[Debatte-Grundeinkommen] Steuerdebatte

Manfred Bartl sozial at gmail.com
Di Feb 27 00:23:39 CET 2007


Hallo, Guido!

Der nachfolgende Satz ist zwar prinzipiell richtig, vordergründig aber
eine Nebelkerze:

Jedes Einkommen wird irgendwann auch verkonsumiert. Ein Einkommen,
dass niemals verkonsumiert wird, ist ein Geschenk an die Gesellschaft.
Jemand hat der Gesellschaft eine Leistung erbracht, möchte aber keine
Gegenleistung dafür.

Wenn Du das Wort "Einkommen" durch das Wort "Verdienst" ersetzt, wird
der Satz richtig. Allerdings stimmt dann die Beobachtung nicht mehr!
Was nicht verkonsumiert wird, sind nämlich nicht die Verdienste,
sondern eben die riesigen Einkommen der ultrareichen Schlipsträger.
Die Leistungsträger der Gesellschaft hingegen, also die Facharbeiter,
Arbeiter und Angestellten, die ihnen diese unverschämten, perversen
Einkommen durch ihrer Hände und Köpfe Arbeit ermöglichen, müssen mit
ansehen, wie ihr Verdienst auf Konten und letztlich in Aktien und
Optionsscheine und Ähnliches wandert, was nicht nur dem Geldkreislauf
der Realwirtschaft entzogen wird, was an sich schon Probleme genug
schafft, nein, die aus dieser Finanzmasse heraus ermächtigten
Hedgefonds machen sich auch noch an den Grundlagen der Zivilisation zu
schaffen!

Lass mich zusammenfassen: a) Das "Geschenk an die Gesellschaft" kommt
ja nicht vom Herzen derer, die es sich leisten könnten, sondern von
denen, die sowieso schon viel zu wenig haben. b) Das "Geschenk" ist
nichts anderes als eine tickende Zeitbombe!

Gruß
Manfred



On 2/26/07, Guido Casper <besserwisser3 at yahoo.de> wrote:
> Genauso sehe ich das auch. Jedes Einkommen wird irgendwann auch
> verkonsumiert. Ein Einkommen, dass niemals verkonsumiert wird, ist ein
> Geschenk an die Gesellschaft. Jemand hat der Gesellschaft eine Leistung
> erbracht, möchte aber keine Gegenleistung dafür.
>
> Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob die Steuer vom Käufer oder Verkäufer
> bezahlt wird. Beide Seiten "leiden" darunter. Für beide Seiten wird das
> Geschäft ein Stück "unattraktiver". Der Staat holt sich ein Stück vom Geld
> des Käufers. Aber auch ein Stück der erbrachten Leistung oder ein Stück von
> der entstandenen Wertschöpfung. Immer wenn Geld den Besitzer wechselt (durch
> Geschäftstätigkeit), greift sich der Staat ein Stück davon ab.
>
> Die wirklich interessante Frage bleibt dabei etwas auf der Strecke. Ob die
> Progression im Rahmen des BGE abgeschafft werden kann. Die Theorie, dass die
> kleinen Leute unter einer hohen Mehrwertsteuer leiden, ist im Kontext des
> BGE eindeutig falsch. Denn die Kombination BGE und Mehrwertsteuer ist
> faktisch eine progressive Besteuerung. Dazu habe ich mal folgende Tabelle
> aufgestellt. Ich hoffe, sie kommt einigermaßen leserlich rüber. Die
> Prozentzahlen in der Titelzeile ist der jeweilige hypothetische
> Mehrwertsteuersatz und die Prozentzahlen in der Matrix ist der Steuersatz,
> der effektiv auf das erwirtschaftete Einkommen bezahlt wird.
>
>
> Grundeinkommen von 500 Euro:
>
> Gesamteinkommen           30%                    40%                 50%
> ------------------------------------------------------------------------------------------
>
> 1000 (500+500)           -40%                   -20%                  0%
>
> 1500 (500+1000)          - 5%                    10%                 25%
>
> 2500 (500+2000)           12%                    25%                 37%
>
> 3500 (500+3000)           18%                    30%                 42%
>
> 4500 (500+4000)           21%                    32%                 44%
>
> 5500 (500+5000)           23%                    34%                 45%
>
>
>
> Grundeinkommen von 1000 Euro:
>
> Gesamteinkommen           30%                    40%                 50%
> ------------------------------------------------------------------------------------------
>
> 1000 (1000+0)            700 EUR                600 EUR             500 EUR
>
> 1500 (1000+500)         -110%                   -80%                -50%
>
> 2500 (1000+1500)         -17%                     0%                 17%
>
> 3500 (1000+2500)           2%                    16%                 30%
>
> 4500 (1000+3500)          10%                    23%                 36%
>
> 5500 (1000+4500)          14%                    27%                 39%
>
>
>
> Grundeinkommen von 1500 Euro:
>
> Gesamteinkommen           30%                    40%                 50%
> ------------------------------------------------------------------------------------------
>
> 1000                       -                      -                   -
>
> 1500 (1500+0)            1050 EUR               900 EUR             750 EUR
>
> 2500 (1500+1000)         -75%                   -50%                -25%
>
> 3500 (1500+2000)         -22%                   - 5%                 12%
>
> 4500 (1500+3000)         - 5%                    10%                 25%
>
> 5500 (1500+4000)           4%                    17%                 31%
>
> 6500 (1500+5000)           9%                    22%                 35%
>
>
> Guido
>
>
>  Ernst Ullrich Schultz <webmaster at eusidee.de> schrieb:
>  Liebe MitstreiterInnen,
> mit Spannung verfolge ich die derzeitige Debatte um die Werner/Hardorp
> Steuervorschläge. Zwei Gesichtspunkte dazu:
> Die Superreichen können meinetwegen das goldene Freischwimmerabzeichen
> in ihrem Geldspeicher machen. Wirklich reich ist doch nur jemand, der
> seinen Reichtum auch konsumiert! Wer also ein dickes Auto fährt, muss
> also hohe Benzinsteuer entrichten und zwar in dem Land, wo er
> konsumiert. Die Einwendung, die Reichen können auf die Malediven oder
> in sonstige Paradiese ausweichen, kann ich nicht gelten lassen. Das
> machen die heute schon. Dass die anderen europäischen Länder nachziehen
> werden bei den Verbrauchssteuern, erscheint mir sonnenklar. Nebenbei
> bemerkt, erfreuen sich Länder mit hohen Konsumsteuern (zB: Dänemark)
> wirtschaftlich und sozial besserer Verhältnisse als bei uns.
> Reichtum ist eine Machtfrage. Und mächtig kann nur sein, wer genügend
> "Ohnmächtige" oder solche, die sich dafür halten, unter sich scharen
> kann. Wer bsp. bei der Deutschen Bank ein Konto hat, unterstützt Herrn
> Ackermann, das ist eine schlichte Tatsache.
>
> Die Alternative zur Verbrauchssteuer als Grundlage für Grundeinkommen
> wird die Einkommensteuer genannt. Das halte ich mit Verlaub für
> Blödsinn, denn es wird genau der Fehler wieder eingebaut, der zur Krise
> unserer Sozialsysteme geführt hat. Bei sinkender Erwerbsarbeit sinkt
> auch das Aufkommen für Grundeinkommen!
>
> Herzliche Grüße,
> Ernst Ullrich Schultz
>
> PS. Bei dem vorherigen Disput über den Begriff Wertschöpfung ist mir
> folgendes eingefallen: Alle Hausfrauen und -männer und alle
> ehrenamtlichen Kräfte in Deutschland sollten einmal in einen
> unbefristeten Streik treten, dann können sich die schlauen
> Volkswirtschaftler die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft einmal real
> anschauen! Denn grau, meine Freunde, ist alle Theorie.
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