[Lebenslaute-Info] 2026>1: Stadt Bochum verhindert Konzert im Kunstmuseum wegen Kritik an Vonovia

Lebenslaute-Info-Verteiler lebenslaute-info at listi.jpberlin.de
So Aug 2 14:40:54 CEST 2026


Pressemitteilung LEBENSLAUTE vom vergangenen Mittwoch: 
Bochum, 29.07. 2026

Stadt Bochum verhindert Konzert im Kunstmuseum wegen Kritik an Vonovia

LEBENSLAUTE spricht von politischem Eingriff in die Kunstfreiheit und
fordert Stellungnahme des Stadtrats

Das geplante Konzert „Viva la Musica – enteignet Vonovia" im Kunstmuseum
Bochum kann nach Angaben des politischen Orchesters Lebenslaute nicht
wie vorgesehen stattfinden. Geplant war ein Konzert mit klassischer
Musik und Redebeiträgen zu Wohnungsnot, Verdrängung und dem
Geschäftsmodell großer Immobilienkonzerne. Nachdem in der
Veranstaltungsankündigung Vonovia als Beispiel genannt wurde, wurde die
bereits getätigte Raumreservierung gekündigt. 
Zur Begründung heißt es in einem Schreiben des Kunstmuseums Bochum:
„Ihre Zusicherung, dass Strafvorschriften nicht verletzt werden, ist für
uns nicht nachvollziehbar, wenn Sie weiterhin den Namen des
Wohnungsbauunternehmens Vonovia nennen wollen." Weiter heißt es: „Dabei
kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei Ihren Ausführungen um
Verleumdungen und üble Nachrede handelt."

LEBENSLAUTE weist diese Unterstellung entschieden zurück. Aus Sicht des
Orchesters wird hier eine seit Jahren öffentlich geführte Kritik am
Geschäftsgebaren von Vonovia in die Nähe einer Straftat gerückt. Die
Auseinandersetzung mit Mietenpolitik, Wohnungsnot und der Rolle großer
Wohnungskonzerne ist Teil der öffentlichen Debatte und darf in einer
demokratischen Gesellschaft nicht aus dem Kulturbetrieb verdrängt
werden. 
„Wenn ein Konzert über Wohnungsnot nicht stattfinden darf, weil ein
profitorientierter Immobilienkonzern sich gestört fühlen könnte, zeigt
das, wie groß der Einfluss solcher Unternehmen inzwischen ist", erklärt
Viola Forte von LEBENSLAUTE. „Die Stadt Bochum macht sich damit zum
Erfüllungsgehilfen wirtschaftlicher Interessen." 
Hier wird unter politischem Druck ein unliebsamer kritischer
Kulturbeitrag verhindert. Dass bereits die Nennung eines
milliardenschweren Konzerns ausreicht, um eine Veranstaltung aus einem
öffentlichen Kulturraum zu drängen, ist ein schwerwiegender Eingriff in
Meinungs- und Kunstfreiheit. 
Vonovia ist ein bedeutender Gewerbekunde der Stadt Bochum. Umso stärker
drängt sich deshalb der Eindruck auf, dass es hier nicht um Strafrecht
geht, sondern Kritik an einem mächtigen Unternehmen unterbunden werden
soll. Wohnungsnot, Verdrängung und Mietenexplosion sind reale
gesellschaftliche Probleme. Sie müssen öffentlich benannt werden dürfen
– auch unter Nennung des Namens Vonovia.

Das an LEBENSLAUTE gerichtete Schreiben mit den zitierten Passagen ist
von der Museumsdirektorin Noor Mertens unterzeichnet. Bei dem
Vorgespräch am 23.07.2026 spielte jedoch der Bochumer Kulturdezernent
Dietmar Dieckmann die entscheidende Rolle. Lebenslaute sieht deutliche
Anhaltspunkte dafür, dass von ihm als Vertreter der Stadt Druck auf das
Kunstmuseum ausgeübt wurde. Dass ausgerechnet in einem Kunstmuseum
die Kunstfreiheit eingeschränkt wird, bewertet Lebenslaute als
politischen Skandal. Der Vorgang ist ein weiteres Beispiel dafür, wie
öffentlicher Raum und verfassungsrechtlich geschützte Freiheiten unter
Druck geraten, wenn wirtschaftlich mächtige Akteure kritisiert werden.

LEBENSLAUTE fordert:
- Kunstfreiheit im Kunstmuseum Bochum
- die Durchführung des Konzerts ohne politische Zensur
- eine unverzügliche öffentliche Stellungnahme des Stadtrats Bochum zu
diesem Vorgang

Für den Fall, dass es bei der Absage für den Raum im Kunstmuseum bleibt,
hat LEBENSLAUTE vorsorglich eine musikalische Kundgebung angemeldet.
Genauere Infos folgen.


Pressekontakt: 015510-263578, presse at lebenslaute.net. 


Mehr Informationen über die Mailingliste Lebenslaute-Info