[FFL] Video zeigt Kriegsverbrechen

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Di Apr 6 21:55:37 CEST 2010


Hallo Leute!

Hier ein Artikelk aus der 'Linkszeitung' zu dem
von wikileaks veröffentlichten Video.

Ciao
   Klaus Schramm


6.04.2010

Irak-Krieg
Video zeigt Kriegsverbrechen

US-Hubschrauberbesatzung schießt auf Unbewaffnete

Foto: Standbild aus dem wikileaks-Video, Irak 12. Juli 2007 

New York (LiZ). Das Whistleblower-Portal wikileaks hat gestern 
(Montag) ein bislang vom US-Militär geheim gehaltenes Video 
veröffentlicht. Aus der Perspektive einer US-Hubschrauber-Besatzung 
ist zu sehen, wie diese in eine Gruppe unbewaffneter Menschen 
schießt. Bei dem Blutbad vom 12. Juli 2007 starben vermutlich zwei 
irakische Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters.

Auf dem Video, das von der hochauflösenden Bord-Kamera aufgezeichnet 
wurde, ist zudem die Tonspur der Aufnahme zu hören. Die Besatzung der 
US-Hubschraubers war offenbar einer Art Blutrausch verfallen, fragte 
mehrfach nach weiterer Feuer-Freigabe und bejubelte den eigenen Mord. 
Nach dem Vorfall kam eine US-"Untersuchung" zum Ergebnis, den 
beteiligten SoldatInnen sei kein Vorwurf zu machen. Das Video blieb 
unter Verschluß. Reuters wurde mitgeteilt, ihre Mitarbeiter hätten 
sich "unter die Aufständischen gemischt." Eine Auswertung des Videos 
wurde Reuters seinerzeit von den US-Behörden verweigert. Das dem 
Whistleblower-Portal wikileaks, das für die Veröffentlichung 
brisanter Dokumente bekannt ist, zugespielte Video zeigt nicht nur 
aufs Neue die Verrohung der im Irak eingesetzten SoldatInnen, sondern 
beweist zudem, daß die US-Behörden gezielt Strafvereitelung betreiben 
und Kriegsverbrechen decken.

Auf dem Video ist zu sehen, wie eine Gruppe von Menschen zunächst in 
aller Ruhe eine Straße entlang geht. Unter ihnen befanden sich 
mutmaßlich der erst 22 Jahre alte Fotograf Namir Noor-Eldeen und sein 
40 Jahre alter Assistent und Fahrer Saeed Chmagh. Sie müssen den 
Hubschrauber gehört haben, denn er kreist in nicht allzu großer 
Entfernung über ihren Köpfen. Sie ließen ihn aber als etwas in Bagdad 
nicht weiter Ungewöhnliches offenbar unbeachtet.

Die Besatzung des Apache-Kampfhubschraubers nimmt die Menschen ins 
Visier. Nach der ersten Salve versuchen sie panisch Schutz zu suchen -
 das schwere Maschinengewehr des Hubschraubers wirbelt am Boden dicke 
Staubschwaden auf, Steinbrocken fliegen umher. Aus dem Dialog 
zwischen Piloten und Schützen: "Hahaha - ich hab sie getroffen!" - 
"Da liegen jetzt ein Haufen Leichen herum - ein Typ kriecht noch 
umher." - "Wir schießen noch ein paar mehr." - (einer der US-Soldaten 
ungeduldig) "Kommt schon, laßt uns schießen." - "Du schießt, ich 
rede." Die Bord-Kamera zeigt, wie einer davonrennt. Gegen die 
überlegene Technik ist er machtlos, er wird getroffen. "Ah, ja, schau 
dir die toten Bastarde an", sagt einer der Soldaten. Unter den Toten 
waren offenbar auch Kinder.

Das Mißtrauen des Reuters-Chefredakteurs David Schlesinger nach dem 
Tod des Fotografen Namir Noor Eldeen und seines Assistenten Said 
Chmagh am 12. Juli 2007 wird durch das Video bestätigt. Schlesinger 
stellte bereits wenige Tage nach dem 12. Juli 2007 die offizielle 
Darstellung der Schüsse auf die beiden Mitarbeiter in Frage. "Unsere 
ersten Untersuchungen lassen ernsthafte Fragen aufkommen, ob es zu 
dem Todeszeitpunkt der zwei Männer Kämpfe gegeben hat", sagte er. 
Monatelang kämpfte er vergeblich um die Offenlegung der wahren 
Todesumstände.

Bereits im Juli 2007 verdichteten sich die Zweifel des Reuters-
Chefredakteurs. Bagdader Angestellte der Nachrichtenagentur sahen 
Video-Aufzeichnungen des Vorfalls. Doch die US-amerikanischen 
Militärvertreter, die Teile des Videos bei einem vertraulichen 
Treffen präsentiert hatten, erklärten, dafür sei eine formelle 
Anfrage nötig. Reuters beantragte noch am selben Tag die Herausgabe 
des Original-Videos - vergeblich. Ein Jahr nach dem Tod der beiden 
Mitarbeiter im Irak insistierte Reuters: "Wir haben noch immer keine 
formelle Antwort." Zugleich erhöhte die Nachrichtenagentur den 
öffentlichen Druck, indem sie im Juli 2008 eine Gedenkfeier für die 
getöteten Mitarbeiter in Bagdad abhielt.

Nach eigenen Angaben erhielt wikileaks das Video nun "mehreren 
Zuträgern aus dem Militär". Julian Assange, Sprecher und Mitgründer 
von wikileaks, sagte in einem Interview mit dem Fernsehsender 'Russia 
Today', an der Echtheit des Videos bestehe "keinerlei Zweifel". Das 
Material sei verschlüsselt zu wikileaks gelangt. Er und ein Team von 
Krypotologen hätten etwa drei Monate benötigt um den Code zu knacken.

Die Aufnahmen seien echt, bestätigte ein hochrangiger Mitarbeiter der 
US-Streitkräfte. Das Pentagon wollte die Echtheit bislang nicht 
bestätigen. Der Fall werde untersucht, hieß es aus dem US-
Hauptquartier im Irak. Ein Sprecher des Zentralkommandos in Florida 
bestätigte aber, daß es keinen Anhaltspunkt dafür gebe, daß das Video 
eine Fälschung sein könnte.

Seit der Gründung vor etwas mehr als drei Jahren hat wikileaks, das 
seine Quellen geheimhält, zahlreiche aufsehenerregende Daten 
veröffentlicht, so Teile der Akten über das Kundus-Massaker, eine 
Liste von Mitgliedern der rechtsextremen 'British National Party' 
oder Fälle von Korruption und Umweltverschmutzung. Wikileaks arbeitet 
auf ehrenamtlicher Basis und finanziert sich durch Spenden.

 

LINKSZEITUNG

 

Anmerkung

Siehe auch unsere Artikel:

      Scheinwahl im Irak
      "... von einer korrupten Regierung ausgeplündert"
      (8.03.10)

      Sprunghafter Anstieg von Fehlgeburten in Falludscha
      Häufung von Mißbildungen und Krebsfällen bei Kindern
      auf dem irakischen Schlachtfeld vom Oktober 2004
      (15.11.09)

      "Friedens"-Präsident Obama erhöht Militär-Etat
      Neuer Weltrekord: 680 Milliarden US-Dollar (29.10.09)

      Hoher US-Militär gibt auf
      Persönlicher Rückzug aus Afghanistan (27.10.09)

      Gewaltfrei gegen US-Besatzung des Irak
      Haider al-Behadili von La'Onf in Deutschland (21.07.09)

      Globale Militärausgaben
      auf 1.464 Milliarden US-Dollar gestiegen (9.06.09)

      Friedens-Demos in den USA
      150.000 gegen den Irak-Krieg (28.10.07)

      Ehemaliger US-General John Abizaid
      bezeichnet Irak-Krieg als Krieg ums Öl (16.10.07)

      Irak: Folter as usual
      US-Menschenrechtsorganisation klagt an (25.01.05)

      "Operation Ali Baba"
      Auch britisches Militär folterte im Irak (19.01.05)

      Brief aus Falludscha an Kofi Annan (3.11.04)

      Drei Kriegsgründe - drei Lügen
      US-Kommissionsbericht bestätigt indirekt
      einen Kriegsgrund (18.06.04)



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