From 078222664-0001 at t-online.de Wed Jun 23 11:52:10 2004 From: 078222664-0001 at t-online.de (Klaus Schramm) Date: Wed, 23 Jun 2004 11:52:10 +0200 Subject: AW: [Gen-Info] Studie zu Gen-Milch drei Jahre geheim gehalten References: Message-ID: <1Bd4QM-1ZMgfA0@fwd00.sul.t-online.com> Sehr geehrte Frau Strohmeier! Sie kritisieren - und ich denke, zurecht - , daß in meinem Artikel nichts über die Folgeuntersuchungen und Gegenargumente zu lesen ist. Ich habe mir da tatsächlich etwas entgehen lassen: So heißt es jetzt beispielsweise in Spiegel-online (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,305091,00.html): >>(...) Zudem zeige der Untersuchungsbericht mehrere Möglichkeiten auf, wie die Gen-Abschnitte in die Milch gelangt sein könnten: über das Gen-Futter, das die Tiere bekommen haben oder den Staub des Futters in der Luft. Bisher seien keine weiteren Untersuchungen durchgeführt worden, um den genauen Weg der Gene in die Milch zu klären. Forscher geben Entwarnung Die Experten am Forschungszentrum für Milch und Lebensmittel (FML) aber widersprachen der angeblichen Greenpeace-Enthüllung vehement. Zwar hätten Milchproben, die vor mehr als drei Jahren von der Hessischen Landesvereinigung für Milch und Milcherzeugnisse zugesandt worden seien, überraschenderweise Spuren manipulierter DNS-Fragmente enthalten. Allerdings seien diese Proben nicht in einer wissenschaftlichen Studie entnommen worden, sondern von einem privaten Auftraggeber an das FML geschickt worden. "Daher bestanden keine genauen Informationen zur Qualität der Probennahme", heißt es in einer Stellungnahme des FML. Um dennoch sicher zu gehen, habe das Forschungszentrum in Weihenstephan wissenschaftliche Studien durchgeführt. Das Ergebnis: Erbgut, das Tiere über das Futter bekommen, wird im Organismus abgebaut. Übrig bleiben am Ende lediglich Fragmente und Einzelbausteine der Erbsubstanz, die keinen Schaden mehr anrichten können. In kontrollierten Studien sei niemals manipulierte DNS in Kuhmilch gefunden worden. Das veränderte Erbgut, das in den privaten Milchproben gefunden worden sei, sei wahrscheinlich erst bei der Lagerung in Tanks in die Milch gelangt. "Selbst unter hygienisch einwandfreien Bedingungen", so das FWL, sei eine solche Verschmutzung "fast unvermeidlich". << Also alles eine Falschmeldung hysterischer Gentechnik-GegnerInnen? Schauen wir uns doch diese Argumente einmal genauer an: 1. Die - unbestritten festgestellten - Gen-Abschnitte in der untersuchten Milch könnten aus dem Staub des Futters stammen und über die Luft in die Milch geraten sein. Wer schon einmal auf einem Bauernhof war, weiß, daß heutzutage beim Füttern immer Staub aus den zu entleerenden Säcken verwirbelt wird. In der PRAXIS wird also ein Eintrag auf diesem Wege in die Milch kaum zu vermeiden sein. Wie kommt es dann, daß bei den Untersuchungen in den Labors (mal von Fragmenten und Einzelbausteinen, auf die bisher nicht untersucht wurde, abgesehen) in der Regel bisher keine Rückstände von genmanipulierter DNA gefunden wurden? Es wurde selbst- verständlich unter sterilen Bedingungen - wie sie in der Molekular- biologie üblich sind - gearbeitet. Daß solche Ergebnisse für die Realität dann keine Aussagekraft haben, fällt diesen Wissenschaftlern anscheinend nicht einmal auf. Vielleicht sind ihnen mildernde Umstände anzurechnen... (Hierzu weiter unten noch eine Anmerkung.) 2. Die - unbestritten festgestellten - Gen-Abschnitte in der untersuchten Milch könnten bei der Lagerung in Tanks in die Milch gelangt sein. Das FML, Weihenstephan, (an einer Stelle im Spiegel-Zitat steht fälschlich FWL statt FML) kommentiert selbst ganz korrekt: "Selbst unter hygienisch einwandfreien Bedingungen" sei eine solche Verschmutzung "fast unvermeidlich". Gemeint sind hier die hygienisch einwandfreien Bedingungen auf einem Bauernhof bei Fütterung und Lagerung der Milch in Tanks. Das bedeutet aber wiederum, daß es in der PRAXIS bei Fütterung mit Gen-Mais- oder Gen-Soja-Bestandteilen in den Kraftfuttermischungen UNVERMEIDLICH zu einem Eintrag in die Milch kommt. Auf welchem Weg dies geschieht, ist für das Ergebnis irrelevant. 3. Bisher sind keine weiteren Untersuchungen durchgeführt worden, um den genauen Weg der Gene in die Milch zu klären. Dies ist allerdings ein gravierndes Versäumnis, das auf ein völliges Desinteresse der beteiligten WissenschaftlerInnen an für die EndverbraucherInnen relevanten Ergebnissen hindeutet. (Hierzu nochmals der Hinweis auf eine weiter unten folgende Anmerkung.) 4. Erbgut, das Tiere über das Futter bekommen, wird im Organismus abgebaut. Übrig bleiben am Ende lediglich Fragmente und Einzelbausteine der Erbsubstanz, die keinen Schaden mehr anrichten können. Mit eben diesem selben Argument wird uns seit Jahren versucht, genmanipulierte Nahrungsmittel schmackhaft zu machen: Auch in der menschlichen Verdauung wird die Nahrung (in der Regel) in molekulare Bruchstücke zerlegt, so daß langkettige DNA-Moleküle keine / nur eine geringe (hier gehen die Ansichten der WissenschaftlerInnen auseinander) Chance haben, die Barriere der Darmwand zu überwinden... Logischer Schluß: Milch aus genmanipulierter Fütterung ist ebenso gefährlich oder ungefährlich wie irgendwelches sonstige Gen-Food. Anmerkung: Kaum ein Forschungsbereich ist heute so sehr von "Drittmitteln", d.h. finanzieller Alimentierung durch die Konzerne, abhängig wie die Gen- Technik-Forschung. Daß Untersuchungen, die zu unerwünschten Ergebnissen für die Financiers führen könnten, schlicht vergessen werden, darf dann nicht verwundern. Benedikt Härlin von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft schreibt in der Tageszeitung v. 22.05.04 ganz zurecht: >>Natürlich hat die Molekularbiologie in den vergangenen Jahrzehnten Quantensprünge vollbracht. Doch leider führte das exponentielle Anschwellen der DNA-Datenbanken bisher eher zu Informationsoverkill der beteiligten Wissenschaftler und Techniker. Sie haben sich in Details verheddert und, nicht zuletzt durch systematische Austrocknung anderer Disziplinen der Biologie, Ökologie und Agrarforschung, schlichtweg den Überblick verloren. "Inseln spezialisierter Exzellenz in einem Meer von Ignoranz" nannte ein Gentechniker der ersten Stunde diesen Aggregatzustand der Molkularbiologie. Jüngere Kollegen, deren Karriere daran hängt, möglichst schnell möglichst viele Details aus dem Mega-Daten-Anfall zu publizieren und patentieren, erlauben sich derart häretische Bemerkungen nicht mehr.<< Zumindest sind wissenschaftliche Aussagen immer mit Vorsicht zu "genießen". Wenn sie allerdings - wie in diesem Fall - ein vierfaches Eigentor darstellen, sind sie doch ein ganz besonderer Genuß... Ciao Klaus Schramm klaus.schramm at bund.net Bund Naturschutz schrieb: > Sehr geehrter Herr Schramm, > > auch ich habe heute in der Presse von den Gentec-Funden in der Milch > gelesen. > In den Nürnberger Nachrichten wird außerdem berichtet, dass die > Weihenstephaner > Forscher darauf hin eine Versuchsreihe zur Überprüfung durchgeführt > haben,wobei > keine entsprechenden Funde mehr auftraten. > Auch Greenpeace hält es laut NN für möglich, dass die Fragmente über die > Luft > z.B. durch Futterstaub direkt in die Milch gelangt sind. > > Das scheint mir doch ein relativ ausgewogener Zeitungsbericht zu sein. > Leider erwähnen Sie diese Folgeuntersuchung in Ihrem Gen-Info mit keinem > Wort. > > Mit freundlichen Grüßen, > Barbara Strohmeier > (kritische Gentechnik-Kritikerin) > > Bund Naturschutz in Bayern e.V. > Kreisgruppe Nürnberger Land > Penzenhofener Str. 18 > 90610 Winkelhaid > Tel.: 09187-4666 > Fax: 09187-4960 > http://home.netsurf.de/bundnatu/ > > BITE BACK: WTO HANDS OFF OUR FOOD! > Bush is using the World Trade Organisation > to force-feed you genetically modified > food! You can help stop them: Bite Back > today and sign the Citizen's Objection > to the WTO at http://www.bite-back.org > > > -----Ursprüngliche Nachricht----- > Von: gen-info-bounces at ilpostino.jpberlin.de > [mailto:gen-info-bounces at ilpostino.jpberlin.de]Im Auftrag von Klaus > Schramm > Gesendet: Montag, 21. Juni 2004 23:57 > An: gen-info at listi.jpberlin.de > Betreff: [Gen-Info] Studie zu Gen-Milch drei Jahre geheim gehalten > > > Hallo Leute! > > Wie heißt es so schön: "Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch > ans Licht der Sonnen!" > > Ciao > Klaus Schramm > klaus.schramm at bund.net > > 21.06.2004 > > Wissenschaftsskandal > > Negative Studie zu Gen-Milch drei Jahre geheim gehalten > Gen-Futter ist doch in der Milch nachweisbar > > Manipuliertes Erbgut aus Futter-Pflanzen wie Gen-Soja > und Gen-Mais, die auch hier in Deutschland bereits im > Einsatz sind, läßt sich in der Milch von Kühen > nachweisen, denen dies verfüttert wurde. Drei Jahre lang > wurde ein Untersuchungsbericht des > Forschungszentrums für Milch und Lebensmittel in > Weihenstephan, Bayern, unter Verschluß gehalten. Aus > dieser Studie geht hervor, daß in der Milch von Kühen, > denen genmanipulierte Futtermittel zu fressen gegeben > wurden, Teile der Erbsubstanz der eingesetzten > Gen-Pflanzen zu finden sind. > > Greenpeace veröffentlichte heute diesen > Untersuchungsbericht, den Unbekannte der > Umwelt-Organisation zugespielt hatten. So ist auch das > gerade eben erst durch den Bundestag geschleuste > Gentechnik-Gesetz, das vorgeblich eine Koexistenz > regeln soll, obsolet. Kritisiert wurde schon seit einiger > Zeit, daß alle Nahrungsmittel als "gentechnik-frei" > deklariert werden sollen, die nicht unmittelbar > genmanipulierte Bestandteile enthalten. Doch 80 bis 90 > Prozent aller Gen-Pflanzen werden als Futtermittel > vermarktet und gelangen durch die Mägen von Kühen, > Schweinen und Hühnern in die Nahrungskette. So > können die KundInnen im Supermarkt keineswegs die > vielgepriesene "Abstimmung mit dem Einkaufskorb" > realisieren.(1) > > Bisher wurde von Seiten der Genforscher und der > Konzerne behauptet, Gen-Pflanzen würden in der > Verdauung der Tiere abgebaut und könnten auch nicht > in Spuren in Fleisch oder Milch gelangen. In den > analysierten Milchproben wurde jedoch - so die > veröffentlichte Studie - die Erbsubstanz von > genmanipuliertem Roundup-Ready-Soja und Gen-Mais > der Sorte Bt 176 nachgewiesen. Greenpeace fordert nun > weitere Studien und die Kennzeichnung von tierischen > Produkten, die mit Hilfe von Gen-Futter erzeugt wurden. > Was die Genforschung bisher als unmöglich dargestellt > hatte, müsse nun anders bewertet werden, erklärte > Greenpeace. > > In der aktuellen Kampagne gegen Müller-Milch und bei > der Klage, die der Branchenführer dagegen angestrengt > hat, kann die veröffentlichte Studie zum Zünglein an der > Waage werden. Müller-Milch verweigert laut Greenpeace > jede klare Auskunft darüber, ob die verarbeitete Milch > von Kühen stammt, die mit Gen-Pflanzen gefüttert > wurden. Unterlassungsklage gegen die > Greenpeace-Kampagne hat Müller-Milch beim > Landgericht Köln eingereicht. Am Mittwoch, 23. Juni, will > das Gericht über die Klage entscheiden. > > > Klaus Schramm > > Anmerkung: > > 1 Siehe auch unseren Artikel > 'Müller-Milch verklagt Greenpeace' > Motto: Milch stinkt nicht trotz Gen-Futter (2.06.04) > www.netzwerk-regenbogen.de/genmueller040602.html > > > Hinweis: > > Seit 1998 besteht ein Gen-Moratorium in Europa, das > aber - insbesondere durch den Druck der US-Regierung - > in Frage gestellt ist und bereits 2003 hätte fallen sollen. In > der Schweiz wurden bis Mitte 2003 über 110.000 > Unterschriften für den Erhalt des dortigen > Gen-Moratoriums gesammelt. Damit ist der Weg in der > Schweiz für einen Volksentscheid beschritten. Bei der > Unterschriften-Aktion zum Erhalt des Gen-Moratoriums > in Deutschland kamen bisher über 330.000 > Unterschriften zusammen. Das hat bereits einige > Beachtung gefunden. Um den Druck zu erhöhen, muß > die Beteiligung noch erheblich gesteigert werden - > Vordrucke für Unterschriften-Listen können von der > Internet-Seite www.gen-moratorium.de heruntergeladen > werden. > > _______________________________________________ > Gen-Info Mailingliste > JPBerlin - Mailbox und Politischer Provider > Gen-Info at ilpostino.jpberlin.de > http://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/gen-info > > > > _______________________________________________ > Gen-Info Mailingliste > JPBerlin - Mailbox und Politischer Provider > Gen-Info at ilpostino.jpberlin.de > http://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/gen-info