[FoME] wirtschaft und medien

Wolf Ludwig wolf.ludwig at comunica-ch.net
Mo Jan 21 15:47:50 CET 2013


Plus 1! Teile die Einwände der Kollegin Janßen voll und ganz.

Beste Grüsse,
Wolf Ludwig


Heike Janssen wrote Sat, 19 Jan 2013 15:31:
>Liebe Listenmitglieder,
mich hat die Debatte um Medien und Werbewirtschaft ziemlich beschäftigt, und zwar, weil ich sehr erstaunt darüber bin, wie einseitig positiv enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft von vielen in der Medienentwicklungszusammenarbeit gesehen wird. Ich würde das eher als ein notwendiges Übel betrachten, denn Wirtschaft ebenso wie Politik folgt anderen (aus der eigenen Sicht notwendigen) Logiken als die Medien. Manchmal auch gegenläufigen. Das heißt nicht, dass ich so naiv bin zu glauben dass Medien keine Finanzierung durch Werbung brauchen, wie ein Teilnehmer dieses Forums wenig höflich unterstellte. Aber ich halte das eben für nicht ideal. Ich kenne genug Journalisten in Osteuropa und in Afrika, die sehr darunter leiden, dass sie abhängig von Privatunternehmern sind und darum bestimmte Inhalte nicht bringen dürfen. 

Ich habe nur etwas Erfahrung in der MEZ, aber in der EZ allgemein schon, und bin Mitglied der Mediengruppe von Transparency, im Netzwerk Recherche und n-ost. Ich arbeite seit mehr als 20 Jahren als Journalistin in "Qualitätsmedien".  Ich habe viel mit Journalisten weltweit zu tun, darum maße ich mir an, mir ein qualifiziertes Urteil bilden zu können. 

Zum konkreten Streitfall möchte ich noch Folgendes ergänzen: 
Wenn der Managing Partner von PLURAL  Media Services wie folgt auf der eigenen Website gelobt wird:
"Capital bezeichnete Thomas Koch 1995 als „Profiliertesten Vordenker der deutschen Werbung“. 2004 nahm ihn Media & Marketing Europe in die Galerie der 15 Personen auf, die die europäische Werbebranche am meisten bewegten – zusammen mit Berlusconi, Levy, Murdoch und Sorrell. Beim 10jährigen Jubiläum des Deutschen Mediapreises wurde Koch 2008 zur Mediapersönlichkeit des Jahres gewählt."

...dann frage ich mich schon, welches Verständnis dieses Unternehmen von Journalismus hat. Ich jedenfalls würde nicht damit werben, dass mich jemand in die Nähe von Medienmenschen wie Berlusconi und Murdoch bringt. Für mich ist das ein Beleg für zu wenig Reflektion über die Nähe von Wirtschaft und Medien und auch zu wenig Reflektion über guten Journalismus. Ich hoffe, dass dort in der Journalistenausbildung diese beiden Mediendiktatoren nicht als Vorbild herhalten. 

Heike Janßen

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