[fessenheim-fr] SWR zur "Beteiligung" Südbadens an der Standortsuche für Schweizer Atommüll-Endlager
Amish D. Leßmann
bodhi-amish at sonnenkinder.org
So Okt 11 14:45:27 CEST 2026
Hallo zusammen,
gerade las ich den folgenden SWR-Artikel (Text siehe unten) - ich
mache mir jetzt nicht die Mühe, das zu kommentieren; macht Euch Eure
eigenen Gedanken zum Inhalt:
Standortsuche für radioakiven Müll
Schweizer Atommmüllendlager an der Grenze: Wie wird Südbaden beteiligt?
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/freiburg/atommuell-endlager-suche-was-deutschland-von-der-schweiz-lernen-kann-100.html
Hinweis: Die verlinkte Seite enthält zusätzlich zum Text ein kurzes
Video, einen kurzen O-Ton, Bilder und mehrere Links.
Viele Grüße
Amish Leßmann
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Standortsuche für radioakiven Müll
Schweizer Atommmüllendlager an der Grenze: Wie wird Südbaden beteiligt?
In der Schweiz soll unmittelbar an der Grenze zu Deutschland ein
Atommüllendlager entstehen. Wie geht es den Menschen vor Ort und wie
geht die Schweiz mit den Nachbarn um?
Stand
11.10.2026, 10:32 Uhr
Von
Autor/in
Petra Jehle
In der Grenzregion am Hochrhein soll ein unterirdisches Lager für
radioaktiven Abfall der Schweiz entstehen . Der geplante Standort
"Nördlich Lägern" liegt nur drei Kilometer von deutschen Gemeinden wie
Hohentengen (Kreis Waldshut) entfernt.
Während die Schweiz ihr Verfahren zur Standortsuche weit
vorangetrieben hat, ringen deutsche Akteure noch um den richtigen Weg.
Wie gelingt es, Vertrauen herzustellen, Mitsprache zu ermöglichen, und
was bedeutet eigentlich "Betroffenheit"?
Ist der Standort für das Atommüllendlager an der Grenze fair ausgewählt?
Ja, sagt Karsten Möring vom Nationalen Begleitgremium (NBG) . Das
Schweizer Auswahlverfahren sei fair und nachvollziehbar. Die NBG ist
eine Gruppe von ehrenamtlichen Experten aus Politik, Gesellschaft und
Wissenschaft, die sich als unabhängiges Gremium versteht und in
Deutschland die Suche nach einem Endlagerstandort begleitet. Die NBG
war vier Tage lang in der Schweiz und am Hochrhein unterwegs und hat
sich mit Verantwortlichen aus der Schweiz und Betroffenen vor Ort
ausgetauscht.
Eine Stimme, die er bei seiner Reise gehört hat, war die von Rosi
Drayer. Sie ist Gemeinderätin (SPD) in Hohentengen am Hochrhein und
Mitglied bei der grenzüberschreitenden atomkritischen Bürgerinitiative
"Nördlich Lägern ohne Tiefenlager" (LoTi).
Drayer ist besorgt und bezeichnet das Vorhaben als Zumutung für die
Menschen am Hochrhein. Das gelte jedoch für Deutsche und Schweizer
gleichermaßen. Weil Drayer die Pläne nicht einfach hinnehmen will,
arbeitet sie in der sogenannten Regionalkonferenz mit.
Wie die Betroffenen miteinbezogen werden
Die Regionalkonferenzen wurden von der Schweiz 2011 an allen
potientiellen Endlagerstandorten als Gremium für Bürgerbeteiligung
eingerichtet. "Nördlich Lägern" wurde nun als favorisierter
Endlagerstandort ausgewählt.
Die Regionalkonferenzen sind aus Sicht der deutschen Besuchergruppe
beispielhaft, sagt Karsten Möring nach den Gesprächen. Er kann sich
das auch für die deutschen Endlagerstandorte vorstellen. Dadurch seien
Bürger sehr früh und auf Augenhöhe beteiligt, findet Möring, so
gelinge es, Vertrauen zu schaffen, auch bei unterschiedlichen Positionen.
Die Regionalkonferenz "Nördlich Lägern" hat 120 Mitglieder, darunter
auch Gemeinderäte aus Hohentengen und Vertreter von atomkritischen
Bürgerinitiativen wie Rosi Drayer. Das Gremium kann Behörden und
Experten Fragen stellen und Stellungnahmen abgeben. Entsprechende
Sitze in diesem Gremium musste sich die deutsche Seite teilweise
jedoch erst erkämpfen.
Hohentengen liegt nur drei Kilometer vom geplanten Endlager entfernt.
Bürgermeister Jürgen Wiener (CDU) fordert eine Gleichstellung von
Hohentengen mit den beteiligten Schweizer Gemeinden. Die liegen meist
deutlich weiter entfernt.
"Wir bringen uns konstruktiv in das Verfahren ein. Aber wir haben
die Regeln nicht festgelegt. Wir sind nur Bittsteller."
Jürgen Wiener (CDU), Bürgermeister Hohentengen
Auch Martin Steinebrunner, von der Deutschen Koordinationsstelle
Schweizer Tiefenlager (DKST) in Waldshut-Tiengen hat die Erfahrung
gemacht, dass die Deutsche Seite mancherorts sehr darum kämpfen
musste, bei den Regionalkonferenzen mit den Schweizer Vertretern mit
am Tisch sitzen durften.
Aber auch er findet, dass die Schweiz im Großen und Ganzen vieles
richtig gemacht hat. Er lobt die große Präsenz der Schweizer
Verantwortlichen in der Region, auch auf deutscher Seite.
Beim Bau eines Atommüllendlagers geht es auch um Geld
800 Millionen Schweizer Franken, diese Summe hat das Schweizer
Bundesamt für Energie vor einigen Jahren in den Raum gestellt. Die
Summe soll den betroffenen Gemeinden zur Verfügung gestellt werden, um
die negativen Auswirkungen und Folgen eines Endlagerbaus abzufedern.
Wie diese Summe verteilt wird, darüber wird hinter den Kulissen seit
geraumer Zeit heftig diskutiert.
Martin Steinebrunner hat die Erfahrung gemacht, dass der Wunsch um
mehr Beteiligung vonseiten der deutschen Gemeinden von der Schweiz als
Versuch ausgelegt wird, mehr Geld zu bekommen. Er wünscht sich, dass
allen Beteiligten klar wird, dass der Bau eines Tiefenlagers eine
Zumutung für eine Region darstellt.
"Jeder Wunsch nach Beteiligung steht unter dem Verdacht, dass wir
ein größeres Stück vom Kuchen wollen."
Martin Steinebrunner, Deutsche Koordinationsstelle Schweizer Tiefenlager
Seine Anregung an die Endlagersuche in Deutschland: den Radius und den
Grad der betroffenen Gemeinden möglichst früh zu definieren.
Entschädigungszahlungen sollten nicht an Geldsummen geknüpft sein,
sondern an Projekte und Aufgaben.
Hohentengens Bürgermeister Jürgen Wiener hat ähnliche Erfahrungen
gemacht. Auch er fühlt sich als Bittsteller, wenn er Gleichbehandlung
einfordert. Er meint, dass er lieber kein Geld wolle und kein
Endlager, aber wenn das Endlager an Hohentengens Ortsrand gebaut
werde, dann müsse es eine Gleichbehandlung mit den Schweizer
Nachbargemeinden geben.
Standortsuche Atommüllendlager: Deutschland vor der Weichenstellung
Welche Standorte in Deutschland in die engere Wahl für den Bau eines
Atommüllendlagers kommen, das wird am 27. Oktober bekannt gegeben.
Dann soll die Auswahl der Standorte auf maximal zehn Regionen begrenzt
werden.
Auf deutscher Seite kommen formell noch 90 Gebiete in Frage, darunter
auch Gebiete in Baden-Württemberg. Noch im Verfahren sind unter
anderem Gebiete nördlich von Offenburg (Ortenaukreis) und nördlich von
St. Georgen (Schwarzwald-Baar-Kreis).
Der Standort an der Grenze bei Hohentengen kommt für ein deutsches
Endlager nicht infrage, sagt Birgit Kimmig vom Landesamt für Geologie,
Rohstoffe und Bergbau. Geplant ist eine unterirdische Lagerung in
Tongestein. Der Opalinuston käme zwar auch auf der deutschen
Rheinseite vor, aber die Gesteinsschicht sei relativ flach und stoße
an sogenannte Störungszonen.
Schweizer Endlager nimmt Gestalt an
In der Schweiz ist davon auszugehen, dass es am Ende des
Auswahlverfahrens eine Volksabstimmung geben wird. Diese könnte 2031
stattfinden. Derzeit gibt es kaum Zweifel daran, dass die Schweizer
Wahlberechtigten den Standort an der Grenze ablehnen.
Eine Ablehnung wäre durchaus problematisch, denn die Standortsuche in
der Schweiz ist inzwischen sehr weit fortgeschritten. Einen Plan B für
das Lager im Grenzgebiet gibt es nicht.
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