[FFL] Jugendoffizier vergrault

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Mo Mai 30 17:43:22 CEST 2011


Hallo Leute!

Auch in Deutschland gibts nich Zivilcourage.

Ciao
   Klaus Schramm


30.05.2011 / Inland / Seite 5

Jugendoffizier vergrault

Eine Schulklasse in Frankfurt am Main konnte den Gastreferenten der 
Bundeswehr mit kritischen Fragen zum Rückzug bewegen

Von Gitta Düperthal

Am schönsten sind Grillpartys, wenn es ein gemeinsames 
Erfolgserlebnis zu feiern gibt. So sieht es jedenfalls die Klasse 
12/5 der beruflichen Fachoberschule, Zweig Wirtschaft und Verwaltung 
Gelnhausen. Am Mittwoch hatte Lehrer Gundolf Hambrock seine 
ehemaligen Schülerinnen und Schüler mal ganz privat in seinen 
wildwüchsigen Garten im Frankfurter Stadtteil Ginnheim eingeladen - 
nicht nur, um deren Abschluß nach zwei Jahren mit Bier oder Limo zu 
begießen: Den 17- bis 25jährigen war es kürzlich gelungen, mit ihren 
der Bundeswehr in Wetzlar zugemailten kritischen Fragen zur 
Vorbereitung einer Podiumsdiskussion den dortigen Ansprechpartner, 
Jugend­offizier Thomas Klein, zu vergraulen. Trotz hartnäckig 
wiederholter Einladung seitens der Schüler hatte dieser plötzlich 
keine Lust mehr verspürt, mit der Klasse über die Ziele der 
Bundeswehr zu diskutieren. Die Unlust hatte sich noch verstärkt, weil 
die Klasse zur Diskussion weitere Gäste eingeladen hatte: Den Irak-
Kriegsveteranen und Deserteur der US-Armee, Chris Capps-Schubert von 
der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte 
KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Hanau sowie den ehemaligen 
Widerstandskämpfer gegen den Hitlerfaschismus, Lorenz Knorr, der sich 
nach dem Krieg gegen die Wiederbewaffnung engagiert hat.

»Für Ihre Veranstaltung habe ich seitens meiner Vorgesetzten keine 
Zustimmung und Genehmigung erhalten«, heißt es in der Absage, die die 
Schüler beim Gartenfest stolz junge Welt präsentierten. Eine weitere 
Zusammenarbeit sehe er »nach den Vorkommnissen beschädigt«. Und: 
»Kein ausgewogenes Podium«, befand der Jugendoffizier. Das 
telefonisch übermittelte Angebot, weiteres Personal hinzuzuziehen, 
habe ihn nicht umstimmen können, berichteten die Schüler. »Die DFG-VK 
als Gesprächspartner auf dem Podium, das paßte wohl nicht ins 
Werbeprogramm«, meinte einer. »Aber wir lassen uns doch nicht damit 
ködern, mal im Kampfanzug durchs Klassenzimmer laufen zu dürfen, wie 
sie das an Schulen durchexerzieren«.

Der Fragenkatalog, der am 10. März bei der Bundeswehr in Wetzlar 
eingegangen war, hat es in der Tat in sich. Zum Beispiel wollten die 
Schüler wissen, warum die Bundeswehr Mißstände in der Ausbildung 
zuläßt, zum Beispiel rohe Leber essen. Außerdem fragten sie, »warum 
die Bundeswehr in ihrem Aussehen der Wehrmacht ähnelt«.

»Aus der Traum vom netten angepaßten Schüler, der wissen will, ob man 
bei der der Bundeswehr den Führerschein machen kann«, amüsierte sich 
Matthias Horstkamp beim Grillen. »Sie führen Krieg, nicht um den 
Frieden zu sichern, sondern um die Wirtschaft anzukurbeln«, 
konstatierte Ines Nachtigal. »Ich habe keine Lust, mich anschreien zu 
lassen und auf Befehle zu hören«, so Alexander Schreiner. Sein 
Mitschüler Kai Knoll übte beim Garnieren seines Schnitzels mit 
Remoulade scharfe Kritik an der Werbung der Bundeswehr in den 
Kreiswehrersatzämtern: Dort zeige man rollende Panzer und lächelnde 
Kinder.

Auch die selektive Gastfreundlichkeit der Schulleitung war ein 
Gesprächsthema: »Jeder Handwerker wird mit einem Büffet empfangen«, 
so Alexander Schreiner. Als jedoch die Antifaschisten Capps-Schubert 
und Knorr kamen, habe sich die Schulleitung nicht einmal blicken 
lassen. Der stellvertretende Rektor Hartmut Bieber habe zudem 
untersagt, die junge Welt an der Schule auszulegen. Nur die 
Frankfurter Rundschau, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die 
Gelnhäuser Neue Zeitung habe man dort abonniert.

Trotz Kooperationsabkommen der Kultusministerien mit der Bundeswehr 
sind Schulleitungen übrigens nicht verpflichtet, Jugendoffiziere 
einzuladen.

http://www.jungewelt.de/2011/05-30/042.php
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