From 078222664-0001 at t-online.de Sat Oct 8 00:17:29 2005 From: 078222664-0001 at t-online.de (Klaus Schramm) Date: Sat, 8 Oct 2005 00:17:29 +0200 Subject: [Gen-Info] Wie weiter in Austria? Message-ID: <1EO0Wv-06pkMi0@fwd35.sul.t-online.de> Hallo Leute! Hier drei interessante Artikel zur aktuellen Situation in Österreich nach der negativen EU-Entscheidung. Ciao Klaus Schramm klaus.schramm at bund.net EU kippt Oberösterreichs Gentechnik-Verbot Oberösterreich wollte gentechnisch veränderte Organismen nicht zulassen und protestierte vor dem EuGH gegen EU-Entscheid - allerdings vergeblich Wien/Luxemburg - Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat das flächendeckende Verbot zum Anbau gentechnisch veränderter Organismen in Oberösterreich gekippt. "Die Klage des Landes Oberösterreich ist abgewiesen worden", teilte der Leiter des oberösterreichischen Verbindungsbüros in Brüssel, Gerald Lonauer, auf Anfrage der APA am Mittwoch aus Luxemburg mit. Kein Beweis Oberösterreich und die Republik hätten keinen Beweis erbracht, "um die Ergebnisse der EFSA zu widerlegen, nach denen die Republik Österreich nicht nachgewiesen habe, dass das Gebiet des Landes Oberösterreich über ein ungewöhnliches oder einzigartiges Ökosystem verfüge", heißt es in dem Urteil des EuGH. Nebeneinander nicht möglich Oberösterreich wollte den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen grundsätzlich nicht zulassen. Das entsprechende Gesetz wurde von allen vier Landtagsparteien beschlossen. Auf Grund der klein strukturierten Landwirtschaft sei ein Nebeneinander von Gentechnik und konventionellem bzw. biologischem Anbau in Oberösterreich nicht möglich, ist man in dem Bundesland unter Berufung auf ein Gutachten des Genetechnikexperten von Global 2000, Werner Müller überzeugt. Laut EU-Kommission stand das Verbot allerdings im Widerspruch zum Binnenmarkt. Die EU-Lebensmittelagentur EFSA hatte bereits 2003 erklärt, Österreich habe keine wissenschaftlichen Argumente für das oberösterreichische Gentechnikverbot vorgebracht. "Keiner der genveränderten Organismen, die in der EU zugelassen sind, ist gefährlich. Sie haben alle wissenschaftlichen Untersuchungen durchlaufen, die zeigen, dass sie keine Gefahr für Gesundheit oder Umwelt sind. Um sie verbieten zu können, muss ein Land beweisen, dass Gefahr für Gesundheit oder Umwelt besteht oder neue Erkenntnisse vorlegen, die zeigen, dass sie aus bestimmten Gründen in einem bestimmten Gebiet für den Anbau nicht geeignet sind. Das gilt unserer Meinung nach nicht für Oberösterreich", erklärt der Sprecher von Landwirtschaftskommissarin Fischer-Boel, Michael Mann heute am Morgen, noch ehe die Entscheidung gefallen war, laut Oe1-Morgenjournal. Protest Gemeinsam mit der Republik sind die Oberösterreicher deshalb gegen die Entscheidung der EU-Kommission vor den EuGH gegangen. Die anderen österreichischen Bundesländer würden auf einen anderen Weg setzen, wurde im Morgenjournal berichtet. Anstelle eines Verbots setze man dort auf Auflagen, den besonderen Schutz ökologisch sensibler Gebiete und die Klärung von Haftungsfragen im Falle von Verunreinigungen durch gentechnisch veränderte Pflanzen. Damit ist auch die Kommission einverstanden. Die Entscheidung war mit Spannung erwartet worden, hatte sie doch über Österreich hinaus Bedeutung. Auch andere europäische Regionen von der Bretagne bis zur Toscana wollten gentechnik-frei bleiben und hatten sich mit den Oberösterreichern zur Plattform gegen den Gentechnik-Anbau zusammen getan. Hätten die EU-Richter den Weg für ein Gentechnik-Verbot freigemacht, dann hätte die gentechnikfreie Zone Oberösterreich vermutlich europaweit Schule gemacht. (APA/Red) http://derstandard.at/?url=/?id=2197541 ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Gericht kippt Gesetz gegen Gensaat Oberösterreich darf den Anbau von manipulierten Pflanzen nicht grundsätzlich untersagen. Urteil gilt für die ganze EU BERLIN taz - Gesetzlich verordnete gentechnikfreie Regionen bleiben in der Europäischen Union verboten. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) kippte gestern endgültig ein vom Bundesland Oberösterreich erlassenes Anbauverbot für gentechnisch verändertes Saatgut. Die Luxemburger Richter gaben damit der EU-Kommission Recht, die schon vor zwei Jahren der Landesregierung untersagte, das gesamte Bundesland per Gesetz zur gentechfreien Region zu erklären. Das Urteil hat nicht nur für das Burgenland Bedeutung. Denn damit ist jetzt klar, dass pauschale vom Gesetzgeber erlassene Anbauverbote für Gentech-Pflanzen in der EU grundsätzlich unzulässig sind. Die Entscheidung über die Zulassung einer Gentech-Pflanzen wird in Brüssel gefällt. Alle müssen sich dieser Entscheidung beugen. Nach der Europäischen Freisetzungsrichtlinie haben sie nur die Möglichkeit, den Anbau zu unterbinden, wenn sie für eine bestimmte Linie von gentechnisch veränderten Organismen eine konkrete Gefährdung der Umwelt oder gesundheitliche Risiken nachweisen. Mit dem Anbauverbot wollte Oberösterreich seine konventionell und biologisch wirtschaftenden Bauern vor unerwünschte Gentech-Kontaminationen durch Pollenflug schützen. Vor allem für die kleinräumlich strukturierte Landwirtschaft Österreichs könnte das fatale Folgen haben. Doch sowohl die Kommission als auch jetzt das EuGH wollte dieser Argumentation nicht folgen. "Ein Skandal", sagte Werner Müller von der österreichischen Umweltorganisation "Global 2000". Der EuGH habe sich mit diesem Urteilsspruch der Gentech-Lobby gebeugt. Für freiwillige Bündnisse von Landwirten, die ihre Region zur gentechfreien Zone erklären, hat das EuGH-Urteil zwar keine Bedeutung. Allein in Deutschland gibt es mittlerweile schon 78 gentechfreie Regionen und Initiativen. Kommunen oder Landkreise dürfen diese Bündnisse aber nicht mit einer gesetzlichen Regelung unterstützen. WOLFGANG LÖHR taz Nr. 7786 vom 6.10.2005, Seite 7 http://www.taz.de/pt/2005/10/06/a0170.nf/text ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Österreichs Kampf gegen Gentechnik noch nicht verloren EuGH-Entscheidung zeigt Schwächen der EU-Gentechnikgesetzgebung auf Wien (pte/05.10.2005/16:34) - Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat heute, Mittwoch, gegen den oberösterreichischen Vorstoß ein flächendeckendes Gentechnik-Verbot zu erlassen, ein Urteil gesprochen: Der EuGH entschied nun gegen dieses Verbot und hat die Klage abgewiesen. Nach Ansicht der Grünen sei dies aber noch lange nicht das Ende im Kampf gegen ein Verbot der Gentechnik. "Das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange in unserem Kampf für eine gentechnikfreie Landwirtschaft", so der NR-Abgeordnete Wolfgang Pirklhuber, Sprecher für Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit im Grünen Klub http://www.gruene.at . "Wenn die EU ein generelles Verbot nicht zulässt, müssen wir eben für jede neu zugelassene Gentechnik-Pflanzenart eine eigene Verbotsregelung festlegen, um dem Wunsch der Konsumenten nach gentechnikfreien Lebensmitteln nachzukommen", so Pirklhuber zu pressetext. Die zuständigen Minister müssten dabei nicht nur die bestehenden Importverbote aufrecht erhalten, sondern auch auf EU-Ebene gegen alle weiteren Zulassungen stimmen und sämtliche neu zugelassenen Gentech-Pflanzen mit einem Importverbot belegen. "Gentechnikfreies Saatgut muss auch im neuen Programm für die ländliche Entwicklung 2007 bis 2013 zu einer zentralen Fördervoraussetzung werden, dann sind mit einem Schlag 90 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Österreich gesichert gentechnikfrei", so Pirklhuber. Die Teilnahme an diesem Programm sei freiwillig und kann daher von der EU nicht gekippt werden. "Die zwei Bundesländer Burgenland und Kärnten haben sich einstimmig im Landtag dafür ausgesprochen", erklärt der Experte. Für Oberösterreich bestehe die Möglichkeit, das kulturartenspezifische Verbote für Raps und Mais - das sind die derzeit für Oberösterreich relevanten auf EU-Ebene zugelassenen Gentech-Konstrukte - auszusprechen, so Pirklhuber abschließend. Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 http://www.global2000.at kritisiert, dass sich der EuGH für die Abschmetterung des oberösterreichischen Gentechnikgesetzes bedenkenlos auf eine Begutachtung der europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) stützt. Die EFSA schreibe in ihrem Gutachten, dass sie sich mit der Frage der Koexistenz von gentechnikfreier mit Gentech-Landwirtschaft nicht auseinandergesetzt habe, da dies nicht im Rahmen ihrer Zuständigkeit liege. "Damit ist das Gutachten der EFSA und auch das EuGH-Urteil eine Themenverfehlung, denn das oberösterreichische Gentechnikverbotsgesetz und die zugrunde liegende Studie befassen sich ausschließlich mit der Frage der Koexistenz", erklärt Gentechnikexperte Werner Müller. Davon sei jedoch in der Urteilsbegründung des EuGH keine Rede. "Das Verbot von Gentechnik in der Landwirtschaft in Oberösterreich wird damit begründet, dass hier aufgrund der kleinräumigen Struktur der Landwirtschaft die Frage des Nebeneinander praktisch ungelöst ist. Die Vorgangsweise der EFSA und jetzt des EuGH ist skandalös angesichts der weit reichenden Entscheidung, die hier gefällt wird", kritisiert Müller. (Ende) Aussender: pressetext.austria Redakteur: Wolfgang Weitlaner http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=051005039 ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ From 078222664-0001 at t-online.de Sat Oct 8 00:17:33 2005 From: 078222664-0001 at t-online.de (Klaus Schramm) Date: Sat, 8 Oct 2005 00:17:33 +0200 Subject: [Gen-Info] gefaehrdeter Honig Message-ID: <1EO0Wz-06pkMj0@fwd35.sul.t-online.de> Hallo Leute! Hier noch ein Artikel zum Thema Honig, in dem es nicht nur um die Gefährdung durch Gentechnik geht. Ciao Klaus Schramm klaus.schramm at bund.net Allerweltshonig mit Antibiotikabeigabe Seit den Anfängen der Menschheit spielen Honig und Bienen eine entscheidende Rolle. Nicht umsonst galt schon im Alten Testament "das Land wo Milch und Honig fließen" als das "Gelobte Land". Konkret meinten die antiken Autoren das Gebiet der Nomaden, die mit ihren Viehherden über weite blühende Wiesen zogen, sich von der Milch ihrer Tiere und vom Honig der zahlreichen wilden Bienenvölker ernährten. Die Natur war nicht "Untertan" des nomadisierenden Menschen, sondern er war ein Teil einer natürlichen Symbiose, einer sich gegenseitig unterstützenden und nützenden Naturgemeinschaft. Unsere "HighTech-Zivilisation" hat diese Zusammenhänge vergessen, verdrängt, als "romantische" Spinnerei abgetan. Es zählt der kurzfristige Profit, das technisch Machbare. Natürliche Kreisläufe, symbiotische Zusammenhänge sind der modernen Agrarindustrie und ihren verblendeten Jüngern ein Graus. Ihr Ansatz ist, nicht mit der Natur zu arbeiten, sondern gegen sie. Kunstdünger, Pestizide, Hybridpflanzen, Klonierung, Gentechnik sind die modernen Waffen, um natürliche Vielfalt durch künstliche Einfalt zu ersetzen und um standardisierte Lebensmittel für unsere Gesellschaft herzustellen. Ob das, was wir dann essen, aber noch wirklich Mittel zum Leben sind? Antibiotika im Supermarkt-Honig An vorderster Front betroffen von der heute weit verbreiteten aggressiven Agrarindustrie sind unsere Bienen - die (noch) zahlreichen Wildbienenarten genauso wie die Honigbienen. Folge: Selbst Honig ist oft nicht mehr das Naturprodukt, was es einmal war. Die Stiftung Warentest beispielsweise stellte bei Tests im vergangenen Jahr fest: Mehr als die Hälfte von 34 untersuchten Honigen waren mangelhaft, weil er entweder fremdartig schmeckte, Rückstände von Antibiotika enthielt oder falsch deklariert war. Beispielsweise schmecke der Tannenhonig von Nook statt nach Tanne überwiegend nach Edelkastanie. Auch in den Rapshonigen von Dreyer und Müngersdorff war nach Meinung der Warentester nicht das drin, was auf dem Etikett angepriesen wurde. Und die Akazienhonige von Biophar, Breitsamer und Dr. Ritter seien eigentlich nur Blütenhonige mit Akazienanteilen. Während von Wildblütenpollen im angeblichen Wildblütenhonig von Lidl keine Spur gewesen sei. Die Mischblütenhonige von Aldi Nord, Immenhof und Kaiser's Tengelmann fanden gar keinen Beifall bei den Testern, denn sie schmeckten nach dem Insektenabwehrmittel Phenylacetaldehyd, mit dem manche Imker bei der Honigernte die Bienen aus den Waben treiben, womit wir auch schon beim eigentlichen Thema sind. Honig ist nicht gleich Honig und Imker ist nicht gleich Imker. Das trifft vor allem auf die konventionelle Imkerei in Übersee zu. Naturkind mit Nitrofuranen Bienenhonig ist nicht mehr per se ein reines Naturprodukt. Es kommt auf den Imker an und wie er seine Bienenvölker im wahrsten Sinne des Wortes behandelt. So entdeckte die Stiftung Warentest mit Besorgnis bei ihren stichpunktartigen Tests vier Honige, die über die Maßen mit Antibiotika belastet waren: Der Langnese-Weißtannenhonig war mit dem Antibiotikum Tetracyclin belastet, was ein hausgemachtes Problem ist. Denn Tetracyclin stammt aus dem üblichen "Arzneimittelkasten" der konventionellen Imker selbst, um ihre Bienen gegen diverse Milben oder Krankheitskeime zu behandeln. "Wachsmotten, Tracheenmilben, diverse Virosen und Bakteriosen werden seit jeher mit Naphthalin, Antibiotika wie Tetracyclinen oder mit Pyrethroiden behandelt. Manche Imker setzen die Chemikalien prophylaktisch ein, auch wenn die Völker keine Symptome zeigen, Überdosierungen und nutzlose Therapieversuche werden oft nicht erkannt", so der wissenschaftliche Informationsdienst des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften (EU.L.E.). Im Wal-Mart-Honig "Great Value Blütenhonig" sowie im Naturkind-Wiesenblütenhonig von Kaiser's/Tengelmann fanden die Tester wiederum Umwandlungsprodukte von Nitrofuranen - Antibiotika, die seit 1995 in der EU generell verboten sind, aber in Südamerika weiterhin erlaubt, wo auch die betroffenen Honige herkamen. Nitrofurane gelten als Krebs erregend und Erbgut schädigend. Schlecht für die Biobranche: Der betroffene Naturkind-Honig war als Bio-Honig deklariert. Auch der vierte beanstandete Honig war - für die Biobranche gar nicht lustig - ein Bioprodukt, der Akazienhonig Grünes Land. Er enthielt Rückstände des Antibiotikums Streptomycin in unerlaubter Höhe. Die Bienen hatten wahrscheinlich nur zum falschen Zeitpunkt an einer konventionellen Obstplantage genascht. Denn Streptomycin setzen konventionelle Obstbauern in Deutschland zur Bekämpfung des so genannten Feuerbrands ein - was aber nach Meinung von alternativen Landwirtschaftsexperten gar nicht sein müsste und im Nachbarland Schweiz auch verboten ist. Nichtsdestotrotz wird weiter in mehreren Ländern Europas Streptomycin eingesetzt, woran die Imker keine Schuld tragen, sondern die konventionelle Agrarbranche sowie unsere Gesellschaft und Politiker, die dies zulassen. Gentechnik bedroht Existenz der Imker Bio-Imker dürfen ihre Bienenstöcke zwar nicht gezielt in konventionelle Intensivobstkulturen zur Honiggewinnung oder Bestäubung setzen. Aber Bienen können mehrere Kilometer weit fliegen und ein Bienenvolk eine Fläche von bis zu 160 Quadratkilometer beweiden. Und große, rein biologisch bewirtschaftete Flächen sind selten im Süden und Westen Deutschlands. Verschärft wird dieses "Weideproblem" durch den von der Life-Science-Industrie und ihren politischen Befürwortern bei CDU, CSU, FDP und SPD geforderten Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf den Äckern. Faktisch wäre es nämlich unmöglich, Bienen davon abzuhalten, Nektar beispielsweise auf genetisch veränderten Rapsfeldern zu sammeln. Die Herstellung von gentechnikfreien Honig wäre dann bei uns nicht mehr möglich. Doch die meisten Menschen nicht nur in Deutschland wollen kein Gen-Food auf dem Teller. Deutscher Honig - egal ob "bio" oder nicht "bio" - wäre folglich kaum noch zu verkaufen. Diese Problematik scheint unseren Spitzenpolitikern gar nicht richtig bewusst zu sein. So antwortete der Staatssekretär im Ministerium für Bildung und Forschung auf eine Gentechnik-Anfrage: "Wenn der GVO-Pollen im Honig den Geschmack nicht beeinträchtigt, sollten die Imker doch nichts dagegen haben". Wie sollen besorgte Imker eine solche Antwort werten - als naiv, dumm, dreist oder ignorant? Auch den Supermarktketten und Lebensmittelkonzernen ist die Zukunft der heimischen Imkerei, einem der ältesten Berufsstände überhaupt, ziemlich egal. Schon jetzt stammen von den rund 100.000 Tonnen bei uns verbrauchten Honigen nur noch etwa 16.000 Tonnen aus heimischer Produktion. Der überwiegende Teil kommt zu unfairen Dumpingpreisen aus fernen Ländern wie Argentinien, Mexiko oder China, was die Problematik mit Antibiotikarückständen noch verschärft. So fand sich zeitweise das krebserregende Chloramphenicol in chinesischen Honiglieferungen. Heimischer Honig vom Imker aus der Region ist der beste Honig So katastrophal die Untersuchung der Stiftung Warentest für die Importhonige auch ausfiel. Garantiert deutscher Honig bekam gute Noten, denn nur er erwies sich als rückstandsfrei. Da nach EU-Honigverordnung die Herkunft des Honigs nun auf dem Etikett stehen muss, könnte dies ein Wettbewerbsvorteil für deutsche Imker sein. Leider aber hat die "Importlobby" der Honigvermarkter in Brüssel gleichzeitig auch die Verkaufserlaubnis für filtrierten Honig durchgesetzt. "Damit sei der Manipulation Tür und Tor geöffnet", kritisiert die Leiterin der Untersuchung, Birgit Rehlender. Aufgrund der im natürlichen Honig enthaltenen Pollen, die wie ein Fingerabdruck sind, lässt sich nämlich bislang sehr leicht seine Herkunft feststellen. Bei der erlaubten Mikrofiltration aber werden die Pollen abgetrennt, also der "Fingerabdruck", der natürliche Herkunftsnachweis beseitigt. Auch lässt sich dann nicht mehr feststellen, ob die Bienen auf genetisch veränderten Pflanzen geweidet haben - Importe von bisher fast unverkäuflichem Gen-Rapshonig aus Kanada könnten so praktisch nicht mehr nachzuweisen sein. Verbrauchern ist deshalb grundsätzlich zu empfehlen: Kaufen Sie den Honig beim Imker aus der eigenen Region - solange es ihn noch gibt! Denn nicht nur Billigimporte und der Preisdruck der auf "Geiz ist Geil" setzenden Handelsketten machen unseren Imkern das Leben schwer. Bestimmte in unserer Landwirtschaft erlaubte Pestizide setzen auf der anderen Seite ihren Nützlingen zu. So fordern Imker- und Umweltverbände ein Verbot des Pestizids Gaucho sowie weiterer Mittel mit dem Wirkstoff Imidacloprid in Deutschland. Der "erfolgreiche" Wirkstoff des Leverkusener Bayer-Konzerns, der sich in rund 70 verschiedenen Präparaten vom Saatgut-Beizmittel bis zum Granulat zur Fliegenbekämpfung in Viehställen findet, steht in dringendem Verdacht, verantwortlich für das Bienensterben in weiten Teilen Europas zu sein. Verbesserungen seien aber ebenso im Biolandbau nötig, meint der Landwirtschaftsexperte und Wissenschaftler an der Universität Hannover Friedhelm Berger vom Umweltbund. Denn problematisch für Bienen und Honig seien auch manche im Biolandbau erlaubte natürliche Insektizide und Kupferpräparate. Norbert Suchanek Alle Texte von Norbert Suchanek sind urheberrechtlich geschützt. Mit freundlicher Gehnehmigung. Kontakt: Norbert Suchanek http://www.chiara-angeli.de/tinc?key=iux9eG8Z http://www.bio100.de/html/body_n_suchanek_17.html#n17-2