[PM CompassCollective] 41 Rettungsschiffe unter dem Piantedosi-Gesetz insgesamt 1.075 Tage festgesetzt
KatjaTempel
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Di Jun 2 11:57:32 CEST 2026
Licata (Sizilien)/ Wendland, 2.6.2026
Pressemitteilung
41 Rettungsschiffe unter dem Piantedosi-Gesetz insgesamt 1.075 Tage
festgesetzt
Seit Inkrafttreten des Piantedosi-Gesetzes am 2. Januar 2023 haben die
italienischen Behörden gegen 41 zivile Rettungsschiffe
Festsetzungsanordnungen für 1.075 Tage verhängt – das entspricht fast
drei Jahren. Die Festsetzungen in italienischen Häfen haben verhindert,
dass die Crews der Schiffe Menschen in Seenot im zentralen Mittelmeer
helfen konnten, und somit zu den steigenden Todeszahlen maßgeblich
beigetragen, kritisiert die Justice Fleet.
Die Justice Fleet, ein Bündnis von 13 Seenotrettungsorganisationen, zu
dem auch das wendländische CompassCollective
<www.compass-collective.org> aus Niedersachsen gehört, betrachtet das
Gesetz der italienischen Rechtsaußen-Regierung als ein Instrument zur
systematischen Sabotage ziviler Seenotrettung, das das Leben von
Menschen auf der Flucht gefährdet. Seit dem 2. Januar 2023 sind laut der
Internationalen Organisation für Migration (IOM) mehr als 6.490 Menschen
auf einer der tödlichsten Fluchtrouten der Welt ertrunken oder gelten
als vermisst.
Allein im Jahr 2026 wurden bereits fünf zivile Rettungsschiffe von der
ultrarechten italienischen Regierung in Häfen festgesetzt. Darunter auch
das Segelboot TROTAMAR III des CompassCollective
<www.compass-collective.org>, das im April 2026 zum zweiten Mal für 15
Tage am Auslaufen in weitere Rettungseinsätze gehindert wurde. Klagen
gegen die beiden Festsetzungen sind noch beim Gericht in Agrigent
(Sizilien) anhängig. Gleichzeitig haben im ersten Quartal 2026 bereits
mehr als 825 Menschen
<https://missingmigrants.iom.int/region/mediterranean?region_incident=All&route=All&year%5B%5D=18381&month=All&incident_date%5Bmin%5D=&incident_date%5Bmax%5D=>ihr
Leben im zentralen Mittelmeer verloren. Damit verzeichnete die Region
den tödlichsten Jahresbeginn, seit die IOM im Jahr 2014 mit der
Erfassung von Todes- und Vermisstenfällen begonnen hat. Die Justice
Fleet kritisiert, dass die Behinderung ziviler Rettungsschiffe durch die
italienische Politik zur anhaltenden humanitären Katastrophe und zur
steigenden Zahl der Todesfälle an Europas Außengrenzen beiträgt.
„Es ist ein Skandal, dass europäische Staaten ihrer völkerrechtlichen
Pflicht zur Rettung von Menschen in Seenot nicht nachkommen und
stattdessen schweigen, während die italienische Regierung die
rücksichtslose Behinderung ziviler Rettungsschiffe weiter verschärft“,
sagt Wasil Schauseil, Sprecher der Justice Fleet. „Mit ihren Schiffen
sind die zivilen Seenotrettungsorganisationen die einzigen Akteure, die
in den Gewässern vor Libyen und Tunesien Hilfe leisten – dort, wo die
meisten Schiffsunglücke geschehen. Wer ihre Arbeit behindert, nimmt in
Kauf, dass mehr Menschen sterben. So einfach ist das. Wir fordern die
sofortige Aufhebung des Piantedosi-Gesetzes und die Einhaltung des
internationalen Rechts.“
Auf Grundlage des Piantedosi-Gesetzes verhängt die italienische
Rechtsaußen-Regierung Festsetzungen und Geldstrafen gegen
Rettungsschiffe, wenn diese angeblich Anweisungen italienischer Behörden
missachten – selbst dann, wenn diese Anweisungen gegen internationales
Recht verstoßen oder eine Zusammenarbeit mit gewaltbereiten Akteuren wie
der sogenannten libyschen Küstenwache verlangen.
Italienische Gerichte
<https://justice-fleet.org/de/gerichtentscheide>haben in den vergangenen
Jahren wiederholt die lebensrettende Rolle der zivilen Seenotrettung
hervorgehoben und klargestellt, dass weder die sogenannte libysche
Küstenwache noch die libysche Seenotrettungsleitstelle (MRCC) als
legitime Rettungsakteure anzusehen sind. Zudem haben Gerichte
festgestellt, dass die Befolgung ihrer Anweisungen gegen internationales
Recht verstoßen kann. In zwei Verfahren, die auf dem Abbruch der
Kommunikation mit libyschen Behörden beruhten, entschieden italienische
Gerichte bereits zugunsten der betroffenen Rettungsschiffe.
Im Rahmen eines neuen Einwanderungsgesetzes zur Umsetzung des
Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) bereitet die Regierung von
Giorgia Meloni derzeit eine Regelung vor, die NGO-Schiffen die Einfahrt
in italienische Gewässer untersagen soll, wenn diese als „ernsthafte
Bedrohung der öffentlichen Ordnung oder der nationalen Sicherheit“
eingestuft werden. Die Justice Fleet warnt davor, dass derartige
Notstandsregelungen bereits in der Vergangenheit instrumentalisiert
wurden und dazu dienen könnten, die Besatzungen von Rettungsschiffen
rechtswidrig an ihrer Arbeit zu hindern.
Im November 2025 gründeten 13 Seenotrettungsorganisationen gemeinsam mit
einem Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen das Bündnis
Justice Fleet. Ziel der Allianz ist es, das internationale Recht zu
verteidigen, indem sie gegen die rechtswidrige Festsetzung von
Rettungsschiffen in Italien vorgeht und die Auslagerung von Such- und
Rettungsaufgaben an illegitime und gewaltbereite Akteure in Libyen
anprangert.
Weitere Informationen
Weitere Informationen zur Justice Fleet finden Sie
<https://justice-fleet.org>hier <https://justice-fleet.org/de>.
Eine Übersicht schwerwiegender Gewalttaten libyscher Milizen finden Sie
hier <https://justice-fleet.org/de/Vorf%C3%A4lle>.
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