From klausjschramm at t-online.de Tue Sep 22 19:55:57 2009 From: klausjschramm at t-online.de (klausjschramm at t-online.de) Date: Tue, 22 Sep 2009 19:55:57 +0200 Subject: [Gen-Info] =?iso-8859-1?q?Gentech-Gegner_mu=DF_ins_Gef=E4ngnis?= Message-ID: <4AB92BCD.19562.186679B@078222664-0001.t-online.de> 22.09.2009 Gentech-Gegner muß ins Gefängnis Zwei Wochen Haft wegen 195 Euro Strafe Der Gentech-Gegner und "Feldbefreier" Christian P. hätte 195 Euro Strafe bezahlen müssen, was für ihn jedoch einem Schuldeingeständnis gleichgekommen wäre. Deshalb tritt er heute eine zweiwöchige Haftstrafe an. Dies bietet ihm zugleich die Möglichkeit, öffentlichkeitswirksam auf das Unrecht des Anbaus von Gen-Mais und von pseudowissenschaftlichen Freisetzungs-Versuchen mit genmanipulierten Pflanzen hinzuweisen. Der 27-jährige Student, der im fünften Semester ökologische Agrarwissenschaften studiert, versteht sich selbst als eine Art Feuerwehrmann, der fürs Löschen bestraft wird. Im Rahmen der Initiative 'Gendreck-weg' hatte er sich 2007 zusammen mit rund 80 AktivistInnen an einer "Feldbefreiung" in Brandenburg beteiligt. In diesem Bundesland wird im bundesweiten Vergleich weitaus am meisten Gen-Mais angepflanzt, was dem Image des ehemals mit "grünem" Parteibuch auftretenden, früheren "Umweltministers" und derzeitigen "roten" brandenburgischem Ministerpräsidenten Matthias Platzeck so gar nicht entspricht. Merkwürdiger Weise wurde die genmanipulierte Mais-Sorte, die bei der Aktion im Jahr 2007 entsorgt werden sollte, MON810 des US-Konzerns Monsanto, zwischenzeitlich von Bundesagrarministerin Ilse Aigner wegen der "Gefahr für die Umwelt" verboten. Doch offenbar interessiert deutsche RicherInnen eine wohlbegründete Argumentation mit Hinweis auf das im Grundgesetz verankerte Widerstands- und Notwehr-Recht nach Artikel 20 Absatz 4 nicht im Geringsten. Christian P., der heute seine Haft antritt, weiß noch kaum, was auf ihn zukommt: "Ich habe da auch nur die allgemeinen Vorstellungen." Da er sich eigentlich auf eine Prüfung im Oktober vorbereiten muß, hofft er, die kommenden zwei Wochen zur Vorbereitung mit einem Laptop nutzen zu können. Chrsitian P. ist bereits der zweite Gentech-Gegner, der wegen seinem Engagement im Gefängnis gelandet ist. Seit drei Wochen sitzt der Berufsimker Michael Grolm in Beugehaft, weil er sich als Unschuldiger weigerte, über seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse Auskunft zu geben oder gar eine eidesatattliche Versicherung (im Volksmund: Offenbarungseid) abzugeben. Eine solche Auskunft wird schließlich bisher auch nicht von Monsanto und dessen Ausführungsgehilfen im Bundestag gefordert, die mit der Freisetzung von MON810 ganz offensichtlich die Umwelt gefährden. Seit 2005 beteiligen sich immer mehr Menschen in Deutschland an den strikt gewaltfreien "Feldbefreiungen". Schon etliche Jahre zuvor begannen in Frankreich ähnliche Aktionen der "faucheurs volontaires" (deutsch: freiwillige MäherInnen), an denen sich regelmäßig mehrere hundert Personen beteiligten. Ende Juni 2008 zerstörte eine solche Gruppe in den Departments Gers und Haute-Garonne zwei Parzellen MON810. Laut Monsanto wurden damit erstmals hundert Prozent der von ihr im Frühjahr eingesäten Versuchsfelder zerstört. Die deutschen Mainstream-Medien haben offenbar eine Art Nachrichtensperre über dieses Thema verhängt, sodaß die deutsche Öffentlichkeit seit Jahren kaum über diese Auseinandersetzung in Frankreich informiert wird. In Deutschland sind derzeit etliche Prozesse gegen Gentech- AktivistInnen im Gange. Zwei Aktivisten, die in Gießen ein Versuchsfeld für Gerste zerstört haben und deshalb angeklagt wurden, müssen mit mehreren Monaten Haft rechnen. Christian P. will sich von der juristischen Verfolgung nicht einschüchtern lassen. Er erachtet zivilen Ungehorsam weiter für notwendig, da nicht nur Monsanto, sondern auch deutsche Konzerne wie beispielsweise BASF1 ungeachtet der in allen europäischen Ländern in Umfragen festgestellten mehrheitlichen Ablehnung der Gentechnik an Freisetzungen festhalten. Auch ist nicht absehbar, daß die parlamentarischen PolitikerInnen konsequent gegen die umweltgefährdenden Gen-Produkte vorgehen - wie etwa die Zulassung der Gen-Kartoffel des BASF-Konzerns durch Ministerin Aigner im April dieses Jahres zeigte. "Die nächsten Zulassungen stehen vor der Tür," so Christian P. Auch auf EU-Ebene wird gerade über drei neue genmanipulierte Pflanzen beraten. Diese könnten schon im komenden Jahr ausgesät werden. Zudem ist auch Aigners Verbot von MON 810 zunächst nur auf dieses Jahr beschränkt. Schon deshalb wird mit Christian P. nicht der letzte Feldbefreier vor den Schranken des Gerichts erscheinen müssen. Dennoch wollen weitere AktivistInnen seinem Beispiel folgen und an "Feldbefreiungen" teilnehmen - denn: Je mehr Menschen sich beteiligen, desto geringer ist das Risiko für den Einzelnen, daß sich die Justiz für die Gentech- Konzerne einspannen läßt. REGENBOGEN NACHRICHTEN Anmerkungen 1 Siehe in unserer Berichterstattung zum Thema insbesondere den Artikel vom 27. April 09: Verunreinigungen mit Gen-Mais immer häufiger EU-weit verdreifachten sich die negativen Ergebnisse (15.08.09) Gen-Weizen Gatersleben Streit um Feldbefreiung geht in die nächste Instanz (3.08.09) Gen-Mais NK603 verunreinigt 170 Hektar Behörden spielen auf Zeit (24.07.09) Saatgut mit Gen-Mais NK603 kontaminiert Laxe Auflagen bei der Beseitigung (13.05.09) Aigner genehmigt Anbau von Gen-Kartoffel Amflora Gefahren nicht zu leugnen (27.04.09) Plötzliches Verbot von Gen-Mais Droht Wiederholung der Seehofer-Farce? (14.04.09) Sozialistischer Gen-Mais? 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