[FFL] Kriege und Ressourcen

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So Nov 1 13:27:45 CET 2009


Hallo Leute!

Das Thema >Krieg< wird im (weiter unten einkopierten) Interview
mit Dennis Meadows nicht explizit erwähnt. Angesichts der
unermüdlichen Propaganda der Meanstream-Medien, wonach
der Peak Oil noch längst nicht errreicht sei, ist der Hinweis
einer "anerkannten Autorität" wie Meadows vielleicht hilfreich:
"Fossile Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas haben ihren Peak bereits 
erreicht." 

Kriege werden unvermeidbar die Folge sein, wenn
wir nicht durchsetzen können, daß Erneuerbare Energie
in den Industrieländern 100 Prozent der Stromversorgung
übernehmen - was technisch realisierbar wäre - und deren
Ausbau nicht weiter gebremst statt gefördert wird.

Voraussetzung ist jedoch eine radikale politische und
ökonomische Wende...

Ciao
   Klaus Schramm
 

"Nachhaltige Entwicklung ist eine Fantasie von Leuten, die von den 
wirklichen Problemen ablenken wollen"

"... Nuklearenergie hat sehr viele wirklich negative Konsequenzen für 
uns. Umweltkonsequenzen oder ungelöste Abfallprobleme als Beispiele. 
Und sie begünstigt den Bau von Atomwaffen. Aber vergessen wir all 
das: Nuklearenergie ist keine reelle Lösung ..." 
Interview mit Prof. Dr. Dennis Meadows von Linda Rosenkranz.

E&U: Die Finanzkrise macht den Menschen Angst. Was sagen Sie diesen 
Leuten?

Dennis Meadows: Ich kann sie leider nicht beruhigen. All die 
Phänomene, die wir als Krise sehen, sind nur die Symptome. Das 
Problem ist die Endlichkeit unseres Planeten. Wir bewegen uns auf die 
Ressourcen-Grenzen zu. Das ist wie bei einem Gehirntumorpatienten. 
Vom Tumor bekommt er Kopfschmerzen. Sie sind aber nicht das Problem, 
sondern das Symptom. Es ist zwar sinnvoll, dagegen zu handeln, aber 
das Problem ist damit nicht gelöst. Die Krisen, von denen wir heute 
sprechen, sind Symptome. Die meisten Experten versprechen sich vom 
Wachstum eine Art Heilung, doch sie liegen falsch. Das Problem ist 
das Bevölkerungswachstum und unser hoher Lebensstandard. Vielleicht 
hilft die Finanzkrise, eine echte Diskussion über Wachstum zu führen. 
Aber im Moment sehe ich das nicht.

 

E&U: Müssen wir denn unsere Lebensweise ändern? Oder dürfen wir auf 
neue, bessere Technologien hoffen?

Dennis Meadows: Ich zeige das gerne an einem weiteren Beispiel: Ein 
Mann will jemanden erschiessen. Nun ändern wir seine Technologie. Wir 
nehmen ihm die Waffe weg und geben ihm eine Flasche. Würde er 
deswegen seinen Plan ändern? Es dauert zwar länger, bis er sein Ziel 
erreicht, weil er weniger effiziente Technologien zur Verfügung hat. 
Aber sein Plan ändert sich deswegen nicht. Neue Technologien können 
unser Problem nicht lösen. Nur wenn wir unser Verhalten ändern, 
kommen wir weiter. Aber wir wollen immer noch mehr, das kann nur zum 
Kollaps führen. Die Frage ist nur: Wann?

 

E&U: Und, wann kommt es zum Kollaps?

Dennis Meadows: Die Schweiz ist ein sehr reiches Land. Aber es gibt 
knapp sieben Milliarden Menschen auf der Welt und mehr als ein 
Drittel davon lebt von nur einem Dollar täglich. Fragt mal diesen 
Teil der Bevölkerung, wann es zum Kollaps kommt. Sie wird sagen: Das 
System ist schon lange kollabiert.

 

E&U: Heute reden alle von einem nachhaltigen Wachstum. Das wäre doch 
die Lösung, oder?

Dennis Meadows: Nachhaltige Entwicklung ist ein Paradox, ein 
Widerspruch. Es ist einfach eine Fantasie und wird meist gebraucht 
von Leuten, welche die Aufmerksamkeit von den wirklichen Problemen 
ablenken wollen.

 

E&U: 1972 haben Sie Ihre Studie "Die Grenzen des Wachstums" 
veröffentlicht, 2004 das 30-Jahre-Update. Was hat sich verändert?

Dennis Meadows: Die Schlussfolgerungen von 1972 gelten noch heute. 
Nur ist der Zeithorizont kürzer geworden. Unsere Szenarien werden 
früher eintreffen als erwartet. Ich weiss mit absoluter Sicherheit, 
dass unser materieller Wohlstand sinken wird. Aber wann genau? Keine 
Ahnung. Das hängt davon ab, wie sich die Bevölkerung verhält.

 

E&U: Unsere Ressourcen werden knapp. Um was wird als erstes gekämpft?

Dennis Meadows: Eine der Hauptideen meines Buches ist, dass wir diese 
Dinge nicht voneinander trennen können. Alles hängt zusammen. Klar 
ist: Das Thema Energie spielt eine spezielle Rolle. Fossile 
Brennstoffe wie Erdöl und Erdgas haben ihren Peak bereits erreicht. 
Ich bin überzeugt, dass bald niemand mehr über den Klimawandel 
spricht. Die Energieversorgung wird zum Hauptthema werden. Aber das 
macht keinen Unterschied, da es nur ein anderer Aspekt desselben 
Problems ist. Aber Regierungen, JournalistInnen und Zeitungen können 
nicht immer nur über ein und dasselbe Problem sprechen, sonst 
langweilen wir uns und werden müde.

 

E&U: In vier bis fünf Jahren werden wir in der Schweiz über drei neue 
AKW abstimmen. Die BefürworterInnen behaupten, Atomstrom wäre CO2- 
neutral und billig. Was sagen Sie dazu?

Dennis Meadows: Nuklearenergie hat sehr viele wirklich negative 
Konsequenzen für uns. Umweltkonsequenzen oder ungelöste 
Abfallprobleme als Beispiele. Und sie begünstigt den Bau von 
Atomwaffen. Aber vergessen wir all das: Nuklearenergie ist keine 
reelle Lösung. Denn unser grösstes Problem wird die 
Treibstoffversorgung sein. Können wir das Uran überhaupt noch zu den 
Reaktoren transportieren? Dazu kommt ein ökonomischer Gedanke: Wir 
profitieren viel mehr, wenn wir das Geld anders investieren. Es gibt 
nur einen einzigen Grund, dass überhaupt über Nuklearenergie 
nachgedacht wird: Grosse Unternehmen mögen sie sehr, denn sie können 
sie besitzen und Profite daraus ziehen. Die wollen nicht, dass wir 
unsere eigenen Energie-Versorger werden. Weil sie uns nicht besitzen 
können. Eines verstehe ich nicht: Nehmen wir als Beispiel das Basler 
Geothermie-Erdbeben. Dort gingen ein paar wenige Teller in Brüche. 
Niemand aber nahm ernsthaft Schaden. Trotzdem wurde das Projekt 
eingestellt. Und jetzt baut ihr lieber neue AKW? Wir alle wissen: 
Wenn es einen Unfall gibt, dann sterben Tausende. Das ist doch 
verrückt: Ihr stoppt eine vielversprechende Technologie, weil ein 
paar Teller zu Bruch gehen und eine andere Technologie fördert ihr, 
wohlwissend, dass sie Tausende töten kann. Verrückte Idee.

 

E&U: Liegt die Lösung im Bau von grossen Solarkraftwerken wie etwa 
Desertec?

Dennis Meadows: Ich habe Desertec gesehen und muss sagen: Das Projekt 
ist nicht rational. Aber es wird zu Ende gebaut werden, weil es genau 
das ist, was grosse Unternehmen wollen: Viel Geld in ein Projekt 
stecken und die Kontrolle haben. Und es ist politisch attraktiv, die 
EU kann den Nordafrikanern dafür Entsalzungsanlagen günstiger geben 
und wir können alle gute Freunde werden.

Quelle:

Linda Rosenkranz 2009

Erstveröffentlichung: Energie & Umwelt 3/2009

SES Schweizerische Energie-Stiftung 2009



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