From 078222664-0001 at t-online.de Tue Nov 28 23:37:53 2006 From: 078222664-0001 at t-online.de (Klaus Schramm) Date: Tue, 28 Nov 2006 23:37:53 +0100 Subject: [Gen-Info] Gen-Mais in Baden-Wuerttemberg Message-ID: <1GpBaL-0mdSJn0@fwd32.sul.t-online.de> Hallo Leute! Wir sind dafür kritisiert worden, daß wir die Meldung über mutmaßlichen geheimen Gen-Mais-Anbau in Baden-Württemberg bisher auf dieser Mailing- Liste nicht weiterverbreitet haben. Das hat ganz einfach den Grund, daß es sich bisher lediglich um ein Gerücht handelt. Selbstverständlich arbeiten wir daran, handfeste Informationen zu bekommen. Es ist jedoch offensichtlich, daß die Gentech-Industrie seit der Skandale um "unbeabsichtigte" Verunreinigungen - wie beispielsweise durch den Gen-Langkornreis LL601 vom Bayer-Konzern - die Stategie fährt, die europäische Öffentlichkeit durch durch eine Schwemme von Meldungen über Gen-Verunreinigungen zu verunsichern. Ziel ist dabei, eine resignative Haltung nach dem Motto "Jetzt ist doch schon überall Gentech drin - GMO-Freiheit ist nun nicht mehr aufrechtzuerhalten - Widerstand ist zwecklos!" zu verbreiten! Ein weiteres Beispiel einer Meldung, die wir aus gutem Grund hier nicht veröffentlicht haben, obwohl sie über etliche Mailinglisten verbreitet wurde folgt im nächsten e-mail. Ciao Klaus Schramm klaus.schramm at bund.net From 078222664-0001 at t-online.de Tue Nov 28 23:37:52 2006 From: 078222664-0001 at t-online.de (Klaus Schramm) Date: Tue, 28 Nov 2006 23:37:52 +0100 Subject: [Gen-Info] USA genehmigen Genreis-Anbau References: Message-ID: <1GpBaK-0mdSJm0@fwd32.sul.t-online.de> Hallo Leute! Schaut Euch mal im folgenden Artikel von n-tv den Satz über >Monopol auf Saatgut und dazugehörigem Unkrautvernichtungsmittel< genauer an. Da holpert's. Sowas ist immer ein deutlicher Hinweis darauf, daß es in der Redaktion gerumpelt hat... Ciao Klaus Schramm klaus.schramm at bund.net Samstag, 25. November 2006 Bayer macht Kasse mit LL 601 USA genehmigen Genreis-Anbau Die US-Landwirtschaftsbehörden haben eine in Europa umstrittene Genreis-Sorte des Chemiekonzerns Bayer offiziell zugelassen. Eine eingehende wissenschaftliche Überprüfung habe ergeben, dass die genetische veränderte Langkornreis-Sorte "LL Rice 601" genau so sicher sei wie traditionell gezüchteter Reis, erklärte das US-Ministerium für Landwirtschaft (USDA). Im Sommer waren mehrere Fälle bekannt geworden, bei denen der gentechnisch veränderte Reis illegal von den USA nach Europa gelangte. Daraufhin entbrannte eine Debatte um den illegalen genmanipulierten Reis in Lebensmitteln. Nach den Funden in Deutschland und in mindestens acht weiteren EU-Ländern sprach sich die EU-Kommission für verpflichtende Kontrollen aller Reis-Importe aus den USA aus. In der EU ist keine Genreis-Sorte zum Import oder zum Verkauf zugelassen. Der in den USA produzierte und von Crop Science vermarktete Reis enthält ein Gen, das ihn gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel resistent machen soll. Damit die Firmen ihr Monopol auf Saatgut und dazugehörigem Unkrautvernichtungsmittel. Erst in der vergangenen Woche hatten die 25 EU-Staaten beschlossen, ihre Kontrollen gegen die Einfuhr von gentechnisch verändertem Langkornreis aus den USA zu verschärfen. Sämtliche Lieferungen müssten künftig bei ihrer Ankunft in Europa systematisch untersucht werden, sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. "Wir sind zuversichtlich, dass diese Tests nun das Risiko der Einfuhr von nicht zugelassenem Reis aus den USA verringern", sagte Kommissionssprecher Philip Tod. http://www.n-tv.de/736961.html From 078222664-0001 at t-online.de Tue Nov 28 23:37:53 2006 From: 078222664-0001 at t-online.de (Klaus Schramm) Date: Tue, 28 Nov 2006 23:37:53 +0100 Subject: [Gen-Info] Artikel der 'Zeit' zu Gen-Honig Message-ID: <1GpBaL-0mdSJo0@fwd32.sul.t-online.de> Hallo Leute! Hier eine Stellungnahme zum 'Zeit'-Artikel v. 2.11.06, der über etliche Mailinglisten verbreitet wurde. Dieser Artikel von Bettina Gartner erweckt den Anschein, kritisch das Problem der Gen-Kontamination von Honig zu beleuchten. Walter Haefeker vom Vorstand des Berufs- und Erwerbsimkerbundes ist da anderer Ansicht. (Im Anschluß an die Stellungnahme Haefekers ist der Original-Artikel einkopiert.] Ciao Klaus Schramm klaus.schramm at bund.net Betreff: Leserbrief zum Artikel "Dreck im Stock" vom 2.11.2006 Nr. 45 Eigentlich war ich froh, dass das Thema "Imkerei und Gentechnik" von der Zeit aufgegriffen wurde. Leider stellte sich meine Freude verfrüht heraus, denn Frau Bettina Gartner war wohl mit der Komplexität der Zusammenhänge etwas überfordert. Nachdem sich Minister Seehofer vor wenigen Wochen mit Mitarbeitern seines Ministeriums die Position der Imkerverbände genau angehört hatte, attestierte er uns, daß es sich hier nicht um "Fundamentalopposition" handele, sondern unsere Bedenken sachlich wohl begründet zu seinen scheinen. Frau Gartner scheint bei Ihren Recherchen zu einem anderen Schluss gekommen zu sein. [...] So schließt sie, dass wegen der wenigen Anbauflächen kein Handlungsbedarf vorliege. Nun gehen wir davon aus, dass das Gentechnikgesetz nicht gemacht wird, um den gelegentlichen Erprobungsanbau zu regeln, sondern um einen großflächigen kommerziellen Anbau zu ermöglichen. Die EU versprach dem Erzeuger Koexistenz und dem Verbraucher Wahlfreiheit. Ohne Honigkennzeichnung gibt es keine Wahlfreiheit für unsere Kunden und als Erzeuger sind wir vogelfrei. Als Imkerverbände können wir jedoch keine Honig-Kennzeichnung fordern, solange wir mit den bei unseren Produkten besonders hohen Analysekosten allein gelassen werden. Das Versprechen von Wahlfreiheit und Koexistenz war die Grundlage für die Aufhebung des Gentechnik-Moratoriums. Warum wird es aber im Falle des Honigs nicht eingelöst und warum sollen die Nichtanwender auf den Kosten sitzen bleiben? Andere Bienenprodukte wie z.B. Pollen unterliegen bereits der Kennzeichnungspflicht. Die Analysekosten übersteigen hier schon heute den Wert einer Charge. Mit einer einfachen Google-Recherche hätte Frau Gartner leicht herausfinden können, dass die Geschichte mit Maispollen als "Medizinbällen" zwar anschaulich klingt, aber sachlich falsch ist. Nach einer aktuellen Studie der schweizerischen Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ist der Maispollen der von den Bienen meistgesammelte Pollen in unserer Kulturlandschaft. Die Ausführungen über den geringen Pollenanteil im Honig sind ebenso schlecht recherchiert. Pollen ist ein wesentlicher Bestandteil des Honigs. Wenn er fehlt, darf das Produkt nicht als Honig gehandelt werden. Viele der gesundheitlichen Vorteile des Honigs lassen sich auf den Pollenanteil zurückführen. Für Gentechnikanalysen spielt nur der Pollen eine Rolle, da der Nektaranteil des Honigs keine Gene enthält. Für unsere Existenz ist relevant, dass der Lebensmittelhandel im Gegensatz zur Politik die Wünsche der Verbraucher berücksichtigt und daher Zertifikate der Gentechnikfreiheit von uns Imkern verlangt. Die Aufforderung der Autorin, man könne ja mit Hilfe des Standortregisters vor der Gentechnik flüchten, ist unbedacht und kurzsichtig. Wenn wir Imker diesen Vorschlag umsetzen würden, hätten die Nachbarn des Gen-Landwirts in einem weiten Umkreis keine Bestäubung ihrer Kulturen mehr. Schade, dass Frau Gartner sich nicht die Zeit genommen hat, die Problematik wirklich zu verstehen. Schade auch, daß Wissenschaftler und Behördenvertreter sich wider besseres Wissen am Kleinreden des Problems beteiligen. Walter Haefeker Mitglied des Vorstandes Deutscher Berufs und Erwerbsimkerbund e.V +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ DIE ZEIT, 02.11.2006 Nr. 45 Dreck im Stock Auf deutschen Äckern wachsen die ersten Gentech-Pflanzen. Bienen sammeln Pollen mit verändertem Erbgut. Imker fürchten um die Reinheit ihres Honigs. Von Bettina Gartner Die Biene ist ein friedliches Tier. Heißt es. Steht man allerdings nichtsahnend in ihrer Flugbahn und versperrt ihr den Weg oder grapscht gierig nach ihrem Honig, reagiert sie ganz schön gereizt. Die deutschen Imker gleichen ihren Schützlingen derzeit mehr denn je. Ähnliche Reaktionen sind bei ihnen zu beobachten. Sie fühlen sich in ihrer Arbeit beeinträchtigt, in ihrer Existenz bedroht und reagieren heftig. Sie trommeln »Befreiungstrupps« zusammen und trampeln Maisfelder nieder, auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen. In Königswinter hat jemand eine Bannmaske mit den Gesichtszügen von Horst Seehofer an einen Bienenkasten gehängt, um das Böse von den Tieren abzuwehren - etwas, was der Landwirtschaftsminister zu tun versäume. Und die Imker stimmen ganz ihrem Präsidenten Manfred Hederer zu, wenn er erklärt: »Ich will keinen Dreck in meinem Honig!« Dreck im Honig? Im »reinen«, »echten«, »erlesenen« Naturprodukt? Im altbewährten Haus- und Heilmittel, mit dem sich schon die Olympioniken der Antike aufputschten, das die Oma in die heiße Milch rührt und die Ärzte neuerdings zur Wundbehandlung einsetzen? Die Zusammensetzung von Honig ist längst bekannt. Er besteht zum größten Teil aus Traubenzucker, Fruchtzucker und Wasser. Er enthält Enzyme, Aminosäuren, Mineralstoffe, Spurenelemente, organische Säuren, Aromastoffe, Farbstoffe und Pollen. Alles sauber soweit. Doch die Imker sagen: Es gibt Honig, der Dreck enthält. Gen-Dreck, genauer gesagt. Bei den 36. Berufs- und Erwerbsimkertagen in Donaueschingen am vergangenen Wochenende präsentierten sie entsprechende Analyseergebnisse: In sechs kanadischen Raps-Honigen waren Spuren von gentechnisch verändertem Erbgut gefunden worden. Solche Befunde bescheren dem Honig nicht nur ein kurzfristiges Imageproblem; ihm droht scheinbar der Abstieg in die Zweitklassigkeit. Und während die Imker Umsatzeinbußen prophezeien, weil solche Produkte niemand haben wolle, zieht schon das nächste Schreckgespenst über die Felder: Pharma-Pflanzen, die gentechnisch so eingestellt sind, dass sie Impfstoffe gegen Cholera oder Tollwut, Antikörper gegen Karies oder Grippe, Blutgerinnungshemmer oder Hormone produzieren. Wenn der Mensch anfängt, seine Arzneien auf dem Acker zu produzieren, landen diese Wirkstoffe dann nicht automatisch auch im Honig? Schuld an allem ist die grüne Gentechnik. »Agro-Gentechnik«, sagen die Imker, um der Sache den natürlichen Beigeschmack zu nehmen. In das Erbgut von Kulturpflanzen wie Mais, Raps, Soja oder Tabak werden Gene fremder Organismen eingebaut. Sie machen die Pflanzen nährstoffreich, fit für schlechte Wachstumsbedingungen und resistent gegen Schädlinge und Unkrautvernichtungsmittel. In Deutschland ist den Bauern derzeit nur der Anbau von so genanntem Bt-Mais erlaubt. Bt steht für das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis. Es produziert ein Toxin, das für den Maiszünsler tödlich ist. Durch den Gen-Transfer vom Bakterium in den Mais ist die Pflanze in der Lage, das Killerprotein zu bilden. Fallen die Larven des Maiszünslers über den Bt-Mais her, gelangt dieses Toxin in ihre Mägen, dockt dort an Rezeptoren an und beginnt zu wirken. Das angebliche Teufelszeug Bt-Mais wird auf 950 Hektar angebaut - gerade mal 0,05 Prozent der gesamten Maisanbaufläche. In einem vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angelegten Standortregister können die Imker sehen, wo die entsprechenden Felder liegen und ihnen problemlos ausweichen. Ihre Angst hat in Deutschland derzeit keinen realen Hintergrund. Bei der Waldhonigernte nuckelt die Biene an den Hintern der Läuse Doch wenn - wie in Kanada, den USA und Argentinien - gentechnisch veränderte Pflanzen auf ausgedehnten Flächen wachsen, kommen die Bienen unweigerlich mit ihnen in Kontakt, sobald sie ausfliegen, um Stoff für ihren Honig zu sammeln. Laut Tierseuchengesetz gilt die Biene zwar als Haustier, sie ist aber alles andere als ein Stubenhocker und tummelt sich normalerweise in einem Radius von drei Kilometern. Dabei besucht sie nicht nur Blüten, um dort Nektar zu tanken. Für die Tannen- und Waldhonigernte sammelt sie fleißig Ausscheidungen von Läusen und Zikaden: Sie nuckelt an deren Hinterteil, an dem der Honigtau klebt, unverdaut ausgeschiedener Pflanzensaft. Den aufgesaugten süßen Saft bunkert die Biene in ihrer Honigblase. Im Stock angekommen, würgt sie die Fracht heraus und übergibt die Kotze an die Arbeiterbienen im Innendienst. Tagelang saugen diese das Labsal auf, vermischen es mit Speichel, würgen es wieder heraus, entziehen ihm durch heftiges Flügelschlagen Wasser und lagern den fertigen Honig schließlich in Waben ein. Pflanzliches Erbmaterial ist weder in Nektar noch Honigtau enthalten. Folglich kann dadurch auch kein »Gen-Dreck« in den Honig gelangen. Erbgut findet sich aber im Blütenstaub, dem Pollen, mit dem sich die Biene zwangsläufig bepudert, wenn sie sich am Nektar gütlich tut. Die Biene trägt ihn von Blüte zu Blüte und betätigt sich dadurch als Bestäubungshelferin. Wenn sie den Pollen mit ihren Hinterbeinen zu Klumpen formt und nach Hause transportiert, handelt sie ganz eigennützig. Die Körner sind nämlich nahrhafte Eiweißbomben und ein hervorragendes Futter für Larven und junge Arbeiterinnen. Für die Herstellung von Honig verwendet die Biene den Pollen indes nicht. Trotzdem kann man ihn darin finden. Wenn die Biene Nektar tankt, schluckt sie immer auch ein paar Pollen. Und die Körner, die sie an den Hinterbeinen in den Stock trägt, liegen dort herum wie Hausstaub. Der Anteil von Pollen im Honig - und damit der mögliche »Gen-Dreck« - ist allerdings gering. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg geht von 0,01 Prozent aus. »Maispollen kommen darin nur vereinzelt vor«, sagt Josef Herrmann vom Fachzentrum Analytik an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Das liegt daran, dass Mais bei Bienen nicht begehrt ist - er produziert keinen Nektar. Außerdem ist sein Pollen sehr groß und für die Bienen schwierig zu transportieren. »Das ist, als müssten wir Medizinbälle schleppen«, sagt Hans-Hinrich Kaatz, Professor für Zoologie an der Universität Halle. Und wie sieht es aus, wenn Bienen auch auf gentechnisch veränderten Maisfeldern Pollen sammeln? »Dann sind die entsprechenden Spuren im Honig verschwindend gering - wenn man sie überhaupt findet«, sagt Experte Herrmann und vergleicht: »Wenn man bedenkt, dass der Mensch pro Jahr über Nahrung und Staub ein bis anderthalb Kilo Erdpartikel aufnimmt, dann kann man sich ausrechnen, dass wir die DNA des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis schon öfter aufgenommen haben, als wir es durch Honig je tun können.« »Hier handelt es sich nicht um ein wissenschaftliches, sondern um ein politisches und marktwirtschaftliches Problem«, sagt Zoologie-Professor Kaatz. Tatsächlich geht es den Imkern ums Prinzip - und um das Image ihres Produkts. Doch gerade weil die Herstellung von Honig ein natürlicher Vorgang und keine sterile Veranstaltung ist, gerät manchmal hinein, was nicht edel ist. Clostridium botulinum zum Beispiel. Das Bakterium kommt in Wasser, Boden und Pflanzen vor, kann von der Biene aufgegabelt werden und wie der Pollen in den Honig gelangen. Eigentlich ist es ungefährlich, weil der menschliche Magen ihm Saures gibt. Im sensiblen Verdauungstrakt von Babys allerdings kann es aktiv werden und Botulinumtoxin bilden - ein Nervengift, das sich faltenmüde Menschen unter die Haut spritzen. Dieses Gift blockiert den Darm der Säuglinge, lähmt die Schluckmuskeln und führt im schlimmsten Fall zum Tod. Deshalb sollten Babys im ersten Lebensjahr keinen Honig essen. Nach einem solchen Hinweis sucht man auf vielen Etiketten allerdings vergeblich. Stattdessen pochen die Imker darauf, Honig künftig auf seinen Gentechnik-Gehalt hin zu kennzeichnen - obwohl der Gesetzgeber dies nicht vorsieht. Der geht mit dem Honig milde ins Gericht. Er gilt als tierisches Produkt, ist deshalb per se nicht kennzeichnungspflichtig. Die Deklarierung garantiere dem Kunden Wahlfreiheit, heißt es. Letztlich zeigt die Forderung aber vor allem eines: dass die deutschen Imker momentan von bösen Genen wenig zu befürchten haben. Weil hier kaum grüne Gen-Tech-Flora gedeiht, können sie die Qualität des »echten deutschen Honigs« unterstreichen und ausländische Produkte wie kanadischen Raps-Honig brandmarken. Die Analysekosten für den Gen-Check wollen die Imker allerdings dann doch nicht übernehmen. Imker drohen mit Bestäubungsstreik und prophezeien Ernteeinbußen Am einfachsten wäre es freilich, den Pollen - und damit alles Erbmaterial - aus dem Honig herauszufiltern. Das ist neuerdings erlaubt, doch die deutschen Imker sind dagegen. Schließlich lassen sich anhand der Pollen die Herkunft und die Zusammensetzung des Honigs erkennen. Das ist wichtig, um seine Qualität und Sorte zu bestimmen. Also machen die Imker Druck, um die Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland aufzuhalten. Sie drohen mit Bestäubungsstreik und prophezeien den Bauern Ernteeinbußen von 10 bis 30 Prozent. Sie rechnen vor, wie viel es kosten würde, wenn sie ihre Bienen nur noch gegen Entgelt auf Wiesen und Äcker losließen. Dabei wissen sie, dass sie damit ihre Unabhängigkeit riskieren. Im Gegenzug könnten die Bauern den Imkern verbieten, die Bienenstöcke auf den Feldern aufzustellen - aus Angst, deren Viecher trügen gentechnisch veränderten Pollen auf ihre Äcker. Oder Gen-Pollen von ihrem Acker auf des Nachbars Feld, was auch Scherereien verursachen könnte. Schließlich lässt sich nicht kontrollieren, wo Bienen ihre Nahrung sammeln: auf Öko-Stauden oder Trans-Blüten. Der Mais allerdings verlässt sich in Sachen Bestäubung sowieso lieber auf den Wind. Die männlichen und weiblichen Blütenteile liegen so weit auseinander, dass die Biene in der Regel nicht mit beiden in Berührung kommt. Trotzdem fürchten Imker schon die Anwälte, die mit Schadensklagen aufmarschieren und sie zur Verantwortung ziehen wollen. Sie übersehen, dass das Gentechnikgesetz nicht sie bedroht, sondern von der »Haftung des Betreibers« spricht. Gemeint ist der Bauer: Wer gentechnisch veränderte Pflanzen anbaut, muss etwaige Einbußen seines Nachbarn ausgleichen. Entschädigungen können auch die Imker vom Bauern verlangen, wenn sich der »verseuchte« Honig nicht mehr verkaufen lässt. Derzeit wird das Gentechnikgesetz neu diskutiert. Nicht wegen der Imker, sondern wegen der Landwirte, die nicht zum Sündenbock gemacht werden wollen, nur weil sie den erlaubten Bt-Mais anpflanzen. Diese Gelegenheit wollen die Imker nicht verpassen und bei der Neuformulierung des Gesetzes mitreden. »Wir verlangen eine Haftungsfreistellung«, sagt Manfred Hederer. »Wir wollen, dass explizit festgehalten wird, dass die Bienen wie der Wind sind und sich nicht kontrollieren lassen.« In dubio pro ape also. Das hat Tradition - zumindest dann, wenn die Biene etwas fallen lässt. Wenn sie nämlich im Frühjahr ihre Winterruhe beendet, sich aus dem Stock wagt und beim Reinigungsflug ihre Kotblase entleert, werden mitunter Nachbars Auto, aufgehängte Wäsche und Fensterscheiben beschmutzt. Schadensersatz für diese Verdreckung gibt es nicht, sagen diverse Gerichtsurteile. Warum sollte es bei den Pollen anders sein? ----------------------------------------------------------------------- Pollen-Allergie Bienenvölker in Gefahr Berufsimker haben es nicht leicht. Ihre Bienen leiden seit Jahrzehnten an der Milbe Varroa destructor, einem parasitären Blutsauger. Pestizide machen den Tierchen massenweise den Garaus, auf eintönigen Wiesen werden sie nicht richtig satt, und pro Hektar werden bis zu 80000 Tiere von schnellen Kreiselmähern zerhackt. Vor wenigen Jahrzehnten gab es in Deutschland fast drei Millionen Bienenvölker, heute sind es noch 600000. Kein Wunder, dass sich die Imker auch angesichts gentechnisch veränderter Pflanzen um die Gesundheit ihrer Bienen sorgen. Die Wissenschaft gibt allerdings Entwarnung. Auch mit gentechnisch verändertem Maispollen voll gestopft und mit Bt-Toxin überschüttet, fressen Bienen munter weiter, haben weder Sammelhemmungen noch Nachwuchsprobleme und keine Opfer zu beklagen. Aufhorchen lässt jedoch eine Studie des Instituts für Zoologie der Universität Halle. In einem Flugzelt eingesperrte Bienen wurden sechs Wochen lang mit hoch konzentriertem Genmais-Pollen-Müsli gefüttert. Als die Tiere zufällig an einem Parasiten erkrankten, waren die Verluste bei den Versuchstieren wesentlich höher als bei der Kontrollgruppe mit herkömmlicher Kost. »Wir wissen nicht genau, woran das liegt«, sagt Versuchsleiter Hans-Hinrich Kaatz. »Es könnte sein, dass das Bt-Toxin an die Epithelzellen im Darm andockt, zu wirken beginnt und dadurch die Biene derart schwächt, dass sie dem Parasiten schutzlos ausgeliefert ist.« Aber auch der umgekehrte Fall sei möglich: Erst der Parasitenbefall schwächt die Biene so, dass das Toxin wirken kann. Kaatz gibt aber zu bedenken, dass die Bienen im Versuch eine zehnmal höhere Dosis an Bt-Toxin erhielten, als im Pollen normalerweise vorhanden ist. GAR © DIE ZEIT, 02.11.2006 Nr. 45 http://www.zeit.de/2006/45/N-Honig