[Gen-Info] im Kabinett

Klaus Schramm 078222664-0001 at t-online.de
Sa Feb 14 14:52:36 CET 2004


Hallo Leute !

Ein bißchen verspätet - sorry - hier ein Artikel von Ute Daniels.

Ciao
   Klaus
   klaus.schramm at bund.net


11.02.2004
                 Das Gentechnik-Gesetz 
               und die möglichen Folgen 

             Heute passierte der Entwurf für das neue
             Gentechnik-Gesetz das Bundeskabinett. Obwohl das
             Gesetz nunmehr dem Bundestag und danach dem
             Bundesrat zur Entscheidung vorgelegt werden muß,
             hieß es einmal mehr von Seiten der Massenmedien, aber
             auch aus den Reihen vermeintlicher
             Gentechnik-GegnerInnen, das Gen-Moratorium sei
             diesmal - nunmehr endgültig - beendet(1). Tatsächlich
             jedoch bedeutet das seit 1998 bestehende
             Gen-Moratorium nichts anderes, als daß Anträge auf
             kommerziellen Anbau genmanipulierter Pflanzen nicht
             genehmigt werden. Erst wenn es die "rot-grüne"
             Bundesregierung wagen würde - nach Verabschiedung
             des Gentechnikgesetzes - dem ersten Antrag auf Anbau
             stattzugeben, wäre dies das Ende des Gen-Moratoriums. 

             Was wird mit diesem Gesetz bezweckt? Angeblich soll
             die "Koexistenz", der gleichzeitige Anbau
             genmanipulierter und herkömmlich gezüchteter
             Pflanzen, geregelt werden. Von Seiten der
             Umweltverbände ist vielfach zu hören, das nun
             vorliegende Gesetz sei nicht streng genug. Erst bei
             Nachbesserungen könne eine Koexistenz gewährleistet
             werden. Doch wie die Erfahrungen in Mexiko oder
             Kanada zeigen, läßt sich die Vermischung durch
             Abstandszonen und Hecken, die als Pollenbarrieren
             wirken sollen, nicht verhindern. Der Mitte letzten Jahres
             wegen seiner Gentech-kritischen Haltung vom britischen
             Premier Tony Blair entlassene Umweltminister Michael
             Meacher wies jüngst darauf hin, daß diese Vermischung
             mit noch höherem Tempo in der kleinparzelligen
             europäischen Landwirtschaft vonstatten gehen wird. Er
             bezieht in dieser Frage klar Position: Es geht um die
             Entscheidung, ob eine prosperierende
             Bio-Landwirtschaft für eine risikobehaftete
             Gentech-Landwirtschaft geopfert werden soll. 

             Merkwürdig ist zudem, daß auch aus den Reihen der
             Umweltverbände immer wieder zu hören ist, die
             deutsche Regierung sei "gezwungen", die Brüssler
             Vorgaben umzusetzen. Daß dies nicht den Tatsachen
             entspricht, beweist das Abstimmungsverhalten der
             anderen europäischen Staaten: Bei einer ersten
             Abstimmung im Dezember 03 über die Zulassung der
             genmanipulierten Süßmais-Sorte Bt-11 sah das
             Abstimmungs-Ergebnis im EU-Ausschuß wie folgt aus:
             Lediglich die VertreterInnen von Spanien,
             Großbritannien, Irland, Schweden, Finnland und den
             Niederlanden stimmten für die Zulassung des Bt-11.
             Frankreich, Österreich, Griechenland, Portugal,
             Dänemark und Luxemburg stimmten gegen den Antrag.
             Deutschland, Italien und Belgien enthielten sich. Und die
             belgische Regierung entschied Anfang dieses Monats
             gegen den Antrag von 'Crop Science', der
             Gentech-Tochter des Bayer-Konzerns, genmanipulierten
             Raps anbauen zu dürfen(2). 

               

             Ute Daniels 

               

             Anmerkungen: 
             (1) Siehe auch unseren Artikel 
                 'Immer wieder wird das Ende 
                 des Gen-Moratoriums verkündet' v. 25.10.03 

             (2) Siehe auch unseren Artikel 
                 'EU-weiter Anbau von Gen-Raps 
                 von Belgien gestoppt' v. 2.02.04 

               

             Hinweis: 
             In der Schweiz wurden bereits bis Mitte diesen Jahres
             über 110.000 Unterschriften für den Erhalt des dortigen
             Gen-Moratoriums gesammelt. Damit ist der Weg in der
             Schweiz für einen Volksentscheid beschritten. Bei der
             Unterschriften-Aktion zum Erhalt des Gen-Moratoriums
             in Deutschland kamen bisher über 130.000
             Unterschriften zusammen. Das hat bereits einige
             Beachtung gefunden. Um den Druck zu erhöhen, muß
             die Beteiligung noch erheblich gesteigert werden -
             Vordrucke für Unterschriften-Listen können von der
             Internet-Seite 
             www.gen-moratorium.de heruntergeladen werden. 




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