[FFL] Ostermarsch

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So Apr 4 19:39:40 CEST 2010


3.04.2010

50 Jahre Ostermarsch

Gegen Atomwaffen und für
Abzug aus Afghanistan

Foto: Ostermarsch Stuttgart, 3.04.2010 

In 34 Städten in Deutschland beteiligten sich heute Tausende am 
traditionellen Ostermarsch der Friedensbewegung. Die größten 
Demonstrationen gab es heute in Stuttgart mit 1.500, in München mit 
1.200 TeilnehmerInnen. Seit nunmehr 50 Jahren protestiert die 
Friedensbewegung an Ostern gegen Atomwaffen. In diesem Jahr schlossen 
sich besonders viele junge Menschen der Forderung nach einem 
sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan an.

Zur großen Resonanz des diesjährigen Ostermarschs beigetragen hatten 
die Meldungen der vergangenen Tage beigetragen, wonach die deutschen 
Rüstungsexporte weiter angestiegen sind. Am Vortag wurde aus 
Afghanistan gemeldet, daß drei deutsche Besatzungssoldaten bei einem 
Angriff von Aufständischen ums Leben kamen. Etliche weitere wurden 
schwer verletzt. Über die Zahl getöteter ZivilistInnen und 
Aufständischer wurde nichts bekannt. Kurze Zeit später erreichte eine 
Meldung Deutschland, daß bei einem Gegenangriff versehentlich fünf 
der eigenen Soldaten getötet wurden. In den Reihen der 
Friedensbewegung wurde der Tod der Unbeteiligten und der Bewaffneten 
beklagt. Die Verantwortung für all die Toten trage die "zynische und 
uneinsichtige Politik" der Bundesregierung, hieß es auf dem 
Ostermarsch.

Im Zentrum der Botschaft der Friedensbewegung im 50. Jahr der 
Ostermärsche steht neben der Forderung nach der Abschaffung der 
Atomwaffen und nach dem Abzug aus Afghanistan und dem Irak auch die 
Kritik an den deutschen Rüstungsexporten. Häufig kritisiert wurde die 
verstärkte Werbung der Bundeswehr an Schulen und die zunehmende 
Militarisierung der Europäischen Union. Auf einem der Transparente 
beim Münchner Ostermarsch zu lesen: "Abrüstung statt Militarisierung 
der EU - für ein friedliches Europa." Die Beteiligung am Ostersamstag 
lag in insgesamt 34 Städten zwischen 50 und 1.500 Menschen. Insgesamt 
beteiligen sich Menschen aus der Friedensbewegung in über 70 Städten, 
Auftakt war am Karfreitag. Am Ostersonntag und am Ostermontag findet 
der Ostermarsch an rund 21 Orten statt.

Rund 1.500 Menschen beteiligten sich am baden-württembergischen 
Ostermarsch in Stuttgart. Aufgerufen hatten das Friedensnetz und der 
Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Bei der Auftakt-Kundgebung am 
Deserteurs-Denkmal sprach unter anderen der Ostermarsch-Veteran Ulli 
Thiel. Am Stuttgarter Kreiswehrersatzamt sprach bei einer 
Zwischenkundgebung Tobias Pflüger von der Informationsstelle 
Militarisierung (IMI). Er berichtete von konkreten Beispielen, wie 
die Bundeswehr auch durch Computer-Spiele versucht, Jugendliche in 
ihren Bann zu ziehen. Auch die anwachsende Arbeitslosigkeit werde 
schamlos ausgenutzt, um für das Mörder-Handwerk zu werben. Bernhard 
Löffler, Vorsitzender der DGB-Region Nord-Wüttemberg, wies in seinem 
Redebeitrag auf der Hauptkundgebung auf dem Stuttgarter Schloßplatz 
darauf hin, daß die Bundeswehr mittlerweile in aller Welt eingesetzt 
wird. Er erinnerte daran, daß nach wie vor Atomwaffen auf deutschen 
Boden gelagert werden. Löffler schlug auch einen Bogen zum Thema 
Sozialabbau. Er wies auf die schwindenden Rücklagen der Bundesanstalt 
für Arbeit hin, die von 17 Milliarden bis Ende 2009 bereits auf 2 
Milliarden Euro dahin schwanden und die bis Ende 2010 nach allen 
Prognosen ein Minus aufweisen werden. "21 Milliarden Euro für Rüstung 
können wir uns nicht mehr leisten," erklärte Löffler mit Hinweis auf 
den aktuellen deutschen Rüstungsetat.

Der Philosoph und Mathematiker Bertrand Russell hatte erstmals am 
Karfreitag 1958 in London zu einem Protest gegen Atomwaffen 
aufgerufen, an dem zehntausend Menschen beteiligten. 1960 begannen 
nach britischem Vorbild die Ostermärsche in der BRD. Wenige hundert 
DemonstrantInnen in kleinen Gruppen marschierten Gruppen in einem 
mehrtägigen Sternmarsch nach Bergen-Hohne in der Lüneburger Heide, wo 
Atomwaffen stationiert waren. Die Ostermärsche richteten sich zu 
Beginn vor allem gegen die atomare Aufrüstung in West und Ost.

Aufwind bekam die internationale Friedensbewegung in der zweiten 
Hälfte der sechziger Jahre mit dem wachsenden Widerstand gegen den 
Vietnam-Krieg. In Deutschland beteiligten sich mitunter rund 150.000 
Menschen an Demos gegen den Vietnam-Krieg und am Osternmarsch 
beteiligten sich deutschlandweit bis zu 300.000 Menschen. 1968 kam es 
innerhalb der deutschen Friedensbewegung zu einem Zerwürfnis, nachdem 
"kommunistisch" orientierte Kader den Einmarsch der von der UdSSR 
angeführten Truppen in der Tschechoslowakei und die Niederschlagung 
der "Prager Frühlings" begrüßten.

Die Friedensbewegung erhielt durch die Debatte über den "Nachrüstung-
Beschluß" der NATO Anfang der 1980er erneut großen Zulauf. Doch auch 
eine der größten Demos in der Geschichte der deutschen 
Friedensbewegung mit über 100.000 TeilnehmerInnen am 10. Oktober 1981 
im Bonner Hofgarten konnte den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt 
nicht beeindrucken und von seiner Zustimmung zu der "Nachrüstung" 
Deutschlands mit modernisierten Raketen abbringen. 1983 nahmen etwa 
700.000 Menschen am Ostermarsch teil. Auch der weltweite Protest der 
Friedensbewegung mit Millionen von DemonstrantInnen konnte den 
Einmarsch der alliierten Truppen unter der Führung der USA am 20. 
März 2003 in den Irak nicht verhindern. Veteranen der 
Friedensbewegung wie Ulli Thiel erinnerten jedoch daran, daß der 
Kampf für Frieden einen langen Atem erfordert.


REGENBOGEN NACHRICHTEN


Anmerkung

Siehe auch unseren Artikel:

      Obama erhöht den US-Kriegsetat
      Größstes Militär-Budget der Weltgeschichte
      Ahmadinedschad bestreitet Pläne zum Bau einer Atom-Bombe
      (8.04.09)

      "Bewegung am Boden"?
      Die Friedensbewegung nach dem NATO-Gipfel (5.04.09)

      60.000 beim Ostermarsch
      Protest gegen fortgesetzte Kriege
      und gegen Unterdrückung in Tibet (24.03.08)

      Baden-württembergischer Ostermarsch in Stuttgart
      "Vernunft muß her statt Militär!" (23.03.08)

      Demonstration gegen Bombodrom am Neujahrstag
      Bundeswehr will Bombenabwurf üben (1.01.08)

      Ostermärsche setzen Zeichen gegen Tornado-Einsatz (8.04.07)

      Zehnausende bei Ostermärschen der Friedensbewegung (16.04.06) 


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