzunehmen, dass es (jenseits der räumlichen Nähe) eine wesentliche 
Rolle im Cyber Valley spielen wird. Dessen eigentliches Herz schlägt 
bislang auf einem Hügel im Norden Tübingens, wo bereits länger die 
Max-Planck-Institute für Evolutionsbiologie und für biologische 
Kybernetik angesiedelt sind und letztes Jahr – wiederum in Anwesenheit 
des Ministerpräsidenten und des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft 
– der Tübinger Standort des MPI für Intelligente Systeme eingeweiht 
wurde. Das Land hatte den Bau mit 41 Mio. Euro unterstützt, der u.a. ein 
„variables Trainingsgelände für Roboter“ und eine „Capture Hall“ 
beinhaltet, in der ein „weltweit einzigartige[r] 4D-Ganzkörperscanner … 
Körper und ihre Bewegungen vollständig in Raum und Zeit hochauflösend 
aufnehmen kann“.[25] Mittlerweile hat auch der Amazon-Konzern die 
Ansiedlung eines seiner Entwicklungszentren für Künstliche Intelligenz 
auf dem Gelände angekündigt.

Die Vorarbeiten zum Cyber Valley gingen jedoch v.a. vom MPI für 
biologische Kybernetik aus und begannen etwa zeitgleich mit der 
Umstrukturierung der Institute in Karlsruhe. Auch hier war die 
Vernetzung außeruniversitärer Institute mit der Hochschule einerseits 
und der Industrie andererseits ein wesentlicher Meilenstein: 2007 
bewarben sich das MPI für biologische Kybernetik, das Institut für 
klinische Hirnforschung der Hertie-Stiftung und die neurologischen 
Institute der Universität Tübingen gemeinsam im Rahmen der 
Exzellenzinitiative um die Bildung eines Exzellenzclusters unter dem 
Titel „Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften 
(CIN)“, das daraufhin entsprechend gefördert wurde. 2010 gründeten CIN, 
MPI für biologische Kybernetik und Universität Tübingen wiederum das 
„Bernstein-Zentrum für Computational Neuroscience“, wiederum gefördert 
mit 8 Mio. Euro aus dem Bundesforschungsministerium. Beide im Grunde 
weitgehend deckungsgleiche Cluster fassten zunächst v.a. bestehende 
Lehrstühle und Abteilungen zusammen und bildeten gemeinsame 
Forschungsgruppen und Laboratorien. Sie und die damit verbundenen 
Forschungsgelder und Karrieremöglichkeiten beförderten die 
Neuausrichtung von (Sub-)Disziplinen der Psychologie, Mathematik, 
Informatik und Biologie auf sog. Kognitionswissenschaften und die 
künstliche Intelligenz. Die Erforschung von Nervenzellen und ihrer 
messbaren Aktivitäten u.a. in umstrittenen Tierversuchen geht seither 
nahtlos über in deren Simulation u.a. durch sog. künstliche neuronale 
Netze. Die Erforschung menschlichen Bewegungshandelns und der räumlichen 
Wahrnehmung von Mensch und Tier zielt primär auf deren Rekonstruktion 
durch Roboter und sog. Intelligente Systeme sowie die Optimierung von 
Mensch-Maschine-Schnittstellen. So waren CIN bzw. Universität Tübingen 
am wiederum von der EU-Sicherheitsforschung geförderten Projekt „Smart 
Eyes“ beteiligt, „das im Erkennen und Verarbeiten von bewegten Bildern 
menschenähnliche Leistungen erreichen sollte“. Dabei waren „das Erkennen 
von Auffälligkeiten im Aufnahmebereich sowie das Fixieren und Verfolgen 
dieser Phänomene“ zentrale Aufgabenstellungen.[26] Der Beitrag der 
Tübinger Arbeitsgruppe bestand darin, aus nachgestellten Szenen einiger 
Handvoll Studierender eine Menschenmenge zu simulieren und Unterschiede 
zwischen der Bewertung der so erstellten Szenen durch Polizisten und 
automatisierte Software zu identifizieren – eine geradezu typische 
Aufgabe der KI-Forschung. Beteiligt waren an dem Projekt neben 
Universitäten und Forschungseinrichtungen ein Düsseldorfer 
Veranstaltungsunternehmen und das Unternehmen Trackmen Limited.

Auch im Falle des Tübinger Clusters war es also u.a. die 
EU-Sicherheitsforschung, die – wiederum unterstützt durch nationale und 
regionale Förderprogramme – die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft 
forcierte. So wurde zwischen Ende 2011 und Ende 2014 das Projekt 
„Wahrnehmungsbasierte Bewegungssimulation (WABS)“ des MPI für 
biologische Kybernetik vom Bundesforschungsministerium mit gut einer 
Mio. Euro gefördert. Im selben Zeitraum wurde ein ähnliches Projekt mit 
dem Titel VR-Hyperspace von der EU mit 3,5 Mio finanziert, an dem neben 
dem Tübinger MPI u.a. die bereits genannten, auf der ITEC vertretenen 
Unternehmen Airbus und Thales beteiligt waren. Im Mittelpunkt stand 
jeweils ein Bewegungssimulator im sog. Cybernarium des MPI für 
biologische Kybernetik – ein fensterloser Bau, in dessen Inneren ein 
Roboterarm eine Kabine in allen räumlichen Dimensionen bewegen und 
neigen und mittels Projektionen den Flug durch virtuelle Landschaften 
simulieren kann. Vergleichbare Funktionen waren auch beim Projekt SUPRA 
gefragt, das – von der EU mit 3,7 Mio. Euro gefördert – die 
Möglichkeiten verbessern sollte, kritische Situationen in 
Flugsimulatoren abzubilden und zu trainieren.[27] Beteiligt waren hier 
die Firmen Desdemona aus den Niederlanden und AMST-Systemtechnik aus 
Österreich, die beide Flugsimulatoren insbesondere für militärische 
Abnehmer produzieren und damit geradezu beispielhaft für den Kern jener 
Technologien stehen, die auf der ITEC traditionell im Mittelpunkt stehen.

Geopolitisierung der Forschungspolitik

Zum Auftakt seiner Serie über die Zukunft des Krieges für Politico.eu 
schreibt Bruno Maçães: „Die kommenden Kriege können bewaffnete Konflikte 
sein, sie könnten aber auch radikal andere Formen annehmen: 
Auseinandersetzungen um die Kontrolle von Infrastruktur, 
Propagandaschlachten, Wettrennen um Technologien wie Künstliche 
Intelligenz, Robotik, Cyberwar sowie Handels- und 
Wirtschaftskriege“.[28] Der Gedanke ist nicht neu sondern in der 
militärische Planung und Strategie innerhalb des Theoriegebäudes der 
„Revolution in Military Affairs“ längst fest verankert. Obwohl trotz 
jahrzehntelanger High-Tech-Rüstung die konkreten militärischen Erfolge 
ausbleiben wird dort – sehr zur Freude der entsprechenden Sparten der 
Rüstungsindustrie – weiterhin davon ausgegangen, dass diejenige Partei 
den nächsten Krieg gewinnt, die am schnellsten die meisten Daten 
erfassen und (wie auch immer) auswerten kann. Im gegenwärtigen Gerede 
von „disruptiven Technologien“ gerade im Zusammenhang mit Künstlicher 
Intelligenz und Robotik (und der Genetik) kann man gewissermaßen eine 
Verallgemeinerung dieser militärischen Theorie auf die 
Technologiepolitik erkennen. So argumentierte der Max-Planck-Präsident 
Stratmann kürzlich im Deutschlandfunk für größere „Freiheitsgrade in der 
Wissenschaft“ mit eher geopolitischen Argumenten: „Wir müssen den Mut 
haben, Dinge zu machen, die riskanter sind… Aber ich glaube, auch die 
Politik erkennt, dass es ein wesentliches Element der Zukunftssicherung 
für Deutschland ist… Wir reden ja nicht nur von Deutschland, sondern wir 
reden auch von großen Forschungsräumen, die untereinander in Konkurrenz 
stehen. Das sind im Wesentlichen die USA, Asien und Europa, und unsere 
Heimat ist Europa. Wir müssen also dafür sorgen, dass Europa stark 
bleibt, stark wird“.[29]

Künstliche Intelligenz und erweiterte Realität auf der ITEC

In die ITEC eingebettet findet auch dieses Jahr eine Konferenz mit 
Redner*innen aus dem Militär, der Wirtschaft und der Wissenschaft statt. 
Grob die Hälfte der Beiträge stammen von Vertreter*innen der NATO, des 
britischen und des US-amerikanischen Militärs.[30] In einigen dieser 
Beiträge geht es um eher grundsätzliche Themen wie die Relevanz des 
Kriegstheoretikers von Clausewitz in modernen Trainingsumgebungen, in 
anderen um die Notwendigkeit, den zivilen Markt im Auge zu behalten, um 
hier Innovationen abzuschöpfen. Interessant ist etwa die Begründung, mit 
der ein Vortrag zur „Notwendigkeit der Interoperabilität im Bereich der 
Live-Simulationen“ angekündigt wird. Hier habe die NATO-Operation 
„Enhanced Forward Presence“, bei der multinationale NATO-Truppen 
rotierend in Osteuropa stationiert werden und kontinuierlich Manöver 
durchführen, die Rolle eines „Katalysators“ eingenommen: „Unter der 
Annahme, dass ‚Übung der neue Einsatz‘ im (ost-)europäischen Raum sei, 
haben Simulationssysteme nahezu den selben Status erreicht, wie 
Waffensysteme“. Ein Dr. Martin Rother wird hingegen darüber berichten, 
dass die NATO Wissenschafts- und Technologieorganisation (NATO-STO) 15 
disruptive Technologien identifiziert hätte, deren Fortschritte sie 
überwacht und eine Arbeitsgruppe der NATO für Modellierung und 
Simulation (NATO Modelling & Simulation Group, NMSG) entsprechende 
„zukünftige Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in die effektivste 
und effizienteste Richtung zu dirigieren“ versucht. Ein Vertreter der 
EU-Rüstungsagentur EDA wird gemeinsam mit einem Vertreter der 
französischen Firma Diginext die Pläne der EU vorstellen, im Zuge der 
Entwicklung einer eigenen bewaffneten Drohne die 
Ausbildungseinrichtungen für unbemannte Systeme der betreffenden Staaten 
zu vernetzen und so eine Umgebung zu schaffen, in der „Taktiken, 
Techniken und Prozeduren“ für das neue Waffensystem entwickelt werden 
können.

Während Rheinmetall als Platin-Sponsor der Veranstaltung auf drei der 
insgesamt knapp hundert angekündigten Einzelvorträge auf der Konferenz 
vertreten ist, zeigt Thales mit acht Mitarbeiter*innen auf fünf 
Vorträgen nahezu die gesamte Bandbreite der behandelten Themen ab: Sie 
stellen u.a. ein für das (insgesamt auf der ITEC stark vertretene) 
niederländische Militär entwickeltes System zur Simulation militärischer 
Dilemmas vor, beschreiben verbesserte Systeme für Flugsimulatoren und 
die Möglichkeiten, Umgebungen für elektronische Kriegführung zu 
simulieren. Ebenfalls gut vertreten ist die TNO, die (stark 
wehrtechnisch ausgerichtete) Niederländische Organisation für angewandte 
Wissenschaften, und jene Forschungseinrichtung, die nach der 
Fraunhofer-Gesellschaft und der Schwedischen Gesellschaft für 
Wehrforschung am umfangreichsten von der EU-Sicherheitsforschung 
profitierte. Die TNO wird u.a. darüber berichten, wie sich 
Raktenabwehrsysteme virtuell testen und Trainingsumgebungen räumlich 
optimieren lassen. Ein weiterer Beitrag der TNO beschäftigt sich mit der 
Fragestellung, wie Übungsgelände für Militärische Operationen in urbanem 
Gelände (MOUT) mit Leben gefüllt werden können. In der Ankündigung heißt 
es: „Trotz der großen Zahl von MOUT-Trainingseinrichtungen auf dem 
Globus sind die Möglichkeiten bislang begrenzt umgesetzt, diese in 
dynamische ‚real world‘-Übungsgelände zu verwandeln. Die Umgebung ist 
meist statisch hinsichtlich der Gebäude und erscheint leer wegen der 
begrenzt verfügbaren Rollenspieler und Objekte“. Demgegenüber soll ein 
System vorgestellt werden, das „virtuelle Rollenspieler in die Umgebung 
einfügt und die kinetischen und nicht-kinetischen Handlungen der 
Soldaten erfasst, durch die sie mit diesen in Interaktion treten“. Mit 
der Simulation und Interaktion von zivilen, polizeilichen und 
militärischen Akteuren in Städten unter Krisenszenarien setzen sich 
weitere Beiträge auseinander. Ein Vertreter der NATO wird ein System 
vorstellen, mit dem sich das Versagen kritischer Infrastrukturen in 
virtuellen Städten und die Reaktionen der Bevölkerung in den Social 
Media simulieren und erfassen lassen. Dennis Duke, Professor am Florida 
Institute of Technology, möchte hingegen darstellen, welche 
kommerziellen Produkte es bereits gibt, mit denen sich Situationen wie 
nach den Hurricans Harvey, Irma und Maria in Florida, Texas und Puerto 
Rico oder nach dem Erdbeben 2017 in Mexiko abbilden lassen.

Eine weitere Rednerin ist Kimberly Himmer, ehemalige Offizierin der 
US-Marineaufklärung und Mitbegründerin der Firma Articulated Python, die 
v.a. militärische Kundschaft hat und sich vor diesem Hintergrund mit den 
speziellen Anforderungen von Serious Games für Erwachsene 
auseinandersetzt. Gleich auf der (aktuellen Startseite des 
Internetauftritts des Unternehmens ist eine digitale Darstellung eines 
zivil gekleideten Mannes mit Turban, Gewehr und Fadenkreuz auf der Brust 
zu sehen. Bei „Serious Games“ handelt es sich um simulierte Umgebungen, 
die auf unterhaltsame Weise Fähigkeiten vermitteln sollen, die durchaus 
auch sinnvolle zivile Anwendungen haben können. Auch Prof. Alessandro De 
Gloria von der Universität Genua zum Thema Serious Games sprechen und 
unterstreicht bereits im Ankündigungstext die Notwendigkeit, in der 
nächsten Dekade „fesselnde Abenteuer in hochgradig realistischen 
Umgebungen mit einer Fülle von Informationen“ zu entwickeln. Zwar 
handelt es sich bei De Gloria um einen der wenigen vortragenden 
Wissenschaftler ohne unmittelbare militärische oder unternehmerische 
Anbindung, Berührungsängste mit Militär und Rüstung bestehen jedoch 
offenbar nicht. Er ist Präsident der Serious Games Society (SGS), die 
aus dem EU-Projekts GALA (Game and Learning Alliance) hervorgegangen 
ist. Explizites Ziel des von der EU mit gut 5,6 Mio. Euro geförderten 
Exzellenznetzwerks GALA bestand darin, „die Forschung zu Serious Games 
zu erfassen, zu integrieren, zu harmonisieren und zu koordinieren“. 
Beteiligt waren u.a. die NATO Wissenschafts- und Technologieorganisation 
(NATO-STO), ATOS und das britische Unternehmen PlayGen Ltd, das u.a. 
Trainingssimulationen für Polizeibehörden und die Armee herstellt.[31]

Gegen Rüstung, Überwachung und die Militarisierung der Forschung

Die ITEC soll 2018 erstmals in Stuttgart stattfinden, nachdem sie in 
Köln nicht mehr willkommen war. Auch in Stuttgart regen sich allerdings 
Proteste gegen die Vermietung der Landesmesse für das Schaulaufen der 
Rüstungsindustrie. Bereits am 18. Oktober 2017 hatte eine Kundgebung vor 
den Messehallen und am 25. Januar Proteste vor dem Stuttgarter Rathaus 
stattgefunden. Dabei wurde Finanzbürgermeister Michael Föll, zugleich 
Vorsitzender des Messe-Aufsichtsrats, ein Protestbrief überreicht. Am 
Karfreitag (30. März) ist im Rahmen der Ostermärsche 2018 um 14:00 Uhr 
vor dem Hotel Mövenpick neben dem Flughafen eine weitere Aktion geplant. 
Der Ostermarsch Stuttgart am 31. März wird dieses Jahr vor dem Rathaus 
in der Innenstadt beginnen, um die Komplizenschaft der Stadt mit der 
Rüstungsindustrie, dem deutschen und dem US-Militär anzugreifen. Auch 
während der ITEC-Messe Mitte Mai werden Kundgebungen auf dem Messe- und 
Flughafengelände stattfinden.

Die Ostermärsche und die Proteste gegen die ITEC bieten eine gute 
Gelegenheit, die traditionellen Anliegen der Friedensbewegung und 
insbesondere den Widerstand gegen die Erhöhung der Rüstungsausgaben mit 
der Kritik an einer Forschungs- und Technologiepolitik zu verbinden, die 
sich in den Dienst der Aufrüstung stellt und militärische Technologien 
auf die Anwendung im zivilen Umfeld vorbereitet. Krieg beginnt hier!

Anmerkungen
[1] Siehe z.B.: „Rheinmetall AG“, aufschrei-waffenhandel.de
[2] „Rheinmetall modernisiert und erweitert das Gefechtsübungszentrum 
Heer der Bundeswehr“, rheinmetall.com vom 29.9.2016.
[3] Bundestags-Drucksache 17/10589.
[4] ITEC 2018, defence-suppliers.com.
[5] „Key Themes“, www.itec.co.uk.
[6] Martin Kirsch: Militarisierung der Polizei – Massive Aufrüstung im 
Namen der Terrorabwehr, IMI-Studie 2017/05.
[7] „About Stuttgart“, www.itec.co.uk.
[8] Nikolaus Back und Bernd Klagholz: KZ-Gedenkstätte 
Echterdingen-Bernhausen, Landeszentrale für Politische Bildung, 
Fachbereich Gedenkstättenarbeit, 
https://www.gedenkstaetten-bw.de/fileadmin/gedenkstaetten/pdf/gedenkstaetten/filderstadt_kzgedenkstaette_echterdingen_bernhausen.pdf.
[9] Siehe: Kai Biermann und Christian Fuchs: 800.000 Euro für einen 
Terror-Airbag, der nie fertig wurde, zeit.de vom 23.2.2017.
[10] Ebd.
[11] Christoph Marischka: Fraunhofer IOSB – Dual Use als Strategie, 
IMI-Studie 02/2017.
[12] „Zahlen und Fakten zum Sicherheitsforschungsprogramm“, sifo.de vom 
Juli 2017.
[13] Eric Töpfer: Entwicklungsauftrag „Zivile Sicherheit“, in: 
Bürgerrechte & Polizei/CILIP 94 (3/2009) .
[14] „Intelligente Videoüberwachung: Mehr Privatsphäre und Datenschutz“, 
iosb.fraunhofer.de vom 16.1.2018.
[15] Alexander Kleiß: Neues Polizeigesetz in Baden-Württemberg – 
Militarisierung der Polizei und schwere Eingriffe in Grundrechte, 
IMI-Analyse 2017/47.
[16] In einem Fall wurde dies vom Chaos Computer Club vehement 
kritisiert, woraufhin der Veranstalter des Festivals, der SWR, erklären 
musste, dass „zu keinem Zeitpunkt, weder von der Stadt Heidenheim als 
örtlichem Veranstalter noch vom Südwestrundfunk, ein Auftrag erteilt 
[wurde], die Überwachung der Gäste zu übernehmen. Lediglich 
vorbesprochen wurde der eventuelle Einsatz eines kleinen Fesselballons, 
der Luftbilder für die Fernsehberichterstattung im SWR Fernsehen liefern 
könnte“. Siehe: „ARD und Fraunhofer proben die Totalüberwachung“, ccc.de 
vom 15.9.2011.
[17] Karl Urban: Luftunterstützung für die Feuerwehr, deutschlandfunk.de 
vom 6.2.2013.
[18] Fraunhofer IOSB: Öffentliche Sicherheit – intelligente 
Videoauswertung, visIT 3/2017.
[19] „Die künstliche Intelligenz findet ein Zentrum“, Startseite von 
cyber-valley.de (abgerufen am 16.3.2018).
[20] Helmut Maier: ‚Wehrhaftmachung‘ und ‚Kriegswichtigkeit‘ – Zur 
rüstungstechnologischen Relevanz des Kaiser-Wilhelm-Instituts für 
Metallforschung in Stuttgart vor und nach 1945, Herausgegeben von Carola 
Sachse im Auftrag der Präsidentenkommission der Max-Planck-Gesellschaft 
zur Förderung der Wissenschaften e. V.
[21] BMVg: Wehrwissenschaftliche Forschung – Jahresbericht 2016.
[22] Anja Tröster: Ein Laser soll den Himmel leerfegen, 
Stuttgarter-Zeitung.de vom 12.1.2012.
[23] „Goldgelber Kern“, german-architects.com vom 27.9.2017.
[24] „Weltraumschrott-Forschungsobservatorium Uhlandshöhe“, dlr.de.
[25] „Ein Leuchtturm für die künstliche Intelligenz“, mpg.de vom 12.7.2017.
[26] „Smart Eyes: Erkennen auffälliger Ereignisse“, fit.fraunhofer.de.
[27] Christoph Marischka: Alzheimer- oder Drohnenforschung?, Telepolis 
vom 18.9.2014.
[28] Bruno Maçães: The most valuable military real estate in the world, 
politico.eu vom 15./16.1.2018.
[29] „’Glaubwürdigkeitskrise der gesellschaftlichen Eliten‘ – Martin 
Stratmann im Gespräch mit Ralf Krauter“, deutschlandfunk.de vom 24.1.2018.
[30] Die folgende Beispiele und Zitate entstammen dem Konferenzprogramm 
der ITEC (itec.co.uk/conference-agenda) mit Stand vom 18.3.2018.
[31] EU-CORDIS: Game and Learning Alliance, sowie zu PlayGen Ltd.: 
http://playgen.com/play2/.




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