From 078222664-0001 at t-online.de Tue Mar 13 22:20:05 2007 From: 078222664-0001 at t-online.de (Klaus Schramm) Date: Tue, 13 Mar 2007 22:20:05 +0100 Subject: [Gen-Info] Genmais - 600 demonstrieren gegen Monsanto-Plaene References: Message-ID: <1HREPd-0eqJO50@fwd26.sul.t-online.de> Hallo Leute! Hier ein Artikel aus der 'Frankfurter Rundschau'. Schade, daß uns kein Aufruf zu dieser Demo erreichte - es könnte nicht schaden, Demo-Aufrufe bundesweit zu streuen... Ciao Klaus Schramm klaus.schramm at bund.net 12. März 2007 Genmais 600 Leute demonstrieren gegen Monsanto-Pläne Niedermöllrich - Im nordhessischen Niedermöllrich (Schwalm-Eder-Kreis) haben am Samstag nach Angaben der Polizei rund 600 Menschen erneut gegen die Aussaat von gentechnisch verändertem Mais protestiert. Nach Auskunft eines Sprechers zogen Mitglieder von Bürgerinitiativen, Umweltschutzverbänden, Parteien und Berufsgenossenschaften mit Traktoren zu dem Feld, auf dem der Saatgutkonzern Monsanto 2008 Genmais ausbringen will. Auch Landwirte hätten an der Demonstration teilgenommen. Die Kundgebung verlief nach Polizeiangaben friedlich. Monsanto hatte im Januar bekannt gegeben, den umstrittenen Anbau vorerst auszusetzen. Ursprünglich wollte das Unternehmen in Niedermöllrich bei Wabern bereits in diesem Jahr auf einem 13 Hektar großen Versuchsfeld einen etwa 2500 Quadratmeter großen Versuchsanbau anlegen. Dort sollte eine gegen Schädlinge resistente Genmaissorte getestet werden. dpa http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/lokalnachrichten/aktuell/?em_cnt=10 92606 From 078222664-0001 at t-online.de Tue Mar 13 22:20:15 2007 From: 078222664-0001 at t-online.de (Klaus Schramm) Date: Tue, 13 Mar 2007 22:20:15 +0100 Subject: [Gen-Info] 75.000 Einwendungen gegen gv-Erbsen in Gatersleben References: <45F68B53.2000105@gen-ethisches-netzwerk.de> Message-ID: <1HREPn-0eqJO90@fwd26.sul.t-online.de> Umweltinstitut München Pressemitteilung Genpflanzen stoßen auf immer größeren Widerstand: 75.000 gegen Erbsen mit Mäuse-Genen Umweltinstitut München fordert das Aus für riskanten Feldversuch in Sachsen-Anhalt Berlin/München, 12. März - Das Umweltinstitut München hat dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute in Berlin 75.000 Einwendungen gegen einen geplanten Feldversuch mit genmanipulierten Pharma-Erbsen in Gatersleben (Sachsen-Anhalt) übergeben. Andreas Bauer, Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München, forderte das BVL als zuständige Genehmigungsbehörde und Landwirtschaftsminister Seehofer bei der Übergabe auf, den Antrag der ostdeutschen Gentechnikfirma Novoplant abzulehnen. Nie zuvor gab es mehr Einwendungen gegen einen Freisetzungsversuch. Novoplant will im Frühjahr in Gatersleben manipulierte Erbsen anbauen, die Gene von Mäusen enthalten. Nach Angaben der Firma produzieren die Pflanzen ein Medikament gegen Durchfallerkrankungen von Schweinen. Die Erbsen sollen zukünftig, als Ersatz für die mittlerweile verbotene vorbeugende Gabe von Antibiotika, dem Futter von Schweinen beigemischt werden. Pharmazeutikahaltiges Erbgut der Gen-Erbsen könnte jedoch, zum Beispiel durch Insektenbestäubung, andere Erbsenfelder kontaminieren und damit in die Nahrungskette gelangen. "Pharma-Pflanzen stellen ein nicht abschätzbares Risiko für die Umwelt und die Gesundheit von Mensch und Tier dar", sagte Bauer bei der Übergabe der Unterschriften. "Da eine Verunreinigung von Lebensmitteln durch Gen-Pillen vom Acker nicht ausgeschlossen werden kann, muss der Anbau von Pharma-Pflanzen grundsätzlich verboten werden", so Bauer weiter. Durch den Einbau von Tiergenen in Erbsenpflanzen überschreite Novoplant jedes ethisch vertretbare Maß. Der Anbau der Pharma-Erbsen ist auf dem Gelände der Genbank Gatersleben geplant. Dort lagern die Samen von mehr als 140.000 traditionellen Nutzpflanzen- und über 5500 Erbsensorten aus aller Welt. Davon werden jährlich mehrere hundert zur Erhaltung ihrer Keimfähigkeit im Freiland angebaut. Da der Abstand zu dem geplanten Gen-Acker lediglich 500 Meter betragen soll, ist es absehbar, dass diese wertvollen und einzigartigen Pflanzen gentechnisch verunreinigt werden. Der hochsensible Standort Gatersleben, fordert Bauer, müsse grundsätzlich von Genpflanzen freigehalten werden. Das Umweltinstitut München kritisiert, dass die Firma Novoplant massiv mit Steuergeldern gefördert wird, unter anderem vom Bundesforschungsministerium. Darüber hinaus hatte Novoplant im Genehmigungsantrag an das BVL ungünstige Ergebnisse eines Fütterungsversuchs verschwiegen. Dieser Versuch hatte ergeben, dass die Verfütterung der Erbsen an Schweine keinen positiven Effekt auf den Verlauf der Infektion hat. Harald Nestler, Vorstand beim Umweltinstitut München, fordert Konsequenzen aus dem Erfolg der Unterschriftenkampagne: "Es ist auf Dauer sicher schädlich für die Demokratie, wenn eine Technologie gegen den Willen von 80 Prozent der Verbraucher und Landwirte durchgesetzt werden soll." Die Sicherheit unserer Lebensmittel, so Nestler, dürfe nicht auf dem Altar kurzfristigen Profitdenkens geopfert werden. "Herr Seehofer sollte erkennen, dass er Verbraucherschutzminister und nicht Genminister ist. Er muss diesem Spuk auf unseren Feldern endlich Einhalt gebieten. Die Menschen wollen nicht zu Versuchskaninchen der Genindustrie werden. Und sie möchten ihre Umwelt nicht für riskante Experimente zur Verfügung stellen". Bildmaterial finden Sie unter www.umweltinstitut.org/pharmaerbse www.umweltinstitut.org/frames/all/m441.htm Weitere Informationen: Andreas Bauer, Dipl.-Ing. agr. (FH) From 078222664-0001 at t-online.de Tue Mar 13 22:20:16 2007 From: 078222664-0001 at t-online.de (Klaus Schramm) Date: Tue, 13 Mar 2007 22:20:16 +0100 Subject: [Gen-Info] Gen-Kartoffel versus Gen-Moratorium References: <45F68B7D.7050507@gen-ethisches-netzwerk.de> Message-ID: <1HREPo-0eqJOA0@fwd26.sul.t-online.de> Hallo Leute! Mit der Zulassung der Gen-Kartoffel von BASF würde das bereits durchlöcherte Gen-Moratorium auf EU-Ebene endgültig zu Fall gebracht. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wie ernst es verschiedenen Umwelt-Organisationen tatsächlich ist, den Durchbruch der Agro-Gentechnik in Europa zu verhindern... Ciao Klaus Schramm klaus.schramm at bund.net Bei der EU liegt ein Zulassungsantrag von BASF für den Anbau einer gentechnisch veränderten Kartoffel vor, über den die EU-UmweltministerInnen am 20. Februar entscheiden sollen. Die BASF scheint zuversichtlich, hat sie doch bereits Mitte Januar über 150 Hektar für den Anbau in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern angemeldet. Und dennoch regt sich kein Sturm der Entrüstung, geht kaum jemand auf die Barrikaden. Fünf gute Gründe, sich dennoch gegen die Zulassung der BASF-Gentech-Kartoffeln zu engagieren. Antje Lorch Seit 1998, nach der Zulassung der gv-Mais-Events Bt176 und MON810, gab es in der EU ein De-facto-Moratorium gegen neue Gentech-Pflanzen. Stückweise ist das Moratorium seitdem durch die Zulassung von neuen gentechnisch veränderten Produkten als Futter- und Nahrungsmittel gefallen. Aber seit dem Ende des Moratoriums gab es keine weitere Genehmigung für den kommerziellen Anbau eines gentechnisch veränderten Organismus (GVO). Und, was noch schwerer wiegt: Seitdem haben sich europaweit mehr als 170 gentechnikfreie Regionen etabliert, darunter ganze Länder wie Italien und Polen. Auf EU-Ebene konnten Österreich, Ungarn und Griechenland ihren GVO-Bann mit der Unterstützung anderer Mitgliedsländer aufrecht erhalten. Erste Anbau-Zulassung eines GVO seit 1998? Jetzt aber läuft zum ersten Mal seit zehn Jahren die EU-Maschinerie warm, um eine Gentech-Pflanze zum Anbau zuzulassen. Die EFSA, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, hat den Antrag positiv beschieden. Nach einer Abstimmung des zuständigen Fachausschusses im Dezember 2006 ist der nächster Schritt ist nun (voraussichtlich) am 26. Februar 2007 eine Abstimmung der EU-LandwirtschaftsministerInnen. Falls sich hier ebenfalls keine qualifizierte Mehrheit für oder gegen den Antrag findet, kann die EU-Kommission frei entscheiden. Bislang wurde von der Kommission jede Zulassung durchgewunken. Der Anbau für die Gentech-Kartoffel (Handelsname "Amflora") ist vor allem für Deutschland und Tschechien geplant, aber dennoch regt sich wenig Widerstand. Wiegen sich VerbraucherInnen in Sicherheit, weil diese Kartoffel in erster Linie für die Stärkeindustrie und nicht für den Verzehr vorgesehen ist? Vermeiden Umweltorganisationen das Thema, da die Kritik an der Produktion landwirtschaftlicher Industrieprodukte eine Gratwanderung zwischen positiven und negativen Aspekten ist, die der Öffentlichkeit zu schwierig zu vermitteln wäre? Mit der Zulassung der gv-Kartoffel wäre für die Gentechnik-BefürworterInnen eine entscheidende politische und psychologische Hürde genommen. Und dieser Kartoffel sollen dann mit Sicherheit viele weitere GVO folgen. International würden BefürworterInnen von GVO sich sicherlich nicht scheuen, eine deutsche Zustimmung für eine deutsche gv-Kartoffel als besonderes Gütesiegel zu nutzen. Im Gegensatz zu den USA hat Deutschland in vielen Bereichen hohe Sicherheitsansprüche und BASF erscheint vertrauenswürdiger als Monsanto. Auch Industrie-GVO verursachen Probleme Viele der Argumente der letzen Jahre beziehen sich auf den Unwillen der VerbraucherInnen; sie wollen keine Gentech-Produkte kaufen. Dies ist entscheidend für die Tatsache, dass Produkte aus gentechnisch veränderten Pflanzen praktisch überhaupt nicht in den europäischen Supermärkten zu finden sind. Unkalkulierbare Risiken der Schadenshaftung bei Kontamination führen dazu, dass sich viele Bäuerinnen und Bauern lieber nicht auf das Experiment des Anbaus einlassen. Der Anbau einer gentechnisch veränderten Kartoffel als industrieller Rohstoff - angeblich ohne Koexistenzprobleme - schwächt diese beiden Argumente. Aber das macht die gv-Kartoffel noch lange nicht harmlos. Es wäre naiv anzunehmen, dass die gv-Kartoffel nicht auch irgendwann in der Nahrung landet. Die Erfahrungen mit StarLink-Mais in den USA im Jahr 2000 und LL6101-Reis in 2006 (1) haben nur zu deutlich gezeigt, dass eine Trennung konventioneller und gentechnisch veränderter Waren auch über Distanzen von mehreren tausend Kilometern nicht möglich ist. Zusammen mit dem Anbau-Antrag wurde auch eine Zulassung als Nahrungs- und Futtermittel beantragt. Dies ist ein Eingeständnis, dass eine vollständige Trennung der landwirtschaftlichen Produktion mit und ohne Gentechnik nicht machbar ist. Für die BASF ist die Zulassung als Lebensmittel entscheidend um Folgekosten für Anwälte und mögliche Entschädigungen für die Lebensmittelbranche zu verringern. Nach einer Zulassung als Nahrungsmittel bedeutete eine Verunreinigung "lediglich", dass die Produkte gegebenenfalls gekennzeichnet werden müssen. Eine Verunreinigung mit einem nicht-zugelassenen GVO dagegen hieße, dass die Produkte überhaupt nicht vermarktet werden dürften. Auch im Anbau ist mit Kontamination zu rechnen. Die Erfahrungen der letzten 15 Jahre zeigen immer wieder, dass gerade auch in der Saatgutherstellung Kontaminationen stattfinden. Nichts spricht dafür, dass die Saatgutbetriebe dieses Problem plötzlich bei der Produktion von Pflanzkartoffeln im Griff haben werden. Ebenfalls bestehen bleiben die Kontaminationswege bei Lagerung, Erntemaschinen, Transportverluste und durch Durchwuchs von Kartoffeln, die nach der Ernte auf dem Feld zurückbleiben. Selbst wenn nur ein Prozent der Ernte auf dem Feld zurückbleibt, sind das bei Kartoffeln noch 300 bis 400 Kilogramm je Hektar. Kartoffeln können - im Gegensatz zu Getreide - nicht nur aus einem Samenkorn keimen, sondern aus jedem so genannten Auge in der Kartoffelschale. Bei einer Fahrt durch die spezialisierten Anbauregionen für Stärkekartoffeln in Deutschland sind Kartoffelpflanzen regelmäßig auch in den Roggenfeldern zu entdecken. Der Antrag ist zu lückenhaft... Viele EU-Zulassungsanträge der letzten Jahre weisen Lücken auf: Zum Beispiel wurde Hinweisen auf negative Effekte nicht nachgegangen oder es wurden bestimmte Fragen erst gar nicht gestellt. Doch selbst im Vergleich mit diesem oft kritisierten Standard ist der Zulassungsantrag der BASF von ausgesprochen schlechter Qualität. Die EFSA listet in ihrer Stellungnahme 22 Seiten mit Bedenken der Mitgliedsstaaten auf, gibt aber dennoch grünes Licht. Hier nur einige Highlights: Die Sicherheit als Futtermittel soll mit zwei Studien belegt werden. In der ersten enthielt die Nahrung von Ratten 90 Tage lang 5 Prozent gefriergetrocknete Kartoffeln. In anderen Fütterungsversuchen beträgt der GVO-Anteil bis zu 30 Prozent. Doch selbst mit diesem geringen Anteil und in dem kurzen Zeitraum, ließen sich negative gesundheitliche Effekte feststellen. Rattenweibchen zeigten signifikant veränderte Werte in Bezug auf ihre weißen Blutkörperchen und ein verändertes Gewicht der Milz. Diese Unterschiede wurden jedoch nicht weiter untersucht. In einer zweiten Studie wurden in zwei Versuchsreihen jeweils sechzehn Kühe für acht Wochen mit gentechnisch veränderter Kartoffelpulpe gefüttert. Kartoffelpulpe ist das Abfallprodukt der industriellen Stärkegewinnung. Bei dem Versuch wurden keine Gesundheitsparameter wie zum Beispiel Blut oder Urin untersucht sondern lediglich das Gewicht der Tiere gemessen. Außerdem handelte es sich um eine Kuhrasse, die auf reine Milchleistung gezüchtet und für die Mast ungeeignet ist. Die Aussagekraft dieser Studie ist in etwa so groß, als würde man die Sicherheit eines Oldtimers dadurch bestimmen, wie schnell er von 0 auf 100 beschleunigt, ohne die Bremsen und Abgasemissionen zu messen. In dem gesamten Zulassungsverfahren wurde kein Versuch mit frischen Kartoffeln unternommen, weder roh so, wie sie an Kühe verfüttert werden oder wie sie Wildtiere auf dem Acker fressen könnten, noch gekocht, so wie sie in der menschlichen Nahrung vorliegen könnten. ... um Aussagen über die Umweltverträglichkeit zu treffen Um die Umweltstudien ist es noch schlechter gestellt. Auch hier wurden zwei Versuche vorgelegt. In dem einen wurde die Anzahl der Athropoden (Insekten und andere Gliedertiere) auf Versuchsflächen gezählt. In dem Versuch wurden keine Unterschiede festgestellt - allerdings wurden die Flächen während des Versuchs wiederholt mit Insektiziden behandelt. So lassen sich kaum aussagekräftige Werte feststellen. Bei dem zweiten Versuch handelt es sich um Daten aus einem klassischen Sortenversuch ohne Umweltparameter. Die Daten zeigen, dass es "keine erhöhte Anfälligkeit oder Resistenz für Schädlinge und Krankheiten gibt, und auch keine Veränderung in der Empfindlichkeit gegenüber einer Anzahl von Kartoffelviren". Bei dieser Studie handelt es sich also eindeutig nicht um eine Umweltverträglichkeitsstudie. Was sagt uns der Versuch über andere Insekten, Bodenorganismen und Wildtiere, die während des Anbaus und nach der Ernte mit den Kartoffeln in Kontakt kommen? Was sagt er uns darüber, ob die veränderte Zusammensetzung und zum Beispiel der höhere Zuckergehalt die Kartoffel für Wildtiere attraktiver macht? Eine veränderte Stärkezusammensetzung könnte auch zu einem veränderten Abbau im Boden führen. Selbst die EFSA gibt in ihrer Stellungnahme an, dass "gv-Kartoffelknollen eine veränderte Stärkezusammensetzung haben, und dadurch anders zusammengesetzte Mikrobengemeinschaften abgebaut werden könnten". Doch auch der Abbau der gv-Kartoffeln im Boden bleibt un-untersucht. Der Mangel an Umwelt- und Fütterungsstudien wird durch die Tatsache verschärft, dass es weder Erfahrungen mit dem Anbau von Gentech-Pflanzen mit veränderten Inhaltstoffen gibt, noch mit dem Anbau von Gentech-Kartoffeln. Im Gegensatz zu den ansonsten vor allem angebauten herbizidtoleranten oder Bt-Pflanzen bildet die Gentech-Kartoffel nicht "einfach" ein zusätzlichen Protein. Bei dieser Kartoffel wird ein essentieller Teil des Stoffwechsels der Pflanze blockiert, so dass eine der üblicherweise zwei Kartoffelstärken - und zwar die Amylose - nicht gebildet wird. Die Frage ist, was die Pflanze stattdessen mit den Stoffen macht, die eigentlich in Amylose umgewandelt würden, und ob die Blockade auch andere Stoffwechselwege blockiert, die zum Beispiel unter Stressbedingungen aktiviert werden. Der Stoffwechsel der gv-Kartoffel ist verändert und deshalb sollte dies umso genauer untersucht werden. Auch mit dem Anbau von gv-Kartoffeln gibt es kaum Erfahrung. Selbst in den USA verschwanden gentechnisch veränderte Bt-Kartoffeln schon vor sieben Jahren wieder von den Äckern, nachdem die Fastfood-Kette "McDonald's" und der Chips-Hersteller "Procter & Gamble" aus Sorge vor Verbraucherablehnung von den US-Farmern ausschließlich konventionelle Kartoffeln verlangten. Sollte die Kartoffel eine Anbauzulassung bekommen, wären Deutschland und die anderen Mitgliedstaaten der EU dafür verantwortlich, den Einstieg für den großflächigen Anbau der Gentech-Kartoffeln den Weg zu bahnen. Antibiotikaresistenz durch die Hintertür? Die BASF-Kartoffel enthält das Antibiotikaresistenzgen "nptII" als Markergen. Markergene dienen im Labor dazu, frühzeitig die gentechnisch veränderten Zellen zu identifizieren. Als Technik ist das Nutzen von Antibiotikaresistenzen hierfür inzwischen veraltet und - wichtiger noch - in der EU ausdrücklich verboten. Laut der EU-Freisetzungsrichtlinie 2001/18 dürfen seit 2005 praktisch keine GVO mit Antibiotika-Resistenz mehr angebaut werden. BASF und die EFSA scheint das wenig zu kümmern. Die EFSA bescheinigt dieser Antibiotikaresistenz einfach Unbedenklichkeit, da die betroffenen Antibiotika nur in geringem Umfang in der Human- und Tiermedizin eingesetzt würden. NptII bewirkt eine Resistenz gegen die Antibiotika Kanamycin, Neomycin, Gentamycin, Genetycin, Paramomycin und Framycetin. Neomcyin wird in einigen EU-Ländern sehr wohl noch in der Human- und/oder Veterinärmedizin eingesetzt. Bedenklich ist aber vor allem die Resistenz gegen Kanamycin. Kanamycin wird in der WHO-Liste der wichtigsten Medikamente als Reserveantibiotikum gegen mehrfach-resistente Tuberkulose aufgeführt.(2) Wer bestimmt, welche Landwirtschaft wir haben? Bereits in 2006 war ein Trend beim Anbau des Gentech-Mais MON810 in Deutschland zu sehen: weg von Nahrungs- und Futtermitteln, hin zu industriellen Rohstoffen. Verbraucher lehnen Gentechnik in Nahrungs- und Futtermitteln deutlich ab, und so versuchten einige MON810-Landwirte der Kritik zu entgehen, indem sie angaben, dass dieser Mais nur für die Herstellung von Biogas genutzt werden sollte, und nicht als Futtermittel. Die BASF-Kartoffel folgt diesem Trend. Sie ist gentechnisch so verändert, dass sie nur eine statt zwei verschiedener Stärken produziert, wodurch sie besser als industrieller Rohstoff genutzt werden können soll. Sie folgt aber auch einem Trend zunehmend landwirtschaftliche Flächen nicht zur Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln zu nutzen, sondern für industrielle Rohstoffe. Einerseits wird ein Horrorszenario gezeichnet, in dem die Weltbevölkerung explodiert und die landwirtschaftlichen Nutzflächen aus verschiedenen Gründen immer weniger werden, andererseits werden hier Flächen aus der Nahrungsmittelproduktion herausgenommen. Langfristig bedeutet dieser Trend, dass vor allem die Nahrungsmittelproduktion der Armen dieser Welt nicht mehr nur mit Cash Crops konkurriert, sondern zunehmend auch mit dem großflächigen Anbau für Biogas, Stärke und anderen Rohstoffen. Die aktuelle Verdoppelung des Tortillapreises in Mexiko ist Folge der Nutzung von Mais als Bioethanol statt als Nahrungs- und Futtermittel.(3) Bei den Verträgen mit den Anbietern für GVO-Mais-Saatgut unterzeichnen die LandwirtInnen weiter reichende Verpflichtungen, als bisher üblich: Ohne Zustimmung der Betroffenen geben die GVO einsetzenden Landwirte die Adressen ihrer NachbarInnen an die Saatgutkonzerne weiter. Bei der BASF-Kartoffel rutschen sie noch tiefer in die Abhängigkeit von der Industrie. Schon heute ist die Produktion von Stärkekartoffeln stark reguliert und Bauern brauchen Lieferrechte für die Stärkefabriken. Die BASF plant nun den Spielraum für die Bauern elegant noch weiter zu beschneiden. Sie liefert patentiertes Saatgut und macht Vorgaben für alle möglichen Details des Anbaus. Am Ende der Produktionskette sitzt sie als Großabnehmer der Stärke für ihre breite Produktpalette wieder am langen Hebel und kann Druck auf ihre Lieferanten aus der Stärkeindustrie ausüben. Bauern sind dann nur noch Heimarbeiter und Scheinselbständige, die das Risiko tragen aber kaum eigenständige Beschlüsse über ihre Anbaumethoden treffen können. Sie verlieren über den Patentschutz jegliche Möglichkeit Kartoffeln aufzubewahren und im Folgejahr erneut auszupflanzen. Traditionell tauschen Landwirte untereinander ihre Flächen, da Kartoffeln nur alle drei oder vier Jahre auf dem gleichen Acker angebaut werden können. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern mit einem der höchsten Anteile an Pachtland in Deutschland entstehen so neue Konflikte: Was bisher als Nachbarschaftshilfe unbürokratisch geregelt wurde, ist im Fall der Gentechnikkartoffel ausgeschlossen. Der Mangel an Umweltstudien für eine Pflanze, die in Deutschland angebaut werden soll - und deren Durchwuchsproblematik bekannt ist -, der Mangel an Futter- und Nahrungsmittelsicherheit, der lückenhafte Zulassungsantrag und die schamlose Zustimmung der EFSA - dies alles sind mehr als gute Gründe, den Anbau dieser gv-Kartoffel abzulehnen. Und die Tatsache, dass es sich bei Amflora um eine Industriekartoffel handelt, verlangt nicht weniger politische Öffentlichkeit. Es stellt sich genau an dieser Stelle die Frage, was für eine Landwirtschaft wir wollen, und wer dies bestimmen soll. Sehr interessant in diesem Zusammenhang die Aussage von Richard Lenk Geschäftsführer der Südstärke in der Süddeutschen Zeitung: "Für uns kommt eine Verarbeitung von Amflora zurzeit nicht in Frage". Und weiter: "Wenn bekannt würde, dass wir in unserem Betrieb gentechnisch veränderte Kartoffeln verarbeiten, bekämen wir ein Imageproblem". Wirtschaftlich lohne sich Amflora nicht. Durch die gentechnische Veränderung wird zwar ein Schritt in der Verarbeitung gespart. "Dafür sind die Kartoffeln teurer und nicht so ertragreich wie herkömmliche Sorten".(4) Antje Lorch ist Biologin und freiberufliche Beraterin zu wissenschaftlichen und politischen Fragen der Gentechnik. URL dieses Artikels: www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/TEXTE/ARCHIV/PRESSEDIENST_GID180/LANDWIRTSCHAF T180.HTML#Anker706271 Quellen: Dossier GMO UK 2005-14 und EFSA-Stellungnahme: www.efsa.europa.eu/en/science/gmo/gm_ff_applications/more_info/909.html Eine detaillierte Kritik der Zulassungsunterlagen und der EFSA-Stellungnahme findet sich auf www.ifrik.org/index.php?id=79 Fußnoten: (1) StarLink-Mais ist ein gv-Mais der in den USA - obwohl nur mit einer Zulassung als Tierfutter ausgestattet - in mehr als 300 Lebensmittelprodukten weltweit auftauchte, was zu einer breit angelegten Rückrufaktion führte. Auch der gentechnisch veränderte LL601-Reis wurde im vergangenen Jahr praktisch weltweit in Reisprodukten und -lieferungen gefunden, obwohl er erstens weder eine Anbau- noch eine Verzehrzulassung besaß, noch, zweitens, von der deutschen Firma Bayer kommerzialisiert werden sollte. Vermutlich waren beim Testanbau (fand nur bis 2001 in den USA statt) Saatgut-Chargen durcheinander geraten. (2) Kanamycin wird in der WHO-Liste der wichtigsten Medikamente als Reserveantibiotikum gegen mehrfach-resistente Tuberkulose aufgeführt. Im Netz unter: http://mednet3.who.int/EMLib (3) Zu der Verdoppelung des Tortillapreises in Mexiko siehe "Mexiko: Mais-Preis" unter Landwirtschaft und Lebensmittel - Kurz notiert in diesem Heft. (4) Süddeutsche Zeitung, 28.11.06, im Netz unter: www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/5/92912 From 078222664-0001 at t-online.de Tue Mar 13 22:20:40 2007 From: 078222664-0001 at t-online.de (Klaus Schramm) Date: Tue, 13 Mar 2007 22:20:40 +0100 Subject: [Gen-Info] TeGenero References: <45F69925.7000409@gen-ethisches-netzwerk.de> Message-ID: <1HREQC-0eqJOC0@fwd26.sul.t-online.de> Hallo Leute! Hier ein Artikel aus dem 'stern' zum TeGenero-Skandal (wir berichteten). Ciao Klaus Schramm klaus.schramm at bund.net 13.03.07 Der injizierte Alptraum Das Northwick Park Hospital in Harrow, wo für sechs Männer der schlimmste Alptraum ihres Lebens WIrklichkeit wurde Es sollte schnelles Geld sein: 2000 Pfund für eine Spritze, drei Tage Krankenhaus und ein paar Kontrolltermine. Was aber sechs Männer vor genau einem Jahr in London bei einem Arzneitest der Pharmafirma TeGenero erlebten, hätte aus einem Horrorfilm stammen können. Das katastrophal misslungene Experiment der deutschen Pharmafirma TeGenero machte vor einem Jahr Schlagzeilen rund um die Welt. An den Folgen leiden die Opfer bis heute. Auf Schmerzensgeld oder eine angemessene Entschädigung warten sie bislang vergebens. David Oakley war an jenem 13. März 2006 der erste von sechs bis dahin völlig gesunden Männern, die das neu entwickelte Mittel TGN1412 in den Körper gepumpt bekamen. Morgens um acht war das, in einer Versuchsabteilung des Northwick Park Hospitals. Das Präparat, das später einmal gegen Multiple Sklerose, Arthritis oder Blutkrebs helfen sollte, floss sechs Minuten lang über eine Kanüle in seinen rechten Arm. Der 34-Jährige ließ alles still über sich ergehen. Kopf und Gliedmaßen schwollen auf furchtbare Dimensionen an Eine halbe Stunde später bekam Oakley Kopfschmerzen, die sich bis zum Irrsinn steigerten. Dann spielte sein Immunsystem verrückt: Das Herz raste, das Blut klumpte, die Lungen und die Nieren schmerzten. Die Fachwelt nennt das, was sich in seinem Körper abspielte, einen Zytokin-Sturm. Oakley spuckte einen Liter Galle, bevor er auf die Intensivstation kam. Tagelang musste er um sein Leben bangen. Den anderen Versuchsteilnehmern ging es nicht besser. Einige begannen, enorm zu frieren. "Es war, als ob man nackt in der Antarktis ausgesetzt wird", erinnert sich der 32-jährige Rob. Bei dem Schauspieler schwollen Kopf und Gliedmaßen auf furchtbare Dimensionen an. Er ging als "Elefantenmensch" in die Medizingeschichte ein - der Grund, warum Rob seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will. Die Schauspiel-Karriere wäre dann wohl vorbei. Das ist aber noch eine der weniger dramatischen Folgen. Dem jüngsten Versuchsteilnehmer Ryan Wilson (20) mussten Finger und Zehen amputiert werden. Bei Oakley stellte man eine Frühform von Lymphdrüsenkrebs fest. Alle sechs leiden unter Müdigkeit und Erinnerungslücken. Vor allem aber werden sie wohl ihr Leben lang um ihre Gesundheit fürchten müssen. "Man wird paranoid", sagt Rob. "Bei der kleinsten Veränderung denkt man: Oh Gott, wenn das Krebs ist!" TeGenero verschwand in der Versenkung Hinzu kommt, dass die Opfer bislang kaum eine Entschädigung erhalten haben. 10.000 Pfund (rund 15 000 Euro) bekam jeder von ihnen bezahlt. Die Würzburger Firma TeGenero, die den Test mit drei Millionen Euro versichert hatte, ging pleite und verschwand in der Versenkung. Mit dem US-Konzern Parexel (Jahresgewinn: über 150 Millionen Euro), unter dessen Kontrolle der Versuch stattfand, streiten sich die Opferanwälte bis heute herum. Inzwischen haben sie eine beeindruckende Liste aufgestellt, was alles schief gegangen sein soll: Keiner weiß, warum die sechs Freiwilligen praktisch gleichzeitig getestet wurden. Demnach wurde den letzten Kandidaten TGN1412 auch noch gespritzt, als die ersten schon starke Schmerzen hatten. Außerdem sollen die Parexel-Ärzte ihre eigenen Unterlagen nicht richtig gekannt haben, weshalb mit der Vergabe von Gegenmitteln zu lange gewartet worden sei. Der Test hatte ursprünglich in Berlin stattfinden sollen Der Konzern beruft sich hingegen auf ein Gutachten der britischen Aufsichtsbehörde MHRA, wonach Parexel keine Schuld trägt. Aber die MHRA ist auch die Behörde, die den Versuch erlaubte. Ursprünglich hätte der Test in Berlin stattfinden sollen - aber dort dauerte es TeGenero nach Angaben der zuständigen Behörden mit der Erlaubnis zu lange. Die Opferanwälte wollen nun, pünktlich zum ersten Jahrestag des Skandals, Entschädigungsklagen auf den Weg bringen. "Wenn dieser Test in Amerika stattgefunden hätte, ginge es um Hunderte von Millionen", sagte der Anwalt Martyn Day der Tageszeitung "The Guardian". Jetzt will er pro Versuchsopfer mindestens 1,5 Millionen Euro. "Diese Jungs haben eine furchtbare Zukunft vor sich: Kann sein, dass sie relativ unbeschadet aus der Sache herauskommen. Aber kann auch sein, dass es ihnen ganz schlecht ergeht. Und dann wären 1,5 Millionen nie und nimmer genug." http://stern.de/wissenschaft/medizin/:TeGenero-Skandal-Der-Alptraum/584620.html From 078222664-0001 at t-online.de Tue Mar 13 22:20:42 2007 From: 078222664-0001 at t-online.de (Klaus Schramm) Date: Tue, 13 Mar 2007 22:20:42 +0100 Subject: [Gen-Info] Nachrichtenflut Message-ID: <1HREQE-0eqJOE0@fwd26.sul.t-online.de> Hallo Leute! Im Moment ist eine wahre Nachrichtenflut zum Thema Gentechnik zu verzeichnen. Ich habe heute rund Dreiviertel ausgefiltert... Die weitaus wichtigste Information scheint mir die zur Gen-Kartoffel zu sein - ich empfehle sie gesteigerter Aufmerksamkeit! Ciao Klaus Schramm klaus.schramm at bund.net From 078222664-0001 at t-online.de Tue Mar 13 22:20:42 2007 From: 078222664-0001 at t-online.de (Klaus Schramm) Date: Tue, 13 Mar 2007 22:20:42 +0100 Subject: [Gen-Info] Virrankoski-Report zurueckverwiesen References: Message-ID: <1HREQE-0eqJOD0@fwd26.sul.t-online.de> Hallo Leute! Das Europäische Parlament hat den Virrankoski-Report in den Agrar-Ausschuß zurueckverwiesen. Ciao Klaus Schramm klaus.schramm at bund.net 12/03/2007 Virrankoski report Parliament has decided to refer back to committee the Virrankoski report on biotechnology: prospects and challenges for agriculture in Europe (A6-0032/2007). http://www.europarl.europa.eu/sce/server/internet/latest_news/sce_latest_news_01 .jsp?open_level=0