[fessenheim-fr] Medienmitteilung der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen zu 50 Jahre Offenburger Vereinbarung
Schulz
erhard-schulz at t-online.de
Fr Jan 30 00:07:58 CET 2026
*_MEDIENMITTEILUNG
50. Jahrestag der "Offenburger Vereinbarung" zum Atomkraftwerk
Wyhl/Rhein vom 31. Januar 1976
_
"Staatsvertrag" zwischen Land Baden-Württemberg, Badisch-Elsässische
Bürgerinitiativen und Kernkraftwerk Süd
*Am 31. Januar 2026 jährt sich zum 50. Mal die sogenannte *"Offenburger
Vereinbarung" *von 1976 zum damals geplanten Atomkraftwerk Wyhl am
Rhein, ein "Staatsvertrag" zwischen dem Land Baden-Württemberg, den
damals 50 Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen und dem
Projekt-Betreiber Kernkraftwerk Süd (KWS), einer 100%-igen Tochter des
Badenwerks und der Energieversorgung Schwaben (EVS). Die Landesregierung
hatte versucht, den illegalen Zustand des seit 1975 besetzten Bauplatzes
in Wyhl angesichts der Stärke der Bürgerinitiativen schließlich durch
Verhandlungen zu beenden. Die Bürgerinitiativen ließen sich unter dem
Druck drohender polizeilicher Räumung sowie sehr hoher finanzieller
Schadensersatzansprüche und Strafandrohungen gegen die Initiativen (800
Mio. DM) und Einzelpersonen (bis 0,5 Mio. DM) darauf ein und erklärten,
dass der besetzte Bauplatz während der Verhandlungen verlassen, aber
bewacht bleibe.
*In der "Offenburger Vereinbarung" vom 31.01.1975 wurde hauptsächlich
festgelegt:
*Zu den wichtigsten strittigen Sachfragen werden zusätzliche unabhängige
Gutachten eingeholt, die KWS verzichtet auf Schadenersatzansprüche und
alle Strafverfahren werden eingestellt.
Die Bürgerinitiativen bekennen sich zur Gewaltlosigkeit und räumen den
Bauplatz und beschränken sich auf politischen Widerstand und den Rechtsweg.
Die Landesregierung behält sich die Entscheidung darüber vor, wann sie
die Bedenken der Bevölkerung ausgeräumt sieht.
Bei den Bürgerinitiativen waren die mehrwöchigen Verhandlungen und deren
Ergebnis durchaus umstritten. Trotzdem nahmen sie die Vereinbarung mit
großer Mehrheit an bei Enthaltung der elsässischen Initiativen und
Gegenstimmen vor allem aus Reihen der städtischen Initiativen.
*Voraussetzung der Bürgerinitiativen für die Annahme waren die Gundsätze:*
/*Über Leben und Gesundheit kann man nicht verhandeln.
Solange unsere Bedenken nicht ausgeräumt sind, darf das Atomkraftwerk
nicht gebaut werden.
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*/*_/Hintergrund: Wie es weiterging (I)
/_*Die Bürgerinitiativen setzten nun weiter auf politischen Druck und
Informationen. Sie stellten 1976 zur "Offenburger Vereinbarung" mit
ihrer *"Zweiten gemeinsamen Erklärung"* u.a. fest:
/- Man habe die "Offenburger Vereinbarung" nur akzeptiert in der
Erwartung, dass die Regierung nicht wieder versucht, das Atomkraftwerk
gegen den Willen der Bevölkerung durchzusetzen.
- Wiederlegt seinen die Behauptungen der Atombefürworter zur
Energiepolitik und zu Arbeitsplätzen.
- Nicht wiederlegt seien die Gründe der Bürgerinitiativen gegen die
Atomkraft.
- Falls die Regierung die Bedenken der Bürgerinitiativen nicht
respektiert, müssten sie Mittel und Wege finden, sich und die Heimat zu
schützen.
- Die Bevölkerung wird aufgerufen, den Rechtsweg finanziell zu
unterstützen, den die "Wyhl-Kläger" stellvertretend für die BürgerInnen
wahrnehmen.
/Nach einem Jahr Streit zwischen Land und Bürgerinitiativen um die
Unabhängigkeit der Gutachter sowie um den Inhalt und die
Unvollständigkeit der Gutachten im Gefolge der "Offenburger
Vereinbarung" erklärte das Land im Dezember 1977 die Erfüllung der
"Offenburger Vereinbarung". Die Bürgerinitiativen stellen die
Nichterfüllung der "Offenburger Vereinbarung" fest (Wyhl-Buch II, 1982).
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*_Hintergrund: Wie es weiterging (II)
_*Die Erfolge der Wyhl-Kläger 1975 im Sofortverfahren vor dem
Verwaltungsgericht Freiburg und im März 1977 dort im Hauptsacheverfahren
gaben den Bürgerinitiativen jeweils die erhoffte zeitliche Rückendeckung
bis zum November 1981, der Niederlage im Hauptsacheverfahren beim
Verwaltunggerichtshof in Mannheim.
Der "lange Atem" und die weitere Informationsoffensive der
Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen zusammen mit der
Landesgeschäftsstelle des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND) in Freiburg führten 1982/83 zu Gemeinderatsmehrheiten gegen das
Atomkraftwerk in nahezu allen Städten und Gemeinden des mittleren und
nördlichen Breisgaus. Im Juni 1983 im 4. Anlauf nach intensiver
Lobbyarbeit der Bürgerinitiativen und anderer, stiimmte endlich auch der
Gemeinderat von Freiburg i.Br. mit einer Stimme Mehrheit, der des
Oberbürgermeisters Dr. Rolf Böhme, gegen das Atomkraftwerk Wyhl. In
Freiburg hatte sich zuvor eine von den dortigen Bürgerinitiativen
erzwungene überhaupt erste offizielle Bürgerversammlung gegen das
Atomkraftwerk Wyhl ausgesprochen.
Das Land zog sich in der Folge unter Ministerpräsident Lothar Späth
schrittweise weiter von den Wyhl-Planungen zurück. Aber erst im Frühjahr
1994 wurde das Bauvorhaben der zwei Wyhl-Reaktoren endgültig
eingestellt, später auch die Standortsicherung in der Landesplanung
zurückgezogen, der Messmast abgebaut und das Gebiet auf Drängen der
bürgerlichen und behördlichen Umwelt- und Naturschützer unter
Naturschutz gestellt.
*Ausblick:
*Die erfolgreichen Bauplatzbesetzungen in Wyhl und kurz zuvor die gegen
die geplante Bleichemiefabrik im elsässischen Marckolsheim sowie kurz
danach durch andere Bürgerinitiativen gegen die Atomkraftwerke
Kaiseraugst bei Basel, in Gerstheim/Elsass und der Widerstand u.a. gegen
die AKWs Fessenheim/Elsass und - auch erfolgreich - bei Breisach und
Schwörstadt/Hochrhein stehen für entschlossene Proteste Hunderttausender
im "Dreyeckland".
Sie stehen für den Beginn des Atomausstiegs und der Energiewende nicht
nur in Deutschland. In der Region verhinderten die Initiativen 14
Atomkraftwerksblöcke und die Brennelementefabrik in Heitersheim.*
*Quellen:
*- Wyhl-Buch II: "Wyhl der Widerstand geht weiter", Dreisam Verlag,
Freiburg, 1982
- Georg Löser: "Grenzüberschreitende Kooperation am Oberrhein. Die
Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen", in: "Deutsche und Franzosen im
zusammenwachsenden Europa 1945-2000", Hrsg. Kurt Hochstuhl und
Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, W. Kohlhammer Verlag,
Stuttgart, 2003.
-* Gemeinsame Erklärung an die Badisch-Elsässischen BIs zum 50.
Jahrestag der Bauplatzbesetzung des Atomkraftwerks in Wyhl, 17.02.2025
*/Herausgeber der Medienmitteilung: Die Badisch-Elsässischen
Bürgerinitiativen/*
/Erhard Schulz, Pressesprecher der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen
Kandelstraße 51, 79312 Emmendingen
erhard-schulz at t-online.de/
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