[FFL] Rücktritte und moegliche Aufklaerung

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Do Nov 26 21:32:41 CET 2009


26.11.2009

Wird das Bundeswehr-Massaker von Kunduz
jetzt aufgeklärt?

Der Generalinspekteur der Bundeswehr
und ein Staatssekretär traten heute zurück

Heute mußten der Generalinspekteur der Bundeswehr Wolfgang 
Schneiderhan und der "Verteidigungs"-Staatssekretär Peter Wichert - 
offenbar auf Druck des neuen Kriegsministers Karl Theodor zu 
Guttenberg - zurückgetreten. Der frühere Kriegsminister und jetzige 
Arbeitsminister Franz Josef Jung sieht bislang keinen Grund zum 
Rücktritt.

Am 4. September hatten F-15-Kampfflugzeuge auf Befehl des deutschen 
Oberst Georg Klein in der Nähe des afghanischen Einsatzortes Kunduz 
zwei gekaperte Tanklaster bombardiert. Bei der Bombardierung der in 
einem Flußbett feststeckenden Tanklaster, von denen für deutsche 
Truppen keine akute Bedrohung ausging, kamen bis zu 142 Menschen, 
darunter nach heutigem Wissensstand eine Vielzahl von ZivilistInnen 
ums Leben. Dieser Tage wurden Berichte deutscher Feldjäger bekannt, 
die bereits unmittelbar nach dem 4. September vorlagen und aus denen 
hervorgeht, daß ZivilistInnen bei der Bombardierung getötet wurden. 
Der damalige deutsche Kriegsminister Franz Josef Jung hatte die 
Bombardierung unmittelbar nach Bekanntwerden gerechtfertigt. Während 
Jung auch durch seine Pressesprecher den Tod von ZivilistInnen bis 
zum 7. September ausschließen ließ, fiel auf, daß sich der 
Generalinspekteur der Bundeswehr Schneiderhan in diesen Tagen 
öffentlich nicht zur Frage äußerte. Heute nun mußten Schneiderhan und 
Wichert den Part der Bauernopfer spielen, damit sich der damalige 
deutsche Kriegsminister Jung mit der Behauptung herausreden kann, er 
sei nicht informiert gewesen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ heute zwar deutliche Distanz zu 
Minister Jung erkennen, scheint aber an ihn festhalten zu wollen, 
solange nicht weitere Informationen durchsickern, die Jungs Position 
endgültig unterminieren. Auf einer Pressekonferenz mit NATO-
Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen vermied die Kanzlerin eine 
ausdrückliche Rückendeckung für Jung. Sie verwies lediglich auf eine 
unmittelbar bevorstehende Erklärung des Ministers. Jungs 
Stellungnahme vor dem Bundestag bestand dann allerdings im 
Wesentlichen in einer Aufzählung der von ihm seit dem 4. September 
vorgelegten Verlautbarungen.

Von den Mainstream-Medien wurde im Verlauf des heutigen Tages eine 
Vielzahl von Spekulationen und Falschinformationen verbreitet, die 
offenbar dazu dienen sollen, vom zentralen Aspekt des Kunduz-
Massakers abzulenken. Denn es geht weniger darum, was nach dem 4. 
September verheimlicht wurde, sondern im Kern ist entscheidend, ob 
die Bombardierung nicht selbst nach militärischen Maßstäben völlig 
verfehlt war und ob sie - wie der jetzige Kriegsminister zu 
Guttenberg noch am 6. November betonte - als "militärisch angemessen" 
bewertet werden kann.

Die US-amerikanischen F-15-Kampfflugzeuge, die die Bomben auf die 
beiden Tanklaster abwarfen, waren mit Maschinen-Kanonen ausgestattet. 
Nach den vorliegenden Informationen haben die Piloten der 
Kampfflugzeuge vor der Bombardierung angefragt, ob sie das Zielobjekt 
zuerst im Tiefflug überfliegen sollten, um so möglicherweise bei den 
Tanklastern stehende ZivilistInnen zu warnen. Auch hätte eine Salve 
aus den Maschinen-Kanonen alle Anwesenden sofort vertrieben. Ohne den 
Abwurf von Bomben hätten die Tanklaster bei einem zweiten Anflug mit 
den Bord-Kanonen in Brand geschossen werden können. Alles deutet 
darauf hin, daß die Piloten den Abwurf von Bomben für völlig 
überzogen erachteten. Rein aus militärischer Sicht lag ganz 
offensichtlich kein hinreichender Grund für die Bombardierung vor.

Entscheidend ist nicht so sehr, daß kurz nach der Bombardierung die 
ersten und vergleichsweise umfassenden Berichte deutscher Feldjäger 
vorlagen, aus denen hervorging, daß es zivile Tote gegeben hatte, 
sondern, daß bereits vor dem Befehl zur Bombardierung genügend Zeit 
war, um zu erkennen, daß es bei dem Angriff zu einer großen Zahl 
ziviler Tote kommen würde.


REGENBOGEN NACHRICHTEN


Anmerkungen

Siehe unsere Artikel zum Thema:

      Massaker in Afghanistan?
      Regelverletzung bei Bombardierung? (10.09.09)

      Afghanistan-Krieg: ZivilistInnen getötet
      bei Bombardierung zweier Tanklaster? (7.09.09) 


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